Lars Köpke und seine Nachbarn haben mit starken Überflutungen zu kämpfen

Land unter am Pappelweg

„Es muss etwas passieren“, sind sich die Anwohner einig (v.l.): Lars Köpke, Heike und Wilfried Fischer sowie Peter Cordes. 
  
Foto: terrasi
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„Es muss etwas passieren“, sind sich die Anwohner einig (v.l.): Lars Köpke, Heike und Wilfried Fischer sowie Peter Cordes. Foto: terrasi

Nordwohlde – Wenn die Wetter-App auf seinem Handy Unwetter und Starkregen anzeigt, löst das bei Lars Köpke Stress aus. „Ich habe dann einen unruhigen Schlaf“, erzählt er. Seit acht Jahren wohnt er am Pappelweg in Nordwohlde. Hinter seinem Haus befindet sich ein großzügiger Garten mit einer Terrasse. Doch eine Sache macht ihm zu schaffen: Sobald es stark regne, würden die Straßen und Gärten der Wohnsiedlung überschwemmt.

Das Problem bestehe bereits seit 25 Jahren. Doch seitdem das Neubaugebiet in unmittelbarer Nähe gebaut werde, habe sich die Situation verschlimmert, sind sich Köpke und seine Nachbarn einig.

Das Wohngebiet am Pappelweg sei damals an einem Gefälle gebaut worden. „Es liegt an der Topografie dort“, sagt Bassums Bauamtsleiter Martin Kreienhop. „Dort gibt es einen Höhenunterschied von etwa zwölf Metern“, erklärt auch Anwohnerin Heike Fischer. Das bewirke, dass das Wasser bergab in die Straßen fließe. Vor 25 Jahren haben sie und ihr Mann Wilfried das Haus am Tannenweg gebaut. Mehrmals schon hätten sie Überflutungen ihres Grundstücks erlebt.

Köpke: „Im ersten Jahr bin ich hier zum ersten Mal abgesoffen.“ Das wiederhole sich jährlich bis alle zwei Jahre. Das Innere seines Hauses sei bislang „zum Glück“ immer verschont geblieben.

Ein Jahr nach dem ersten Vorfall habe er unter anderem eine Drainage im Garten gezogen. Laut Köpke habe Erich Feldermann von der Stadt Bassum damals zudem veranlasst, den Feldweg hinter dem Pappelweg leicht abzuschrägen. „Damit das Wasser in die Senke fließt und nicht in den Wendekreis. Im Extremfall läuft das Wasser trotzdem in den Wendekreis“, so Köpke. Das Problem sei also noch nicht behoben.

Das zeigte sich am 16. Juni dieses Jahres wieder. Köpke schildert: „Ich kam morgens um 4 Uhr nach Hause. Ich hab das Wasser gesehen und nur gehofft, dass es nicht im Haus ist.“ Garten und Terrasse waren komplett voller Wasser und Schlamm, wie Fotos und Videomaterial zeigen. „Dort war wirklich Land unter“, sagt Köpke. 40 bis 45 Liter Wasser seien es pro Quadratmeter gewesen. Da Köpkes Haus das erste am Pappelweg ist, war es als erstes von den Wassermassen betroffen.

Auch sein Nachbar hatte zu kämpfen: „Ich stand da in Gummistiefeln und bin kaum gegen die Strömungen angekommen“, so Peter Cordes. Wilfried Fischer erinnert sich, dass das Wasser bis zur Reithalle an der Fesenfelder Straße runtergelaufen sei.

Früher sei die Fläche, auf dem das Neubaugebiet entsteht, Ackerfläche gewesen. Die habe das Wasser aufnehmen können. Nun führe Starkregen dazu, „dass das Wasser an der Baustelle komplett runterläuft“. Köpke sagt weiter: „Es ist dann wie eine Schlammlawine.“ Das Wasser sammle sich oben und fließe von der Baustelle in den Wendekreis. Der Gully könne die Menge nicht aufnehmen, sodass das Wasser weiter nach unten Richtung Straße fließe und von da aus in den Pappelweg bis in den Birkenweg.

