Lehrer aus Bramstedt liebt Kolumbien

Zehn Jahre in Lateinamerika gelebt: „Wir haben nie schlechte Erfahrungen gemacht“

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Tobias und Sonia Apel mit Tochter Cristina bei einem Ausflug in der Sierra Nevada, im Hintergrund die vergessene Stadt Perdida.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Es sind die Abenteuer, die Tobias Apel am meisten vermisst. Etwa mit dem Geländewagen durch den Urwald Kolumbiens zu fahren, mitten im Nirgendwo eine Panne zu haben und ohne Handyempfang auf eine einsame Farm zu stoßen.

Der Bewohner kommt mit grimmigem Blick nach draußen – eine Narbe ziert sein Gesicht. Hollywood könnte es nicht besser verfilmen. Und am Ende sitzt der Bramstedter mit dem Fremden am Abendbrottisch, lacht, schwatzt und hat einen Freund fürs Leben gefunden.

Geschichten wie diese kann der 50-Jährige Dutzende erzählen. Apel kennt Kolumbien besser als manch Kolumbianer. „Weil ich das ganze Land bereist habe.“ An seiner Seite waren stets seine Frau Sonia und seine zwei Hunde Sammy und Bambú.

Alle drei kommen aus Venezuela. Dort hat Tobias Apel von 2002 bis 2006 gelebt und gearbeitet. Bis ihn die damalige Schulamtsdezernentin Ursula Reimers direkt aus dem venezolanischen Dschungel einstellte – als Lehrer für die Syker Realschule.

Zuerst als Austauschschüler unterwegs

Tobias Apel ist in Hamburg geboren. Das Fernweh ist ihm in die Wiege gelegt worden. Seine erste Auslandserfahrung machte er mit 16 als Austauschschüler in Adelaide, Australien. „Eine super Erfahrung.“

Typische Straßenszene in Kolumbien – Jardín Plaza.

Zurück in Hamburg beendete er die Schule und begann ein Lehramtstudium: Musik, Physik, Biologie und Mathe. Nach den Stationen Osnabrück, Oldenburg und Goslar lockte ihn die weite Welt. Er bewarb sich an einer Schule in Caracas, Venezuela. Als sein Vertrag nach drei Jahren endete, bot sich ihm die Möglichkeit, in der Tourismusbranche zu arbeiten. In dieser Zeit lernte er seine Frau Sonia kennen und lieben. Die Künstlerin arbeitete ebenfalls in der Tourismusbranche, um sich etwas hinzu zu verdienen.

Gemeinsam erkundeten sie die entlegensten Winkel. „Das Paradies, dass ich kennengelernt habe, existiert heute leider nicht mehr“, bedauert Apel. Den Fluss, auf dem er Touristen mit dem Einbaum zu Indianerdörfern führte, haben Goldgräber mit Quecksilber verseucht. Die politische Lage veranlasste Apel, Venezuela zu verlassen. Das einst reiche Land zerfällt. „Es gibt keine Jobs, nur wenige Lebensmittel sind zu haben. Die Menschen hungern.“

Seine Frau, deren Familie dort noch lebt, war bereit, ihm nach Deutschland zu folgen. Fünf Jahre lang blieb das Paar in Syke, bis sie das Fernweh wieder lockte. Apel bewarb sich regulär beim Auslandsschuldienst und erhielt eine Anfrage aus Kolumbien. Von einer deutschen Schule in Medellín. „Es ist eine private Schule“, erzählt Apel. Deren Besuch können sich ausschließlich Besserverdiener leisten. „Viele der Schulabgänger wollen in Europa oder Amerika studieren. – Mittlerweile habe ich schon einige meiner ehemaligen Schüler hier getroffen.“

Jede freie Minute für Kolumbien

Jede freie Minute nutzte das Ehepaar Apel, um Kolumbien zu entdecken. „Wir haben nie schlechte Erfahrungen gemacht. Die Menschen sind unglaublich freundlich. Man wird als Ausländer willkommen geheißen.“ Das Einzige, an das er sich gewöhnen musste: „Es ist nichts organisiert.“ Und wer sagt, er komme morgen, meint, er komme irgendwann.

Der Auslandsaufenthalt habe ihn gelassener gemacht, sagt Apel. „Ich sehe viele Dinge distanzierter.“

Die Weite Kolumbiens ist beeindruckend. Überm Abgrund am Cocuy Berg.

Verliebt hat sich Apel vor allem in die Landschaft und die Weite Kolumbiens. Als der erste Vertrag endete, verlängerten die Apels. Nun kehrten sie nach fünfeinhalb Jahren zurück. „Ich wollte unbedingt wieder nach Syke an die Realschule“, erzählt der 50-Jährige.

Syke sei noch eine der wenigen echten Realschulen. „Es ist ein gutes System, mit dem wir die Schüler am besten fördern können“, ist Apel überzeugt. „Wir haben viele Jugendliche, die an der Hauptschule völlig unterfordert wären; aber auch solche, die wir unterstützen, dass sie bald das Gymnasium besuchen können.“

Auch wenn sich der Lehrplan der Schulen in Kolumbien und Deutschland etwas unterscheidet – „die Konflikte sind immer die gleichen. Die Psyche der Menschen ist gleich strukturiert.“

Noch eine Wohnung in Kolumbien

Apel fühlt sich wohl in der Region – auch wenn er hier weder eine Wüsten-, noch eine Schneewanderung unternehmen kann und es schon gar keinen Urwald zu entdecken gibt. „Wir haben noch eine Wohnung in Medellín, und die Tochter meiner Frau studiert dort Tiermedizin.“ So führte die letzte Urlaubsreise in den Sommerferien wieder nach Kolumbien.

Nun freuen sich Apels auf das Abenteuer Landleben. Und darauf, die Bramstedter besser kennenzulernen. „Meine Frau ist dabei, sich ein Atelier aufzubauen.“ Und wann lockt wieder das Fernweh? Apel: „In fünf Jahren bin ich auf jeden Fall noch hier! Was in zehn Jahren ist...?“ Er schmunzelt: „Mal sehen.“

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