Bilanz 2020

Lieblingsobst: Tag des deutschen Apfels

Schmeckt auch im Januar erntefrisch: Der Apfel ist das Obst Nummer eins in Deutscland.
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Schmeckt auch im Januar erntefrisch: Der Apfel ist das Obst Nummer eins in Deutscland.

Er ist so gesund, dass er einem Sprichwort zufolge sogar den Gang zum Arzt ersparen kann. Und weil es kaum einen Jahrestag gibt, den es nicht gibt, ist der 11. Januar der Tag des deutschen Apfels. Gegen Trockenheit hilft dieser einfache Trick.

Seit zwölf Jahren betreiben Reena und Olaf Eckhoff ihre Mosterei in Albringhausen bei Bassum. Dort versaften sie neben Quitten, Birnen, Holunder oder Roter Beete vor allem Äpfel, die Hobbygärtner aus der Region vorbeibringen. Da die Apfelernte in die Sommer- und Herbstmonate fällt, ist die Corona-Krise mit den harten Lockdowns recht glimpflich an den Eckhoffs vorübergegangen – auch wenn sie im vergangenen Jahr auf ihren Verkauf auf Weihnachtsmärkten verzichten mussten.

Das Mosten mit Abstandsgebot und Maskenpflicht habe hingegen gut funktioniert. Die Eckhoffs vergeben ohnehin Termine. Mit zwei Garagentoren sei Lüften kein Problem, sagt Reena Eckhoff. Auch dass ein Kunde draußen wartet, bevor sein Vorgänger fertig ist, sei in der Mosterei problemlos möglich. „Schade“ findet Olaf Eckhoff, dass „nette Kleinigkeiten“ wie das Probieren zwischendurch auf der Strecke bleiben mussten.

Apfelbäume schützen sich vor Trockenheit

An der Ernte 2020 ist den Eckhoffs aufgefallen, dass das letzte Jahr erneut überdurchschnittlich trocken und warm war, was dazu führt, dass die Äpfel schneller erntereif werden. „Man wundert sich, dass die ersten Kunden im Juli anrufen“, um einen Most-Termin zu bekommen, sagt Olaf Eckhoff. Gegen Trockenheit schützten Apfelbäume sich durch vorzeitiges Abwerfen der Früchte, erklärt er. Ein Verhalten, das zuletzt häufiger zu sehen war. Eckhoff empfiehlt zur Abhilfe sanfte Bewässerung durch einen Eimer Wasser mit Stecknadel-großem Loch.

„Erstaunlich gut“ sei der Ertrag auf der Streuobstwiese in Eschenhausen gewesen, sagt Anni Wöhler-Pajenkamp vom Naturschutzbund (Nabu). Sie beobachtet, dass sich „bei einzelnen Sorten die Lagerfähigkeit verändert hat“. Bei Trockenheit hinterließen Insekten mitunter winzige Einstiche in den Schalen, um an Flüssigkeit zu kommen.

In Eschenhausen kümmert sich der Nabu um die Pflege alter und regionaler Apfelsorten, die dort neben anderen Obst- und Nussbäumen wachsen. Für die alten Sorten sprächen ihre Vielfalt und ihr ausgeprägterer Geschmack, so Anni Wöhler-Pajenkamp. Und dass Apfel-Allergiker sie oft durchaus vertrügen, während aus vielen gängigen Sorten „die Stoffe herausgezüchtet wurden, die sie für Allergiker verträglich machen“.

Der Pflege und Wiederentdeckung alter Apfelsorten hat sich Ariane Müller seit Jahrzehnten verschrieben. Die Bassumer Pomologin (Obstforscherin) kündigt für 2021 eine erweiterte Neuauflage des Bestimmungsbuches „Norddeutschlands Apfelsorten“ an, das sie vor fünf Jahren zusammen mit Dankwart Seipp herausgebracht hat. „Weil Apfelsorten keine Grenzen kennen“, wird die Neufassung ganz Deutschland in den Blick nehmen. „Die Nachfrage ist größer geworden“, sagt Ariane Müller über das Interesse der Verbraucher an regionalen und alten Sorten.

Ob das Corona-Jahr 2020 auch dazu geführt hat, dass mehr Menschen den Apfelbaum im eigenen Garten für sich wiederentdeckt haben? Dass sich deshalb mehr Kunden als sonst bei ihrer Mosterei gemeldet hätten, können die Eckhoffs nicht bestätigen.

Aber wer, um Lockdown-bedingter Langeweile entgegenzuwirken, unter die Apfelbauern gehen möchte, dem rät Wöhler-Pajenkamp zum Gang zur „guten Baumschule“ vor Ort. Eine allgemeine Empfehlung einer besten Apfelsorte für angehende Hobby-Obstbauern will keiner der Experten aussprechen. Abgesehen von unterschiedlichen Geschmacksvorlieben, gebe es auch zu große Unterschiede im Erntezeitpunkt und der Lagerungsfähigkeit (Winteräpfel halten deutlich länger als Sommeräpfel, betont Pomologin Müller).

Bei ihnen kommt der Apfel in die Presse: Olaf und Reena Eckhoff vor ihrem „Saftladen.“

Die 40 Kilo, die als Mindestmenge zum Mosten benötigt werden, „schafft ein normaler Baum problemlos“, sagt Olaf Eckhoff. Auch wenn es einige Jahre Geduld erfordert, könnte am Ende also eigener Saft aus eigenen Äpfeln die Bemühungen krönen.

Zur Überbrückung empfehlen die Eckhoffs in der kalten Jahreszeit Heißgetränke auf Apfelsaftbasis: Heißen Apfel mit Zimt – oder für die, die es hochprozentiger mögen – mit Amaretto oder Calvados.

Dem Apfel wünschen die Eckhoffs ein Jahr ohne lange Trockenheit, jetzt erst einmal einen kalten Winter, dafür keinen Frost zur Blütezeit im Frühjahr. Und für sich selbst wieder mehr Normalität: Dass man die Leute, die zum Mosten vorbeikommen, „wieder mehr teilhaben lassen kann“. Von Dierck Wittenberg

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