Lena Madita Bolt aus Neubruchhausen verbrachte sechs Monate in Adelaide in Australien

Zweites Zuhause am anderen Ende der Welt

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Asia, eine italienische Freundin, und ich vor dem Ayers Rock.

Bassum/Australien - Von Lena Madita Bolt. Down Under – für viele Menschen DAS Traumziel. Lena Madita Bolt (15) aus Neubruchhausen machte diesen Traum für sich wahr. Sie lebte ein halbes Jahr in Adelaide.

Sydney Urlaub – vor ein paar Stunden stand ich noch oben auf der Brücke, bei den Flaggen.

Für die Kreiszeitung beschreibt sie ihre Eindrücke. „Es war die schönste und aufregendste Zeit in meinem Leben“, sagt sie. „Und es war die Zeit, in der ich am meisten geweint habe.“ Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich abgeflogen bin in eine Welt, die ich nicht kannte. Natürlich war ich nervös, aber auch aufgeregt, traurig und glücklich zugleich. Und ich hatte Angst. Wie würde es dort sein? Ist meine Gastfamilie nett? Wie ist die Schule? Geht zu Hause alles gut?

In Australien habe ich so viel erlebt, an das ich mich noch in Jahren erinnern werde. Da war zum Beispiel der Colour Run (ein Festival), Surfstunden, Schnorcheln am Riff und das Klettern auf die Sydney Harbour Bridge. Ich bin selbstbewusster und viel lockerer geworden, habe enge Freunde, ein Zuhause und eine Familie auf der anderen Seite der Welt.

Ich habe extrem viel über mich selbst gelernt und wie es ist, einfach nur im Hier und Jetzt zu leben. Ich habe den roten Sand im Outback gesehen, Koalas im Garten, wunderschöne Strände, wilde Delfine und einen atemberaubenden Sternenhimmel. Und ich habe viele inspirierende Menschen getroffen.

Aber es gab auch Momente, in denen ich am liebsten zurück nach Deutschland geflogen wäre. Momente, in denen ich verzweifelt war: Als ich meine erste Gastfamilie gewechselt habe, weil ich die Hygienemängel dort nicht ertragen konnte. Und auch, als meine Eltern in Deutschland einen Unfall hatten.

Ein Auslandsjahr dauert immer zwei Jahre

Aber man wächst an seinen Aufgaben. Ich würde es sofort wieder machen. Die Chance, in eine Kultur einzutauchen, weg vom Touristen-Dasein, bekomme ich sicher so schnell nicht wieder. Ich selbst habe mich in vielen Dingen in Richtung Australierin entwickelt.

Daran liegt es wohl auch, dass ich mich fremd gefühlt habe, als ich in Deutschland aus dem Flugzeug gestiegen bin und in die so verschlossenen Gesichter geschaut habe. Ja, es fühlte sich an, als hätte ich gerade meine Heimat verlassen und wäre erst jetzt in meinem Auslandsjahr gelandet.

Eine Freundin meiner Mutter meinte dazu, dass ein Auslandsjahr in Wahrheit zwei Jahre dauert: Eins im fremden Land und dann noch eins im eigenen, dann auch fremden Land. Und seinem eigenen Land stünde man immer viel weniger offen gegenüber. Damit hat sie wohl Recht.

Ständig denke ich: „Warum macht man das in Deutschland so? In Australien war das besser.“ Zum Beispiel frage ich mich, warum die Atmosphäre zwischen Lehrern und Schülern in Deutschland oft so unterkühlt ist.

Auch die Schulsysteme sind grundverschieden. Dort scheint das System darauf ausgelegt zu sein, den Charakter der Schüler zu unterstützen und positiv weiterzuentwickeln, so dass am Ende ganz unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Leidenschaften und Lebenszielen entstehen. Dazu gab es auch eine große Auswahl an besonderen Fächern wie Erste Hilfe, Outdoor Education, Fotografie oder Tanz. In Deutschland scheint die reine Lernleistung im Vordergrund zu stehen.

Auch frage ich mich, warum hier aus allem ein Drama gemacht wird. Die Australier wissen, dass es sowieso nichts bringt, sich aufzuregen, also kann man es auch gleich lassen.

Am meisten aber vermisse ich meine Familie dort, meine Gastschwester und ich waren wirklich wie Schwestern. Ich vermisse meine Freunde, die entspannte Lebensart, die Offenheit der Leute, den australischen Humor, das Reisen, das Meer und den Strand: Schnorcheln, Surfen, Boogie-Boarding – Abenteuer.

Trotzdem bin ich auch froh, in Deutschland zu sein, bei meiner Familie und meinen Freunden. Ich möchte weitere Abenteuer erleben. Das Wichtigste, das habe ich in Australien nämlich gemerkt, sind die Menschen im Leben. Egal, wo man ist, mit den richtigen Menschen ist es immer etwas Besonderes.

Paulo Coelho hat mal gesagt: „Wenn du denkst, Abenteuer seien gefährlich, versuch es mit Routine. Die ist tödlich.“

Da stimme ich ihm zu, denn Australien war riskant und gefährlich in vielerlei Hinsicht. Aber es hat sich gelohnt. Also, mein Rat an alle: Rein ins Abenteuer. Nach diesem halben Jahr denke ich mir immer: Mach‘ und probier einfach alles. Läuft es gut, ist es eine super Geschichte – läuft es schlecht, ist es meistens auch eine.

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