Landwirte bangen um Winter-Bestellung ihrer Felder: Nässe bringt Weizen, Gerste und Raps in Gefahr

25 Liter Regen pro Tag – Land unter

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Nein, das ist kein Reisfeld, hier wächst Getreide – selbst in höheren Lagen wie hier in Bassum steht der Acker unter Wasser.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Gräben sind bis zum Bersten gefüllt, Ackerflächen gleichen einem Schwamm. Wer trotzdem einen Schritt auf die vor Nässe glänzenden Felder wagt, sackt mit den Gummistiefeln bis zu den Knöcheln ein: Land unter herrscht zurzeit in verschiedenen Regionen des Landkreises Diepholz. Wintergetreide wie Weizen und Gerste, aber auch Raps sind in Gefahr.

Kreislandwirt Wilken Hartje hat die Felder gestern noch abgefahren und die aktuelle Lage überprüft. „Das ist schwierig für die Landwirtsseele“, beschreibt er seine Empfindungen beim Anblick überfluteter Felder. „Aber das gehört zum Geschäft“, stellt der Kreislandwirt fest. Solche Situationen habe es immer schon mal gegeben.

Doch in diesem Monat scheint die Lage extrem zu sein. Das belegen zumindest statistische Werte. Der Niederschlagsstatistik zufolge fielen im Norden des Landkreises Diepholz allein am 8. Februar sage und schreibe 25 Liter Regen auf einen Quadratmeter – also an nur einem Tag.

Genau diese Menge Regen war auch im Februar 2012 gefallen – aber im gesamten Monat. Am vergangenen Sonntag lag die Niederschlagsmenge im Nordkreis Diepholz übrigens bei 13 Litern pro Quadratmeter.

Auch im Dauerregen gibt es lichte Momente – wie diesen Regenbogen in der Nähe des Bassumer Bahnhofes.

Nach den Erfahrungen von Wilken Hartje erleben die Menschen im Landkreis Diepholz zurzeit „den nassesten Winter seit zehn Jahren“. Genau deshalb hoffen Landwirte nur auf eines: Trockenheit. Denn viele von ihnen haben bereits in das kommende Erntejahr investiert. Weizen und Gerste liegen längst im Boden. Doch ob die Saat im besten Sinne des Wortes aufgeht, hängt vom Wetter ab. Der Weizen könne die Nässe noch am besten vertragen, erläutert der Kreislandwirt. Mit diesem Getreide sind immerhin knapp 16 Prozent der gesamten Anbaufläche des Landkreises Diepholz bestellt – sprich 16776 Hektar. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren betrug die Anbaufläche noch 15994 Hektar, sie ist also gewachsen. Der Weizen ist nach dem Silomais die wichtigste Anbaufrucht im Landkreis Diepholz.

„Die Gerste kann Nässe am schlechtesten ab“, erläutert der Kreislandwirt. Sie wächst auf immerhin 8820 Hektar – und damit auf 8,32 Prozent der Ackerfläche. Ihr Anbau ist im vergangenen Jahrzehnt deutlich gesunken. Noch 2005 waren 14,85 Prozent der Äcker im Landkreis Diepholz, sprich 15688 Hektar, mit Gerste bestellt.

Entspannt sich die Niederschlagslage in den nächsten Wochen nicht und bleibt es bei ergiebigen Regenfällen, drohen die Gerstenkeimlinge im Boden zu verfaulen. Dann bleibe den Landwirten nichts anderes übrig, als die Felder noch einmal zu umbrechen und neu zu bestellen – zum Beispiel mit Mais, beschreibt Wilken Hartje die Alternative. „Aber das ist natürlich mit zusätzlichen Kosten verbunden.“

Die starken Regenfälle bringen auch die dritte Winterfrucht in Gefahr: Raps. Immerhin 8149 Hektar, sprich 7,69 Prozent der Ackerfläche, sind mit Winterraps bestellt – deutlich mehr als noch vor zehn Jahren, als es 5629 Hektar oder 5,33 Prozent waren. Ob der Raps den nassen Winter übersteht oder nicht, können am Ende selbst Laien erkennen: „Der Raps wird blau, wenn er verfault“, erklärt Hartje.

Er rechnet in jedem Fall damit, dass sich der Saisonstart für die Landwirte verzögert und die Frühjahrsarbeiten auf dem Feld später beginnen. Denn solange ein Mensch beim Betreten des Ackers noch bis zu den Knöcheln einsackt, können selbstredend die landwirtschaftlichen Fahrzeuge die Flächen nicht befahren. Tragen die menschlichen Schritte jedoch, dann können auch die Maschinen rollen – so sind sie konstruiert.

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