Viele sehen keine Zukunft

Landvolk Niedersachsen kritisiert den Umang mit den Landwirten

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Landtagsabgeordneter Hermann Grupe sprach ein Grußwort als Politiker – und als Landwirt.

Neubruchhausen - Von Julia Kreykenbohm. Es ist wohl der emotionalste Moment auf der Kreisverbandsversammlung des Landvolkes Niedersachsen im Gasthaus „Zur Post“ in Neubruchhausen am Donnerstag. Die abschließenden Worte von Lüder Wessels aus dem Vorstand sorgen für betroffenes Schweigen.

Er erzählt von einem jungen Mann, der von klein auf die Arbeit in der Landwirtschaft liebte und den Beruf ergriff. Und der nun, mit 28 Jahren sagt: „Hätte ich gewusst, was da alles auf mich zukommt, die Bürokratie, die Anfeindungen, das ständige Rechtfertigen – ich wäre nie Landwirt geworden.“ Wessels Stimme verliert hörbar die Festigkeit, und er bittet die Versammlung: „Geben Sie unseren jungen Leuten Ihr Lächeln zurück!“

Die Landwirte haben es nicht leicht. Darin waren sich alle 210 Anwesenden einig. Dazu zählten nicht nur Bauern aus verschiedenen Landkreisen, sondern auch Vertreter von Molkereien, Banken, Jäger, Imker und der Politik. „Wir hatten in diesem Jahr eine sehr schlechte Witterung“, erklärte FDP-Landtagsabgeordneter Hermann Grupe – und selber Landwirt. „Aber damit werden wir fertig. Das Wetter-Risiko ist nicht so hoch wie das Politik-Risiko!“ Zustimmendes, vereinzeltes Klopfen. Gespannt blicke man nun nach Hannover und erhoffe sich einen neuen Kurs, mehr Verständnis, Hilfe und bessere Rahmenbedingungen für die Arbeit. Er wolle garantieren, dass der jetzige Landwirtschaftsminister, Christian Meyer von den Grünen, nicht im Amt bliebe.

Zuhören, statt einander „vollzutexten“

Doch die Landwirte wollen auch selber etwas tun. „Dialog“ heißt der Schlüssel, der hoffentlich viele Türen öffnet. Dialog statt Protest, Gespräche miteinander, nicht übereinander – auch mit unbequemen Partnern, sich gegenseitig zuhören, statt einander „vollzutexten“, wie es Vizepräsident Jörn Ehlers in seinem Vortrag formulierte. Transparent sein, zeigen, was man tut und Verständnis wecken.

Viele Landwirte setzten das bereits vorbildlich um, betonte Tobias Göckeritz, Vorsitzender für den Landkreis Nienburg, in seinem Jahresbericht. Aktionen wie „Bauer sucht Besucher“ träfen genau den Nerv, ebenso wie Lehrerfortbildungen auf den Höfen oder Auftritte bei Großveranstaltungen wie dem Brokser Markt oder der Hanse-Life in Bremen. Die seien auch deswegen bedeutsam, weil in der Bevölkerung ein alarmierendes Unwissen über die Landwirtschaft herrsche. „41 Prozent der Kinder wissen nicht, in welcher Farbe der Raps blüht“, so Ehlers.

Und das waren nicht die einzigen alarmierenden Zahlen. „Von 625 befragten Betrieben geben sich nur 40 Prozent eine Zukunft“, erklärte Referent Ehlers. „22 Prozent geben als Grund gesellschaftliche Kritik an und 39 Prozent Umweltauflagen. Vier von fünf Landwirten würden ihrem Nachfolger von dem Beruf abraten.“ Dabei gibt es bei den Azubis noch keine Not. „Da haben wir eine konstante Zahl, aber um das Nachwuchsproblem zu lösen, reicht es nicht.“

Ehlers wandte sich mit der deutlichen Bitte an die Politik, sich mehr hinter die Landwirte zu stellen. Er berichtete dazu von einer Begegnung mit einer besonders radikalen Tierschützerin, die nachts in Ställe einbreche, filme – und gleichzeitig in einem Projekt für Schulen engagiert sei. „Durch sie bekommen die Schüler vermittelt, dass so ein Vorgehen in Ordnung ist. Distanzieren Sie sich von solchen Leuten und schützen Sie die Familien auf den Höfen“, forderte Ehlers und erntete Applaus.

Ein Hoffnungsschimmer ist für Göckeritz die Gründung der Junglandwirte in diesem Jahr, wo „die Bude mit 200 jungen Leuten gerammelt voll“ gewesen sei. „Nehmen Sie sie auf und trauen Sie ihnen was zu“, lautete sein Appell.

Personal

Tobias Göckeritz wurde als Vorsitzender für den Kreis Nienburg wiedergewählt. Lars Nordbruch, bisher Vorsitzender für die Grafschaft Hoya, gab sein Amt ab. Als Nachfolger wurde Christoph Klomburg aus Barrien gewählt.

Für 20-jährige Treue wurden geehrt: Henning Evers, Jürgen Sudholz, Gerd Kreißig, Gerd Heldberg, Wilhelm Schlemermeyer, Andreas Schütze, Heinrich Essmüller, Jens Heider, Heinrich Meyer-Hanschen, Helmut Beuke, Kurt-Heinrich Böttcher, Heinfried Engelking, Christoph Meyer-Hamme und Bernd Ruhe.

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