Mahnende Worte am Volkstrauertag

Twistringens Bürgermeister Jens Bley appelliert an die Zuhörer im Rathaus, sich für den Frieden und ein friedliches Miteinander einzusetzen. Frieden sei nicht selbstverständlich. Jeder sei aufgerufen, Verantwortung zu übernehmen. Foto: Heinfried Husmann

Bassum/Twistringen - Von Berthold Kollschen Und Frauke Albrecht. Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen St.-Ansgar-Kirche in Bassum begann am Volkstrauertag das Gedenken der vielen Opfer von Weltkriegen und Gewaltherrschaft. Pfarrer und Dechant Joachim Kieslich begrüßte die Besucher in dem vollbesetzten Gotteshaus, während Pastorin Ines-Maria Kuschmann zusammen mit Konfirmanden für bewegende Momente des Gedenkens sorgte. Zusammen trugen sie Inhalte von Feldpostbriefen vor, die das gesamte Grauen der Weltkriege auf eindrucksvolle Weise dokumentierten.

„Die gefallenen Soldaten, die Opfer der Bombenangriffe, der Vertreibung und Deportation sowie die, von gottlosen Tyrannen Verfolgten verpflichten uns Lebende, sich immer bewusst zu sein, dass Frieden brüchig und ein Ausnahmezustand ist“, so Kuschmann.

Bassums Bürgermeister Christian Porsch mahnte die Erinnerung an, die an die Jugend weitergegeben werden müsse. „Nur so können wir aus den Fehlern der Vergangenheit langfristig lernen und uns unsere Zukunft in Frieden und Freiheit bewahren. Gerade deswegen ist es in meinen Augen auch so wichtig, junge Menschen auf diesen Tag aufmerksam zu machen und sie zu sensibilisieren.“

Weiter sagte Porsch, dass die gegenwärtige weltpolitische Lage zeige, dass das Streben nach Frieden und Kooperation eine dringende Aufgabe aller Staaten sei, wenn Mensch und Natur dieses Jahrhundert überleben sollen. „Denn Hass bringt uns nicht weiter“, so der Bürgermeister.

Es folgte die Kranzniederlegung am Ehrenmal mit Vertretern der Feuerwehren, Schützenvereine, der Polizei, DRK und des THW sowie mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Musikalisch waren der Bassumer Posaunenchor, der Männergesangverein „Liedertafel“ Bassum und Kreiskantor Ralf Wosch dabei.

Auch in Twistringen gab es, neben zahlreichen Kranzniederlegungen, eine zentrale Gedenkfeier im Rathaus, an der etwa 80 Personen teilgenommen haben. Vor allem Mitglieder des Schützenvereins und der Feuerwehr konnte Bürgermeister Jens Bley begrüßen. Untermalt wurde die Veranstaltung vom Twistringer Bläsertrio unter der Leitung von Heike Hartjens. Bley freute sich, dass auch zwei Schüler des Twistringer Gymnasiums mitwirkten. Sie lasen aus Feldpostbriefen vor. Jens Bley ging in seiner Ansprache auf die Frage „Was ist Normalität?“ ein. Zu Zeiten des Nationalsozialismus sei es teilweise „normal“ gewesen, Menschen hinzurichten. Ausgrenzung und Hass gehörten zum gesellschaftlichen Gedankengut. Dieses wurde bereits den Kindern indoktriniert. In der heutigen Zeit komme es vermehrt ebenfalls zu Ausgrenzung und Hass. „Populistische Meinungsäußerungen schüren Ängste innerhalb unserer Gesellschaft. So könnte die Gefahr bestehen, dass verhetzende Aussagen wiederum zur Normalität der Gesellschaft werden“, mahnte Bley. Weiter sagte er: „Es ist unsere Verantwortung, uns denjenigen entgegenzustellen, die erklären wollen, dass es normal sei, auszugrenzen, zu beschuldigen und zu pauschalisieren. Und ebenso ist es wichtig, allen zu verdeutlichen, unsere freiheitsorientierende Verfassung zu achten. Anderenfalls bekommen wir Probleme mit dem Zusammenleben.“

Allen sollte bewusst sein, dass der lang erlebte Frieden der heutigen Zeit nicht selbstverständlich sei. „Er ist das Ergebnis von Verantwortungsübernahme. Und solange es normal ist, Verantwortung zu übernehmen, werden wir unseren jetzigen Frieden und das friedliche Miteinander erhalten können“, so Bley.

Der Volkstrauertag erinnere daran, den Opfern der grausamen Kriege zu gedenken. Er solle aber auch helfen und aufzeigen, was tatsächlich normal sei. Bley: „Ausgrenzung, Hass, Pauschalisierung bis hin zum Sterben durch fremde Hände und Kriege führen gehören nicht dazu.“

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