Bianca Hardemann widmet sich in ihrem Atelier in Bassum einer besonderen Kunstform

Liebe, Beruf – alles passt in einen Kasten

Behutsam setzt Bianca Hardemann die winzige Figur in den Kasten. Foto: Kreykenbohm

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Bianca Hardemann greift nach dem kleinen Paragrafen, den sie selber gestaltet hat. Er ist aus Holz und schwarz bemalt. In die vorgebohrten Löcher an seinem „Kopf“ setzt sie winzige Nägel, bevor sie das Ganze in dem Holzkasten platziert. Dann stöbert sie in mehreren Schubladen, in denen sich zahllose, winzige Figürchen befinden, die man sonst eher aus der Umgebung von Modelleisenbahnen kennt: Männer, Frauen, Kinder in allen Varianten und Positionen. Hardemann greift mit der Pinzette geschickt den grübelnden Anwalt und stellt ihn zu dem Paragrafen in den Kasten. Nun fehlt nur noch der Rahmen und das Kunstwerk ist so gut wie fertig. Titel: „Unantastbar?“

Für Hardemann gibt es nichts, was sich nicht in ihrer Kunstform darstellen lässt. Und die heißt schlicht: Kunst im Kasten. Egal, ob Lebensgeschichten, Gefühle, Fragen, Hobbys, Berufe, Sprichwörter und Lebensweisheiten – alles findet in einem kleinen Kasten Platz.

Die Künstlerin, die ihr Atelier in Bassum hat, denkt mittlerweile fast nur noch in Bildern. „Wenn mir jemand was erzählt, geht mir sofort durch den Kopf, wie ich die Geschichte in Symbolen ausdrücken könnte.“ Dabei sollten diese nicht zu offensichtlich sein. „So würde ich für einen Segler nicht unbedingt ein Boot verwenden, sondern vielleicht eher einen Anker.“

Sie lässt den Blick über die Wände ihres Ateliers schweifen. In einem Bild türmen sich kleine Bücher und Schriftrollen aus Holz, eine Brille thront auf einem Stapel und mitten in dem Chaos kauert eine kleine Ratte. Alles, bis auf das Tier aus Hartgummi, hat Hardemann selber gestaltet. Und der Titel? „Leseratte“, erwidert die 47-Jährige lachend.

Sie mag an ihrer Kunstform die Prise Humor, dass der Betrachter schmunzeln und nachdenken kann. Und selbst wenn sie glaubt, die Botschaft klar und verständlich zu präsentieren, findet der eine oder andere Betrachter manchmal doch noch einen anderen Sinn. „Jeder kann sich von meiner Kunst angesprochen fühlen, denn sie zeigt Szenen aus dem Leben wie Liebe oder Beruf.“

Als Hardemann die Kunst im Kasten vor vielen Jahren auf einer Ausstellung in Düsseldorf entdeckte, war sie sofort begeistert. Vorher hatte sich die gelernte Erzieherin der Holzkunst verschrieben. „Ich habe eigentlich immer kreativ gearbeitet und mir alles selber beigebracht.“ 2004 machte sie dann ihre Leidenschaft zum Beruf.

Nun ist sie fünf Tage in der Woche bis zu acht Stunden in ihrem Atelier zu finden. „Am schönsten ist es, wenn ich neue Ideen umsetzen kann. Vielleicht Schlagzeilen, die ich irgendwo gelesen habe und die ich dann skizziere. Das ist wunderbar entspannend. Nehme ich eine Auftragsarbeit an, beispielsweise von Firmen, kann es schon mal stressig werden.“ Doch sie hat es nie bereut, Künstlerin geworden zu sein. „Ich komme jeden Morgen gerne hier her.“

Besonders liebt sie es, mit Menschen über ihre Arbeiten zu sprechen – und freut sich natürlich sehr, wenn die Käufer Freude an ihren Objekten haben. Und die finden mittlerweile auch international ein Zuhause. „Ich arbeite mit einer Galerie in Nürnberg zusammen, wo auch viele Touristen ein- und ausgehen. Deswegen versehe ich viele Exponate mit englischen Titeln und sogar mit chinesischen Schriftzeichen.“

Eines ihrer persönlichen Lieblingsstücke ist die „Colourful World“, in der viele Figürchen auf verschieden-farbigen Holzstegen herumlaufen. „Die Welt ist bunt, jeder Mensch ist individuell verschieden und wirft seinen Schatten“, erläutert Hardemann ihre Gedanken zu dem Kunstwerk.

Frauen können sich meist für die Bilder begeistern, die Mut machen und aufmunternde Weisheiten beinhalten. Männer mögen lieber Objekte, die Autos, Kariere oder auch mal anzügliche Darstellungen zum Thema haben. Aber auch das Bild „Willst du?“, das einen Heiratsantrag formuliert, sei bei den Herren sehr beliebt. „Dann müssen sie es nicht aussprechen“, vermutet Hardemann und schmunzelt.

Egal, ob Mann oder Frau, Jung oder Alt, Kunstgenießer oder Kunstschaffender – Bianca Hardemann freut sich, sie alle bei den Offenen Ateliers, die der Verein Kunst in der Provinz am 21. und 22. September veranstaltet, begrüßen zu können. Von 11 bis 18 Uhr öffnet sie am 22. September ihre Werkstatt Am Hang 28 und hofft, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Für Hardemann ist es das erste Mal, dass sie daran teilnimmt.

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