Lesekreis der Land-Frauen löst sich auf / Heide Rosendahl legt Leitung nieder / 110 Bücher in 15 Jahren erarbeitet

„Nicht jedes Buch ist seinem Klappentext gewachsen“

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Lesestunde mit Heide Rosendahl in der Heimatstube.

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Nicht jedes Buch ist seinem Klappentext gewachsen.“ Dieses Zitat von Peter Schifferli finden Christa Skubowius und Heimke Möhlenhof überaus treffend.

Mittlerweile gehören die Damen zu den Experten, trauen sich durchaus zu, gute von schlechter Literatur zu unterscheiden. Und sind schon lange zu dem Schluss gekommen: Das Leben ist zu kurz, um ein schlechtes Buch zu lesen.

Die beiden Frauen gehören dem Lesekreis der Bassumer Land-Frauen an, der sich seit 15 Jahren regelmäßig in der Heimatstube trifft, um mit Heide Rosendahl in die Welt der Literatur einzutauchen. Umso betrübter sind sie, dass sich der Kreis auflöst. Heide Rosendahl hört auf.

„Ich möchte nicht zu denen gehören, die den Zeitpunkt verpassen, abzutreten“, begründet die 76-Jährige ihren Schritt. Sie sei durchaus traurig, denn die vergangenen 15 Jahre haben ihr sehr viel Freude bereitet. „Es ist aber auch viel Arbeit“, räumt Heide Rosendahl ein.

Es ginge nicht nur darum, die Bücher zu lesen – im Übrigen jede für sich zu Hause. An Heide Rosendahl ist es, die jeweilige Lektüre in den entsprechenden Kontext einzubinden. Sie sucht Biografisches heraus, erarbeitet Hintergründe und erläutert die geschichtlichen Zusammenhänge.

„Sie hat immer zwei bis vier Seiten Informationen für uns mit. Manchmal schleppt sie sogar Atlanten und Karten mit.“ Auch Theaterbesuche dienten der Vorbereitung, erzählen Heimke Mühlenhof und Christa Skubowius. Sie waren von der ersten Stunde mit dabei. Gegründet wurde der Lesekreis von Heidi Hallen. Sie hatte zusammen mit anderen Land-Frauen die Idee, sich mit Literatur zu beschäftigen. „Mit Titeln, die jeder kennt, aber von sich aus alleine nie lesen würde“, erzählt Heimke Möhlenhof.

Auf der Suche nach einer kompetenten Gruppenleiterin wandte sich Heidi Hallen an Heide Rosendahl.

Als pensionierte Deutsch- und Englischlehrerin konnte die sich das sehr gut vorstellen und sagte zu.

Anfangs trafen sich acht bis neun Frauen. Mit den Jahren kamen einige hinzu, andere gingen. Nur einmal sei ein Treffen ausgefallen. „Frau Rosendahl und ich waren an dem Abend allein. Da haben wir entschieden, bis zum nächsten Mal zu warten“, erinnert sich Möhlenhof. Sie selbst hat kein Treffen verpasst.

Das allererste Buch, mit dem sich die Gruppe beschäftigt hatte, war „Geh‘ wohin dein Herz dich führt“ von Susanne Tamaro, erinnert sich Heide Rosendahl.

Seitdem haben sie genau 110 Bücher erarbeitet. Angefangen bei den Klassikern wie Goethes Faust, Schillers Don Carlos über Thomas Mann, Günter Grass, Max Frisch. Ob Brecht oder Kästner, ob Lessing oder Alice Schwarzer. Die Liste ist bunt gemischt.

Die erste Frage, die Heide Rosendahl stets stellte, war: „Wie hat es ihnen gefallen?“ Sie hatte es anfangs zur Bedingung gemacht, nur Bücher zu lesen, die ihr gefallen. Aber auch sie musste sich manches Mal durchbeißen. Brechts Dreigroschenroman sei schon etwas zäh gewesen.

Die 76-Jährige ist Vielleserin. Zur Entspannung kommt auch schon mal ein Krimi auf den Tisch. Nur kitschige oder seichte Romane wie Rosamunde Pilcher ignoriert sie.

„Ich hätte nichts dagegen, der Runde weiterhin beizuwohnen, aber dann als Teilnehmerin“, sagt sie. Doch zum Leidwesen der Gruppe konnte bislang keine kompetente Nachfolgerin gefunden werden. Wer das liest und sich angesprochen fühlt, kann sich an die Land-Frauen wenden.

Der Abschied am Donnerstagabend war emotional. Die Frauen hatten Geschenke mitgebracht. Aber sie bliesen nicht nur Trübsal, sondern arbeiteten auch. Das letzte Buch des Lesekreises: Erich Kästners „Der kleine Grenzverkehr“.

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