Mehr als 200 Fans und Freunde beim ersten Konzert der Rock Rolladen seit 1986

Revival wie ein großes Klassentreffen

Die Rock Rolladen 2015 – von links nach rechts: Jens Scholz, Klaus Bruns, Andreas Eden, Tim Schulte, Rüdiger Quast und Martin Barton. n Foto: Kollschen

Bassum - Von Michael Walter. Alt sind sie geworden: Die Helden von früher und ihr Publikum. Drei Jungs aus Bassum und ihre Schulfreunde von Syker Gymnasium. Martin Barton, Rüdiger Quast, Tim Schulte, Jens Scholz, Andreas „Eddy“ Eden und Klaus Bruns. Als Rock Rolladen genossen sie knapp zehn Jahre lang in Syke und umzu Kultstatus und waren in der Region eine der gefragtesten Livebands in Clubs und Kneipen. Am Samstag haben sie in Haakes Gasthaus wieder zusammen gespielt. Zum ersten Mal seit 30 Jahren. Und über 200 Fans und Freunde von früher waren dabei.

Ende der 70er gab es diese Jahreskonzerte am Gymnasium: Alle Schulbands traten nacheinander auf. Das Line-up war fast immer gleich: Vier langhaarige Jungs, eine E-Gitarre, Bass und Schlagzeug, ein Sänger. Und der war zum Zeitpunkt des Konzerts meistens grade auch noch im Stimmbruch. Die Rock Rolladen waren anders: Sie stachen hervor. Mit einheitlicher Bühnenkluft – schwarzer Anzug, Hemd und Schlips: völlig abgefahren in der Jeans, Parka und Turnschuh-Ära! – und als einzige mit mehrstimmigem Lead- und Background-Gesang. Wo sich die anderen eher hilflos an ihren Instrumenten festhielten, machten die Rock Rolladen eine Bühnenshow, die sich gewaschen hatte. Und als einzige hatten sie mit Klaus Bruns einen eigenen Techniker für Licht und Ton. Viele ihrer Mitschüler haben sie damals angefixt. Mit der Musik von Chuck Berry, Elvis, Jerry Lee Lewis, Buddy Holly und Dion. Mit der Zeit entwickelte sich eine beachtliche Fan-Gemeinde, die der Band bei ihren Auftritten hinterherzog.

„Unsere Anlage haben wir damals auf Kredit gekauft und über Jahre abgestottert“, erzählt Rüdiger. „Und wenn wir dann mal 1000 Mark für einen Auftritt gekriegt haben, hab ich nie etwas davon gesehen“, ergänzt Tim nahtlos. „Andreas war unser Finanzminister“, fährt Rüdiger fort. „Der hat alle Einnahmen kassiert und dafür gesorgt, dass wir erstmal unsere Kosten decken konnten.“ Und nur was danach übrig blieb, zahlte er den Bandmitgliedern als Taschengeld aus. Auch die 300 Mark, die Jens einmal als ersten Preis bei einem Gesangswettbewerb gewonnen hatte, musste er komplett in die Bandkasse einzahlen. Fast schon entschuldigend erklärt Andreas: „Allein die Versicherung für Instrumente und Anlage hat ja damals schon 700 Mark im Jahr gekostet.“

Letztes Konzert am

Tschernobyl-Tag

Und dann war irgendwann Schluss. Durch Studium und Beruf wurden die Auftritte seltener und blieben schließlich ganz aus. Ihr letztes Konzert spielten die Rock Rolladen beim Jubiläum zum 25jährigen Bestehen des Syker Gymnasiums. „Am 26. April 1986“, erinnert sich Andreas noch ganz genau. „Das war der Tschernobyl-Tag.“ Das war auch das letzte Mal, dass sich alle sechs gesehen haben. Erst voriges Jahr kam die Idee auf: Wäre es nicht toll, wenn wir mal wieder zusammen spielen könnten? Und jetzt war es soweit. Am Freitag auf der Probe haben sich alle sechs zum ersten mal seit 30 Jahren wieder getroffen. Obwohl: Probe könne man das ja eigentlich nicht nennen, lachen sie hinter vorgehaltener Hand. Es gab doch sooo viel zu erzählen...

Götz Alsmann hat mal gesagt: „Wer probt, kann nix!“ Und das gilt auch für die Rock Rolladen. Die Chemie stimmt nach wie vor zwischen ihnen, und damit ist auch der alte Groove schnell wieder da. Na gut: Die Bühnenshow ist nicht mehr ganz so rasant wie damals. Inzwischen ist der jüngste von ihnen ja auch schon 54 und der älteste wird nächstes Jahr 60. Aber noch immer kann sich jede Teenie-Band was von ihnen abkucken.

Dass sie nicht mehr auf den Lautsprecherboxen rumturnen, liegt allein daran, dass die modernen Boxen deutlich kleiner sind als damals. Und auch heute gibt es nicht viele, die ein Gitarrensolo blind mit der Gitarre hinterm Nacken spielen können. Rüdiger kann's immer noch – auch wenn die Gitarre heute eine andere ist. Andreas spielt dagegen heute noch den gleichen Bass wie damals, und auch Jens hat für diesen Abend extra seine alte Gibson von früher wieder rausgekramt.

Tim hingegen hat sein altes Schlagzeug 1987 verkauft, damit er sich ein Flugticket nach Amerika leisten konnte. Damals ist er seiner Freundin Jenny Taylor in ihre Heimat hinterhergereist. Er hat es nie bereut: Beide haben geheiratet und leben noch heute zusammen. Tim hat in den USA noch ein zweites Studium absolviert und ist seit 1997 Anwalt in Richmond/Virginia. Extra für dieses Revival ist er jetzt wieder nach Bassum gekommen. Die Drums, an denen er jetzt sitzt, hat ihm einer von Rüdigers Söhnen geborgt.

Die anderen hatten es nicht ganz so weit: Jens ist Lehrer in Cloppenburg, Rüdiger in Osnabrück. Martin arbeitet in der Software-Branche in Minden, Andreas bei der Agentur für Arbeit in Bremen und wohnt in Achim. Die zweitlängste Anreise hatte Klaus Bruns: Zwölf Stunden hat er sich Freitag durch diverse Staus gekämpft, ausgehend vom Bodensee, wo er als Software-Entwickler arbeitet.

Auch die Zuschauer haben zum Teil beeindruckend weite Anreisen in Kauf genommen: Aus dem Ruhrgebiet, aus Berlin, aus Bonn,... Nur um noch einmal die Rock Rolladen live zu sehen. Und die stehen oben auf der Bühne und strahlen um die Wette wie fünf kleine Jungs vorm Christbaum. „Das ist wie ein großes Klassentreffen hier“, sagt Andreas zwischen zwei Sets. „Unglaublich, wer alles gekommen ist!“ Diese Stimmung überträgt sich von der Bühne auf das Publikum und zurück.

Kurz nach Mitternacht ist Schluss. Und wie in alten Zeiten gehört der Schlussakkord „natürlich“ zu „Speedy Gonzales“, das die Rock Rolladen damals als Markenzeichen kultiviert hatten. Arm in Arm verbeugen sie sich und strahlen. „Das hat so einen Riesenspaß gemacht!“ Und dann mischen sie sich unters Volk. Andreas, der dieses Revival maßgeblich mit initiiert hatte, hat noch eine Idee: „Sollten wir das je wieder machen, müssten wir wohl unseren Namen ändern. Dann spielen wir als Rock Rollatoren.“

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