25-Jähriger bei Überfall angeschossen

Bassumer Rena und Heiner bezahlen Augen-OP für schwer verletzten Awet aus Eritrea

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Prüfen noch einmal die Unterlagen: Rena Ziegler und Heiner Herholz.

Was bringt einen dazu, einem wildfremden Menschen eine Operation zu ermöglichen und sämtliche Kosten dafür zu übernehmen? Rena Ziegler und Heiner Herholz blicken sich an. „Wir waren schon immer politisch engagiert. Und in heutigen Zeiten ist es wichtig, ein Gegengewicht zu setzen“, sagt Heiner Herholz schließlich nach einigem Nachdenken. Arm und Reich seien ungleich verteilt. Außerdem hätte sie die Geschichte von Awet berührt.

Bassum - Awet ist 25 Jahre alt, lebt in Eritrea und ist nahezu blind. Verschiedene Ärzte haben ihm bisher nicht helfen können – nun setzt er seine ganze Hoffnung in eine Augenoperation in Deutschland. Das Bassumer Ehepaar versucht seit zwei Jahren, den jungen Mann für die Untersuchung nach Deutschland zu holen. „Ich war schon fast soweit aufzugeben“, sagt Ziegler. Da kam Anfang Juli die Nachricht: Awet darf kommen. Er hat ein Visum erhalten. Am 14. August landet er in Bremen, für den 15. August hat Ziegler einen Termin in der Augenklinik in Hannover bekommen. Und wenn es möglich sein sollte, wird Awet dort auch operiert. Die Kosten dafür übernehmen Rena Ziegler und Heiner Herholz. Denn der junge Mann hat kein Geld.

„Wir erlebten einen sehr deprimierten jungen Mann“

2017 reist das Ehepaar nach Asmara in Eritrea, um dort die Familien ihrer Schützlinge zu besuchen. Die beiden wollen mehr über die Herkunft der Jungs erfahren, um die sie sich als Flüchtlingspaten kümmern. Bei diesem Aufenthalt lernen sie Awet kennen. Er ist der Freund ihres Gastgebers. Awet ist damals 23 Jahre alt. Herholz erinnert sich: „Wir erlebten einen sehr deprimierten jungen Mann.“

Ein Jahr zuvor, 2016, wird Awet im Südsudan angeschossen, als er einen Abend mit Freunden verbringt. Mehrere Männer überfallen die Gruppe. Der junge Eritreer wird von Kugeln getroffen. Er verliert sein Augenlicht, kann auf einem Auge nur hell und dunkel unterscheiden. Das andere ist vollständig erblindet. Zudem steckt auch noch ein Splitter in einem Auge. Im Sudan wird er notdürftig versorgt. Man bringt ihn nach Uganda zu einem Ärzteteam einer Hilfsorganisation.

Awet erhält ein Visum für 90 Tage

Die chinesischen Mediziner raten ihm, wenn möglich, zu einer Untersuchung in Deutschland. „Wir haben damals versprochen, uns umzuhören“, erzählt Ziegler. Zu der Zeit gibt es in Asmara keine deutsche Botschaft. Die italienische Vertretung übernimmt deren Aufgaben mit. „Die wollten, dass wir die Operation im Voraus bezahlen – 30 000 Euro“, erzählt Ziegler. „Das konnten wir nicht.“ Es sei ja nicht mal sicher, ob eine Operation überhaupt sinnvoll ist. 

Rena Ziegler lässt nicht locker. Sie nimmt Kontakt zu Ärzten auf und hat schon bald mehrere Zusagen von Medizinern, die den jungen Mann kostenlos behandeln würden. Doch auch das reicht der Botschaft nicht. „Wir vermuten, das Ziel war, so viele Flüchtlinge wie möglich von Europa fernzuhalten.“ Die Eheleute müssen eine Verpflichtungserklärung unterschreiben, die besagt, dass sie alle Kosten übernehmen für den Fall, dass sich Awet absetzen sollte.

Awet hat bei dem Überfall schwere Verletzungen erlitten.

„Nach einer Pause kam dann unerwartet Bewegung in die Sache“, so Ziegler. Awet erhält ein Visum für 90 Tage. Die Augenklinik in Hannover ermöglicht kurzfristig einen Termin. Nun sind alle gespannt.

Die Erstuntersuchung kostet 800 Euro. Und wenn eine OP möglich ist? „Dann werden wir das Geld dafür irgendwie zusammenbekommen“, ist Ziegler zuversichtlich. Sie hat ein Spendenkonto eingerichtet und hofft auf Unterstützung. Denn eine OP könnte mehrere zehntausend Euro kosten.

„Du bist wie Mutter Teresa“

Angst, dass der junge Mann gar nicht zurück möchte, haben sie nicht. Aber ein mulmiges Gefühl für den Fall, dass eine OP nicht möglich sei. „Wir haben immer gesagt, dass es keine Garantie gibt.“ Aber sie wissen auch, welche Hoffnungen der junge Mann an diese Chance knüpft. „Du bist wie Mutter Teresa“, hat er kürzlich in einer Mail geschrieben. Ziegler lacht: „Ich hab nur geantwortet: ,Ich habe aber nicht so viele Falten.’“

Sollte mehr Geld gespendet werden, als benötigt wird, geht der Rest an die Hilfsorganisation Archemed. „Die Ärzte betreuen auch Asmara und benötigen jede Menge Hilfsmittel“, so Ziegler. Davon würde auch Awet profitieren.

Spendenkonto bei der KSK Syke

Stichwort Awet Augenoperation, Kontonummer

DE62 2915 1700 1011 5267 36

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