„Lernen, mehr auf uns zu achten“

Ute Bries

Bassum - Das Interview, in dem Per Mertesacker erzählt, dass die Belastung vor manchen Spielen so groß gewesen sei, dass er sich habe übergeben müssen, hat hohe Wellen geschlagen. Doch nicht nur Profifußballer leiden unter Stress. In allen Berufen – so der Eindruck – steigt die Belastung. Ute Bries ist Atem-, Sprech- und Stimmtherapeutin sowie und Mental-Coach und seit elf Jahren in Bassum. Zu ihr kommen Menschen, die ihr Lampenfieber in den Griff bekommen wollen. Im Interview erklärt sie, was Stress überhaupt ist. Die Fragen stellte Julia Kreykenbohm.

Frau Bries, man hat das Gefühl, das Stresslevel ist in der heutigen Zeit extrem hoch. Was können die Ursachen dafür sein?

Ute Bries: Zunächst einmal müssen wir uns fragen, wie wir Stress definieren. Stress ist die Angst, etwas nicht zu schaffen. Der Gedanke, der im Kopf sitzt: „Ich schaffe das nicht.“ Und durch diesen Gedanken produzieren wir chemische Zustände, der Körper reagiert darauf. Der Grund, warum wir heute das Gefühl haben, besonders gestresst zu sein, ist meiner Meinung nach der, dass wir verlernt haben, gut für uns zu sorgen; dass wir unseren Körper nicht mehr wahrnehmen. Wenn wir zum Beispiel Stress haben, steht er unter Spannung. Das muss ich erstmal wahrnehmen und schauen, wo das jetzt herkommt. Ebenso wichtig ist es, auf seine Atmung zu achten. All diese Dinge muss man lernen, so wie Fahrrad fahren.

Was können Alarmzeichen sein, dass ich zu viel Stress habe?

Bries: Wenn man nicht mehr zur Ruhe kommt, immer beschäftigt ist, ob nun am Smartphone oder im Kopf. Wenn die Gedanken beständig rattern, man nicht loslassen kann, ob es nun um Beruf oder Schule geht. Wenn es nicht mehr genügt, einfach da zu sein. Immer der Gedanke: Ich muss dies und das noch tun – anstatt im Jetzt zu leben. Wir denken meistens an die Zukunft und das, was sein soll. Ein gutes Vorbild können da Katzen für uns sein, die sitzen und einfach da sind.

Per Mertesacker erzählte von den heftigen Reaktionen, die sein Körper vor Spielen zeigte. Was kann man tun, wenn man selber in solch einer Situation steckt?

Bries: Dieses Phänomen kennen auch Theaterschauspieler vor der Premiere und ist typisches Lampenfieber, das auf den Magen schlägt. Es ist schwer, in dem Moment etwas zu tun, wenn man es nicht gelernt hat. Eine Möglichkeit ist, den Fokus nicht auf das Schlimme zu richten, das vielleicht passieren kann, sondern sich gut zuzureden. Der Gedanke, das muss jetzt gut werden, ist eher schädlich, denn damit sagen wir uns: „Du hast keine Wahl“ und sperren uns in ein kleines Gefängnis. Das richtige Atmen kann ebenfalls helfen. Wenn jemand zu mir kommt, schaue ich mir immer an, wie er atmet. Ein anderer Weg ist, den Kiefer zu lösen. Sind wir angespannt, beißen wir oft die Zähne aufeinander. Lassen wir den Kiefer stattdessen hängen, senkt sich der Kehlkopf und mit ihm das Zwerchfell. Und das ist der Atemmuskel schlechthin, dort laufen alle Nerven zusammen.

Was können wir generell tun, um dem Stress im Alltag besser begegnen zu können?

Bries: Die Natur ist immer gut. Ein Blick aufs Wasser, lange Spaziergänge, bei denen wir nur atmen und gehen. Bei all den Terminen, die wir haben, der Schnelligkeit im Alltag, müssen wir uns diese Auszeiten selbst verordnen, so wie das regelmäßige Zähneputzen. Genauso sollten wir in uns hineinhorchen und fragen: Was brauche ich? Was mache ich gerne? Und das müssen wir versuchen, in unseren Tagesablauf einzubauen. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die schon viel ausmachen können.

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