Marianne Niehaus arbeitet in Nepal für drei Monate im Gesundheitszentrum

Langer Fußmarsch zum Arzt

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Marianne Niehaus (r.) im Behandlungszimmer.

Bassum/Nepal - Von Frauke Albrecht. Die Bassumer Ärztin Marianne Niehaus ist derzeit wieder in Nepal, um dort in einem Gesundheitszentrum zu arbeiten. Es ist nicht der erste Aufenthalt Niehaus' in Nepal und doch ist die Medizinerin jedes Mal erneut erstaunt über die unzulängliche medizinische Betreuung. Sie verfasste für diese Zeitung einen ersten Zwischenbericht.

Der „Health Post“ in Bhanjhakateri wurde 2011 gegründet. Es ist ein kleines Bergdorf 450 Kilometer westlich von Khatmandu. Die Autofahrt auf den schlechten Straßen dauert 17 Stunden.

Das Zentrum wird von Brepal (BREmen+nePAL) unterhalten. Im März 2015 habe man ein neues Gebäude bezogen. Niehaus: „Es ist großzügig konzipiert. Außer einem Behandlungsraum mit Apotheke gibt es einen OP, ein Patientenzimmer mit drei Betten und einen Kreißsaal. Für das Personal steht eine Küche mit Aufenthaltsraum zur Verfügung, für Gäste drei Schlafräume.“

Das nepalesische Team besteht aus einem „health assistent“, der nach dreijähriger Ausbildung fast wie ein Allgemeinarzt arbeitet, einer Praxisgehilfin, einer Hebamme, einem Koch und Hausmeister, einer Haushaltshilfe und einem Gärtner. „Das Tagesprogramm beginnt um 8 Uhr mit dem Frühstück: Chepati oder Pancake. Brot können wir selber backen, aber der Treibstoff für den Generator ist knapp“, schreibt Niehaus.

Um 10 Uhr beginnt die Sprechstunde. Die ersten Patienten kommen bereits kurz nach 8 Uhr. „Sie haben zum Teil Fußwege von fünf bis sechs Stunden hinter sich. Gehunfähige werden in Körben auf dem Rücken getragen. Es ist dann bitter, wenn wir ihnen erklären müssen, dass wir mit unseren einfachen Mitteln die langjährigen neurologischen Entwicklungsstörungen ihres Kindes auch nicht klären oder gar heilen können. Die Erwartungen an einen europäischen Doktor sind riesig.“

Vor ihrer Ankunft im Gesundheitszentrum war die Bassumerin noch zusammen mit ihrer Freundin Christa Drigalla unterwegs. Die Krankenschwester lebt seit Jahren in Nepal und kümmert sich dort unter anderem um den Bau von Öfen (wir berichteten).

„Christa und ich besuchten das kleine Dorf Dhadagoun, in dem ich vor vier Jahren im Gesundheitszentrum gearbeitet habe.“ Im Gepäck hatten sie 100 warme Decken und sechs Großpakete Aufbaunahrung. Jeder Haushalt im Dorf bekam eine warme Decke. Die Alten und Kinder erhielten zudem ein Päckchen Pulver mit Energie- und eiweißreichem Gehalt. Da die Häuser in Dhadagoun durch das Erdbeben 2015 fast alle zerstört seien, gäbe es auch keine Öfen mehr. „Die Menschen leben in Blechhütten“, schreibt Niehaus. Für die Übergangszeit hätten die Ofenbauer einen Ein-Topf-Lehmofen ohne Schornstein entwickelt, den die Frauen vor Ort selbst anfertigen konnten.

Die Ärztin besuchte auch das Interplast-Krankenhaus bei Shanku, das Drigalla in den 90er-Jahren mit aufgebaut hatte. Dort wurden nach dem Erdbeben viele Verletzte der 30000-Einwohner-Stadt Shanku versorgt. Mehrere Tage musste durchgehend operiert werden. Shanku war vom Erdbeben besonders hart getroffen worden. Die vielen alten, mehrstöckigen Ziegelhäuser, die früher das Stadtbild bestimmten, seien nur noch Schutthaufen.

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