Mehr als Kirchenmusik

Frauke Brandt aus Bassum liebt die Vielseitigkeit der Orgel

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Frauke Brandt an der Becker-Orgel in der Stiftskirche in Bassum.

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Mal helle, mal dunkle, mal laute, mal leise Klänge erfüllen die Stiftskirche in Bassum. 151 Jahre ist die Orgel alt, aus der sie kommen. Aber erst 18 Jahre zählt die junge Frau, die sie ihr entlockt.

Frauke Brandt aus Bassum sitzt auf der Holzbank und lässt ihre Finger über die Tasten tanzen. So oft es ihre Zeit erlaubt, kommt sie her, um zu üben. Sie liebt den wuchtigen Klang des Instruments, das vielfältiger sei, als viele Menschen vermuten würden.

Vor vier Jahren hat sie ihre Liebe zur Orgel entdeckt. „Bei uns zu Hause stand ein Keyboard, auf dem ich immer herumgeklimpert habe“, berichtet Frauke. Dann habe ihre Mutter sie gefragt, ob sie nicht Klavierspielen wolle. Doch Frauke entschied sich für die Orgel. „Weil das nicht jeder spielt und man den Klangcharakter mehr ändern kann.“

Einmal pro Woche bekam sie Unterricht beim Kreiskantor. „Am Anfang war es schwer, sich daran zu gewöhnen, dass die linke Hand etwas anderes macht als die rechte und die Füße“, erinnert sich Frauke. Aber es habe ihr viel Spaß gemacht, und zwei Jahre später begleitete sie ihren ersten Gottesdienst. „Ich war sehr aufgeregt“, sagt die 18-Jährige. „Ich hatte Angst, eine Strophe zu vergessen oder das Falsche zu spielen. Darum habe ich den Pastor gebeten, die Lieder vorher laut anzusagen.“

Nervosität hat sich gelegt

Die Nervosität hat sich inzwischen gelegt, doch der Spaß am Gottesdienst ist geblieben – auch wenn es bedeutet, dass die 18-Jährige manchen Samstagabend früher beenden muss als ihre Freunde, um am Sonntag fit zu sein. „Aber das macht nichts“, sagt Frauke und lächelt: „Dann hat man mehr vom Tag.“ Am schönsten sei es immer, wenn die Besucher die Lieder mitsängen. „Aber ich spiele auch gern für mich.“

Wer hört, was die Bassumerin sonst noch alles in ihrer Freizeit macht, kann sich nur wundern, wie sie die Übungsstunden in der Kirche in ihrem Zeitplan unterbringt. Denn Frauke spielt auch Querflöte und Klarinette, singt im Chor der Kantorei, ist als Volleyball-Spielerin und in der Jugendfeuerwehr aktiv – und bereitet sich auf ihr Abitur vor.

Die Kirchengemeinden sind froh, dass die 18-Jährige der Orgel trotzdem treu bleibt, denn Organisten werden gesucht. Frauke bekommt unter anderem Anfragen aus Nordwohlde und Sudwalde. Sagt sie zu, kriegt sie die Lieder zugeschickt, die im Gottesdienst, bei der Taufe oder Hochzeit auf dem Programm stehen. „Am liebsten habe ich sie eine Woche vorher, um mich gut vorbereiten zu können. Ich übe dann auch in der jeweiligen Kirche, denn jede Orgel ist anders.“ Wovor sie bisher zurückschreckt, sind Beerdigungen. „Das traue ich mich noch nicht“, gesteht die 18-Jährige, die für ihr Spiel schon viele lobende Worte bekommen hat. „Das ist sehr motivierend.“

Bei Jugend musiziert auch aktiv

Doch die Bassumerin ist nicht nur in der Kirche zu hören. Sie nimmt auch an Orgelkonzerten oder Wettbewerben teil. In diesem Jahr kam sie bei Jugend musiziert bis in den Landeswettbewerb.

Was sagen eigentlich Fremde, wenn sie von ihrem ungewöhnlichen Hobby hören. „Die meisten stutzen, aber wenn ich ihnen davon erzähle, wie vielseitig die Orgel ist und man den Klang dem Charakter jedes Liedes anpassen kann, finden die meisten es dann auch cool.“ Man könne ja nicht nur Kirchenlieder darauf spielen, sondern auch Filmmusik oder Popsongs. „Ich habe mal ,Yesterday’ von den Beatles gespielt“, sagt Frauke.

Wer die Bassumerin einmal hören will, kann dieses Wochenende in den Gottesdienst nach Neuenkirchen kommen.

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