Wirtin steht seit 58 Jahren hinter dem Tresen ihres Gasthauses Zum Jägerkrug

Gäste nennen sie liebevoll Witten Marie

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Steht seit 58 Jahren hinter dem Tresen ihres Gasthauses: Mariechen Witte. Foto Nölker

Borwede - Von Sabine Nölker. Ihr weißer Kittel ist ihr Markenzeichen. Seit 58 Jahren steht Mariechen Witte mit eben diesem tagein, tagaus hinter dem Tresen ihres Gasthofs Zum Jägerkrug.

Am vergangenen Mittwoch feierte die Vollblutwirtin ihren 80. Geburtstag, und die Tür zum Gastraum öffnete sich ständig, um neue Gratulanten einzulassen. Unter ihnen die Drentweder Doppelkopfspieler und der Saunaclub, der extra Leierkastenmann Rolf Dunger für ein Ständchen mitgebracht hatte.

Die Wirtin wurde am 13. Januar 1936 im Twistringer St.-Annen-Stift geboren und wuchs in Stocksdorf als Mariechen Müller auf. Nach der Schule half sie zunächst auf dem elterlichen Hof, bevor sie in Diepholz zwei Jahre die Landwirtschaftsschule besuchte und im Anschluss ein Jahr auf einem Lehrhof in Gramke verbrachte. Nachdem ihre Mutter schwer erkrankte, kehrte sie 1955 auf den elterlichen Betrieb zurück und führte den Haushalt.

Ein Jahr später lernte sie beim Tanz Egon Witte kennen, einen Land- und Gastwirt aus Borwede. Zwei Jahre später heiratete sie ihn. Von da an war die junge Frau rund um die Uhr mit dem Haushalt, der Erziehung ihrer drei Kinder Ute, Uwe und Linde sowie der Wirtschaft und der Landwirtschaft beschäftigt.

Als ihr Mann 1977 vor der Haustür tödlich verunglückte, führte sie Hof und Gastwirtschaft gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter Dora weiter. Als die 1997 mit 97 Jahren verstarb, „halfen danach meine Kinder mit“, so Witten Marie, wie sie liebevoll von ihren Gästen genannt wird. „Den Namen Jägerkrug kennt kaum jemand“, so ihre Tochter Ute. „Wir sind immer eine Dorfkneipe gewesen und werden es auch bleiben“, so die Gastwirtin. „Ich mache so lange weiter, wie es meine Gesundheit zulässt“.

Was die Gratulanten wohlwollend zur Kenntnis nahmen. Denn im Jägerkrug werden nicht nur Hochzeiten, Geburtstage und Vereinsfeste gefeierte. Dort hält man Einkehr, trifft Bekannte und schnackt über Gott und die Welt. Mariechen Witte ist immer mittendrin und hat stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Probleme ihre Gäste.

Doch nicht nur die Gaststube ist ihr Revier. Auch in der Küche steht die 80-Jährige noch mit der gleichen Leidenschaft wie in den vergangenen sechs Jahrzehnten. Hühnersuppen und Frikassee kocht sie immer noch selbst. 365 Tage im Jahr ist sie für ihre Gäste da. Auch an Heiligabend und an Silvester. Im Dorf gibt es genug ältere Herren und Junggesellen, die alleine sind. „An diesen Tagen lasse ich sie nicht im Stich.“ Früher sind Silvester immer die Freunde dazugekommen. „Dann haben wir alle gemeinsam kräftig gefeiert.“

Am Mittwoch ließen Pastorin Dr. Marikje Smid, der Schützenverein, die Mitglieder der Feuerwehr, die Stammtische und viele weitere Gratulanten das Geburtstagskind hochleben. Die Jubilarin saß inmitten der Menschenmenge und genoss den Tag in vollen Zügen. „Am Samstag feiern wir dann nochmal mit der Familie und den Freunden und Nachbarn“.

Bereits morgens war sie mit ihren Kindern, den Schwiegerkindern sowie den fünf Enkeln und einem Urenkel frühstücken gegangen. „Damit wir Mama wenigstens ein paar Stunden für uns hatten“, so Tochter Ute, die ihrer Mutter ebenso wie ihre Geschwister immer zur Seite steht.

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