Außerdem habe an dem besagten Tag der weggespülte Schlamm von der Baustelle die Gullys und Rohre verstopft, sodass das Wasser nicht mehr richtig abfließen konnte. Köpke könne aus diesem Grund erst recht nicht nachvollziehen, wieso der Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband (OOWV) die Gullys nur alle anderthalb Jahre reinige. „Und das bei so einem großen Problem.“

Einen Tag nach der Überflutung habe er beim OOWV angerufen. Daraufhin hätten die Mitarbeiter die Kanäle durchgespült. Eine weitere Firma habe den Wendekreis gereinigt. Die Kosten habe Köpke nicht übernehmen müssen. Zwei Tage später folgte eine Begehung mit Bauamtsleiter Martin Kreienhop und dem Investor des Neubaugebiets Hartmut Wessel. Da habe der Schlamm noch im Garten gelegen. Köpke wollte wissen, wer die Reinigung der Grundstücke übernehme. „Die haben sich gegenseitig die Ping-Pong-Bälle zugespielt“, erinnert er sich. „Es kann nicht sein, dass wir hier auf dem Nassen sitzen“, ärgern sich Köpke und seine Nachbarn.

Am Wochenende habe Köpke dann selbst den Schlamm beseitigt. „Das hat mehrere Tage gedauert.“ Wessel äußert sich dazu: „Das hat nichts mit dem Baugebiet zu tun. Vorher war dort ein Acker. Schlamm ist da schon immer runtergelaufen.“ Vor ein paar Jahren habe die Stadt die Situation nochmals angeglichen. „Wir hatten damals einen kleinen Wall errichtet, also eine kleine Erhöhung hinter dem Wendekreis. Das sollte verhindern, dass das Wasser in den Wendekreis fließt“, sagt Kreienhop. Im Zuge der Baumaßnahmen hätten die Fahrzeuge den Wall jedoch etwas plattgefahren. Nach der Überschwemmung sei die Erhöhung wieder angeglichen worden.

Darüber hinaus stehen am Wendekreis nun Poller, damit dort nichts mehr plattgefahren werde, so Wessel. Der Feldweg sei ebenfalls angeglichen worden.

Köpkes Nachbarn sind sich einig: „Gegen das Neubaugebiet an sich haben wir nichts. Im Gegenteil, wir freuen uns, dass hier neue Familien hinziehen.“ Es könne aber nicht sein, dass sie alle paar Jahre Vermögensschäden hätten. „Und das Wetter wird nicht besser. Es kommen immer mehr Extreme“, so Köpke.

Die Anwohner betonen, dass die Baugesellschaft dafür Sorge tragen müsse, dass so etwas nicht mehr vorkomme. Dem stimmt Martin Kreienhop zu: „Der Investor ist für sein Grundstück zuständig und dafür, dass das Wasser nicht die Nachbargrundstücke betrifft.“

Zum Schutz vor Überflutung sei ein Regenrückhaltebecken gebaut worden. Dieses sei sehr groß dimensioniert worden. Es reiche laut Kreienhop „im Normalfall“ aus, um den Regen aufzunehmen. „Es gibt im Regenrückhaltebecken einen Ablauf, der dafür sorgt, dass das Wasser gedrosselt in die Kanalisation geführt wird, die in das Neubaugebiet führt“, erklärt Kreienhop. Von da aus fließe es in das zweite Regenrückhaltebecken, das sich am Tannenweg befindet. Und von dort aus fließt das Wasser in den Hombach.

Das Problem im Juni sei gewesen, dass der Sand das Auslaufrohr verstopft habe. „Dadurch ist im neuen Regenrückhaltebecken Wasser zurückgestaut worden.“ Kreienhop sagt weiter: „So eine Situation mit Starkregen kann man nicht vorhersehen. Das ist das Problem.“ Hinzu komme, dass es im Straßensystem noch keine Abläufe gebe. „Es ist eine Baustraße und die ist verdichtet. Da sickert nichts ein.“

Kreienhop und Wessel sind überzeugt, dass sich die Situation verbessern werde, sobald das Neubaugebiet fertig ist. „Die Versiegelungsflächen der Grundstücke werden dann alle an die Kanalisation angeschlossen“, sagt der Bauamtsleiter. „Wir hoffen, dass wir es dann in den Griff bekommen.“

Wessel sagt: „Diese Probleme, die dort herrschen, gibt es schon immer. Die kennen wir. Die werden sich reduzieren, wenn es dort bebaut ist und die ersten Kanäle gebaut werden.“ Die Anwohner wollen nicht warten: „Wenn die erst in zwei Jahren fertig sind, dann wird es bis dahin noch genauso sein“, ärgert Köpke sich. Heike Fischer habe das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.

Von Lara Terrasi

Land unter in Nordwohlde: Das Wasser ist von der Baustelle bis zum Birkenweg geflossen. Foto: lars köpke

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