„Das ist Diskriminierung“

Ohne Maske: Asthmatiker werden von McDonald’s und B.O.C. abgewiesen

Maskenpflicht für alle? Für Asthmatiker nicht möglich. Sie bekommen unter dem Mundschutz schlecht Luft.  
Foto: sigi schritt
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Maskenpflicht für alle? Für Asthmatiker nicht möglich. Sie bekommen unter dem Mundschutz schlecht Luft. Foto: sigi schritt

Bassum/Brinkum – „Wo ist die Maske?“, fragt der Mann Esther Drees und ihre Tochter Sophie. Seine Arme sind verschränkt. Wer in Zeiten von Corona keine Mund-Nasen-Bedeckung trägt, fällt auf. So auch Mutter und Tochter. Sie betreten ohne Schutz ein Schnellrestaurant.

Aber nicht, weil sie die Maske nicht wollen, sondern weil sie keine andere Wahl haben. Sie sind Asthmatikerinnen. In ihrem Portemonnaie befinden sich neben Ausweis und Führerschein ihre Atteste, die sie von der Tragepflicht befreien.

„Wir waren zusammen in Bremen und haben spontan überlegt, auf dem Rückweg zu McDonald’s nach Bassum zu fahren“, schildert Esther Drees den Verlauf des Abends. Dort angekommen, öffnen sie die Tür, gehen hinein. „Ein Mann hat sich vor uns hingestellt und meinte, dass er uns ohne Maske nicht reinlassen kann.“ Das Attest habe er nicht einmal sehen wollen. Mutter und Tochter sind sich einig: „Das ist Diskriminierung von Menschen, die eine Krankheit haben. Das kann man nicht machen.“

Maskenpflicht für alle? Für Asthmatiker nicht möglich

Als Esther Drees mal in einem Restaurant in Bremen essen war, sei es mit Attest kein Problem gewesen. Daher können sie und Sophie das Verhalten von McDonald’s nicht verstehen. „Die Leute sitzen da ja auch und essen ohne Maske“, so Sophie.

Die Situation sei für beide sehr unangenehm gewesen. „Alle anderen gehen an uns vorbei und man selbst kommt nicht rein“, sagt Esther Drees. Für Sophie nicht das erste Mal. Als sie mit Freundinnen in Bremen war, wurde ihr der Zutritt ohne Maske in ein Geschäft verwehrt. Ihre Mutter wünscht sich mehr Rücksichtnahme.

Seit ihrer Kindheit leidet die 17-Jährige Sophie unter Asthma. Sie sagt, dass ihr schwindelig und schwarz vor Augen werde, wenn sie die Maske zu lange trage.

Dem 63-jährigen Andreas Hartung aus Harpstedt ergehe es ähnlich, wenn er eine Maske trägt. Seit seiner Kindheit leidet er unter Asthma. Vor etwa drei Wochen sei er mit Mundschutz unterwegs gewesen. „Mir war total übel. Ich bin im Laden fast umgefallen“, erinnert er sich. Er schildert ein ähnliches Erlebnis wie Esther und Sophie Drees. Vor etwa einer Woche war er im Outlet-Center in Brinkum unterwegs. Sein Ziel war das Fahrradgeschäft B.O.C.. Ihm wurde ohne Maske der Zutritt verwehrt. Hartung hat ebenfalls ein Attest. Die Bescheinigung habe er dem Mann auch gezeigt. „Er hat aber zu mir gesagt: ,Nein, ich habe die Anweisung von ganz oben und Sie dürfen nicht ins Geschäft.‘“ Es sei das erste Mal gewesen, dass er nicht reingelassen wurde.

B.O.C. äußert sich dazu: „Wir sehen es als extrem wichtig an, die Gesundheit sowohl unserer Kunden, als auch unserer Mitarbeiter zu schützen. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist daher Voraussetzung für das Betreten einer B.O.C.- oder Bikemax-Filiale.“ Sollte es Kunden aus medizinischen Gründen nicht möglich sein, einen textilen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, sei der Zutritt mit einer alternativen Lösung, wie einem Gesichtsvisier, möglich, heißt es weiter.

Der Mitarbeiter bei McDonald’s schlug Esther und Sophie Drees vor, den McDrive zu nutzen. „Wir wollten uns aber hinsetzen und etwas essen“, betont Sophie. Nach der Abweisung dachte ihre Mutter sich: „Das kann ich so nicht hinnehmen.“ Sie verlangte nach der Geschäftsführung. Diese habe ihr bestätigt, dass Menschen ohne Maske den Laden nicht betreten dürfen – selbst wenn sie ein Attest haben. „Wir waren beide echt geschockt.“

Esther Drees ist noch einen Schritt weiter gegangen. Noch am selben Tag hat sie eine Beschwerde geschrieben. Per E-Mail bekam sie eine Antwort. Sie habe mit einer Entschuldigung gerechnet. „Mein Gedanke war, dass die Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert werden.“ Aber so war es nicht. Ein paar Tage später folgte ein Telefonat. „Und es ist mir bestätigt worden, dass es vom Unternehmen so rausgegeben worden ist, dass Leute ohne Maske, selbst wenn sie ein ärztliches Attest haben, McDonald’s nicht betreten dürfen.“ Für beide steht fest: „Wir gehen da nicht mehr hin.“

Esther Drees ist selbst Einzelhandelskauffrau. Sie arbeitet in einem Drogeriemarkt in Bassum. „Wir würden nie einem Kunden ohne Maske den Zutritt zum Laden verwehren. Ich gehe dann auch davon aus, dass er eine Befreiung hat, weil 98 Prozent der Leute eine Maske tragen.“

Eine McDonald’s-Sprecherin bestätigt auf Nachfrage dieser Zeitung, dass das Unternehmen das Tragen einer Mund- und Nasenbedeckung als gebotene Maßnahme von den Gästen einfordert. „Selbstverständlich sind alle Kolleginnen und Kollegen in den Restaurants angehalten, in besonderen Fällen wie den vorliegenden, die Situation mit Fingerspitzengefühl zu lösen. Wenn dies hier nicht gelungen ist, bedauern wir das sehr und möchten uns dafür auch in aller Form entschuldigen.“ Eine Alternative könne unter anderem sein, dass Mitarbeiter eine Bestellung zum Mitnehmen zusammenstellen, schlägt das Unternehmen vor.

Von Lara Terrasi

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