Kulturbühne Bassum 

Zuckerbrot heißt in Stolpe „Streuwurst“

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Matthias Stührwoldt zählt die Katzen im Hause auf, die erste, die zweite und die dritte kamen schließlich rein. 

Bassum - Von Angelika Kratz. Der Büchertisch im Foyer der Bassumer Grundschule zeigte sich gut bestückt, die Gäste hatten ihren Begrüßungsschluck ausgetrunken, sämtliche verfügbaren Sitzplätze der Kulturbühne waren besetzt, nur eins fehlte. Der Stargast – Matthias Stührwoldt. Der verspätete sich dank vererbter Unpünktlichkeit nur um wenige Minuten, hatte damit aber schon die erste plattdeutsche Familiengeschichte als Eisbrecher parat. Obwohl der Milchbauer aus Stolpe (Kreis Plön) solche Anzünder nicht gebraucht hätte.

Sein Name als plattdeutscher Autor mit genau den richtigen Döntjes für eine unterhaltsame Veranstaltung ist längst auch in der Bassumer Umgebung bekannt. „Der kann das“, galt somit in den Zuschauerreihen die feste Überzeugung auf einen amüsanten Abend. „Geiht dat“ gab es noch eine kurze Mikroprobe mit der lakonischen Bestätigung „jo“ und ab ging die Post über mehr als zwei Stunden voller Humor, Witz, Deftigkeit bis hin zu nachdenklichen Tönen.

Tiere zum A-21-Ragout machen

Wie aus dem Stegreif agierte der Profi aus Schleswig Holstein und hatte die Kulturbühne von der ersten Minute an fest in seiner riesigen Hand. Die sei größer als der Fuß seiner geliebten Ehefrau und Mutter der gemeinsamen fünf Kinder, meinte er.

„Wat zum Düvel“, ging der Blick zur neuen A 21. Sie spaltet seine Heimatgemeinde in zwei Teile und das frühere traditionelle Jägerragout nun hinsichtlich der überfahrenden Tiere zum A-21-Ragout macht. „Hätten sie mal uns Bauern gefragt“, hielt Stührwoldt mit seinen bittersüßen lokalpolitischen Ansichten nicht hinter dem Berg.

Die Türen seines 1911 gebauten Bauernhofes öffneten sich ganz weit und fast schon sah jeder die vielen Kästen „Beer“ für den spontanen Besucher in der Ecke stehen. Am Küchentisch durfte Platz genommen und dem bunten Familienleben zwischen Arbeit und vielen Festen über die Schulter geschaut werden. Mudders ausgeklügelte Taktik an möglichst viele Sonderangebote zu kommen, Vadders ausgiebig gefeierte Geburtstage, „de Köken“ war und ist noch immer der Mittelpunkt des Mehrgenerationenhauses. Spätestens bei der „Streuwurst“, dem Zuckerbrot als besondere Leckerei liefen die Lachtränen im Publikum. Das nur allzu gut Erinnerungen auch an die dicken und nicht abgesteppten Federbetten aus Großmutters Zeiten hatte. Ob Vadders Kur, de Muddermelk oder die Haustierfalle, Matthias Stührwoldt hält nicht nur seine Milchkühe fest in der Hand, sondern auch seinen Stift. Der bringt sich regelmäßig mit Stichworten auf einem Kalender im Kuhstall ein, denn die besten Ideen kämen stets beim Melken.

Mit gewaltigem, aber ehrlichem Augenzwinkern beschreibt Stührwoldt mit stilsicherer plattdeutscher Feder die Highlights aus seinem Familienleben mit nächtelanger Lan-Party und deren plötzlichem Ende oder dem Einzug von Katzen im Hause.

„Und nu kann ich Vadder nich mer fragen“, arbeitete Stührwoldt den Verlust seines Vaters und dessen Wissen überaus ehrlich, gefühlvoll und nachvollziehbar auf. Gegen den aufkommenden Kloß im Hals schwenkte der Blick auf seine jungen Deerns und deren Stringtangas. „Chill doch mal Alter“, habe er von seinen Milchkühen gelernt, die keine Hektik mögen. „Mögen andere auch reicher sein, mir reichts“, endete ein gelungener, langer Abend nach mehreren Zugaben.

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