Weltenbummler

212 Länder sind nicht genug: Oliver Bösche aus Bassum tourt seit Jahren um den Erdball

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Oliver Bösche war mit Sohn Nico auch schon in Texas.

Bassum – Weltreisender, Fußballfan und ein gern gesehener Gast in sämtlichen Hard Rock Cafes der Welt: Das ist Oliver Bösche aus Bassum. Seit Jahren tourt der 51-Jährige um den Erdball. Nun hat Corona ihn zu einer Zwangspause gezwungen. Zeit also, sich bei dem Enkel des früheren Stadtdirektors Wilhelm Lülker nach dessen Reiselust zu erkundigen. Die Fragen stellte Frauke Albrecht.

Oli, Du bist seit Jahren in der Welt unterwegs und sammelst Länderpunkte. Mittlerweile sind es 212. Wann hast Du damit begonnen?

Oh, das ist schwer. Das Reise-Gen habe ich von meinem Vater Klaus, der lange als Chief zur See gefahren ist. Und als ich den ersten Kontinent Südamerika komplett hatte, also alle Länder dort besucht hatte, habe ich mit der Statistik begonnen. Die Reiserei selbst ging schon ganz früh mit meinen Eltern los. England im Auto, Schweiz im Zug. Und der erste Flug ging nach Ibiza.

Dein Ziel waren einst 200 Länder. Nun bist Du drüber. Ist das eine Sucht? Kannst Du nicht mehr aufhören?

Sucht? Jein. Mit dem Reisen werde ich natürlich nie aufhören. Aber ob ich noch nach Chad, Mali, Irak oder Niger fliege, muss ich mir stark überlegen. Irgendwann wurde mir bewusst, dass es gar nicht viele Menschen gibt, die mehr Länder als ich gesehen haben: Ein paar reiche Amis mit Privatjets haben alle Länder angeflogen. Und ein paar Travel-Freaks. Und dann komme ich schon langsam. Da macht man natürlich gerne weiter. Jenseits der 200 Länder – offiziell gibt es nur etwa 190 UNO-Länder, ewiges Thema: Sind Schottland, Abchasien, Transnistrien und so weiter Länder? – ist jeder zusätzliche Länderpunkt richtig schwierig. Man benötigt oft ein Visum mit Einladung oder die Reise ist gefährlich! Jedes weitere Land macht den Rekord aber immer besonderer.

Hast Du ein Lieblingsland oder eine Lieblingsstadt?

Das ist leicht: Lieblingsstadt ist tatsächlich meine Studentenstadt Groningen. Und Lieblingsland ist Brasilien: Fußball, Karneval, Strände, Kultur, Essen, Caipi und viele Freunde!

Für alle, die Dich nicht kennen – was machst Du beruflich?

Ich bin Diplom-Betriebswirt und habe Diplome aus Holland und Deutschland, die ich in drei Sprachen gemacht habe. Da bin ich ganz schön stolz drauf, auch weil ich erst mit 30 Student wurde. Die Reise-Erfahrungen bezeichne ich oft als „Diplom 3“. Und das war eindeutig das lehrreichste.

Nun hat Corona der Reiserei eine Zwangspause verpasst. Die Gelegenheit, mal wieder nach Bassum zu kommen. Was bedeutet Bassum für Dich? Hast Du noch viele Kontakte?

Klar, ich bin in Bassum geboren und habe hier noch immer meine „Homebase“ und viele Freunde. Besonders oft habe ich meine Wohnung allerdings nicht genutzt in den letzten Jahren.

Was war in den vergangenen Jahren dein schönstes Reiseerlebnis, welches das schlimmste?

In Guyana wäre ich 2011 fast gekillt worden. In Rio hatte ich 2004 ein Messer am Hals. Aber Kabul war das Schlimmste. Ich konnte den Länderpunkt auf dem Weg von Indien nach Tadjikistan mitnehmen und war für die wenigen Stunden Aufenthalt gut vorbereitet. Die Maßnahme „Menschenmengen vermeiden“ war gleich am Airport im Eimer, weil ich mit der Weltmeister-Ringer-Mannschaft ankam und Tumult herrschte. So landete ich in einem Taxi (Maßnahme zwei auch fehlgeschlagen) und wurde auch meinen Koffer am Airport nicht los. Viele Straßen waren gesperrt, sodass wir doch durchs Stadtzentrum fahren mussten (Punkt 3, was vermieden werden sollte). An dem Tag gingen drei Bomben hoch und Menschen starben.

Das schönste Reiseerlebnis war Las Vegas 2011, als mein Sohn Nico das erste Mal mit dabei war. Da war er 12 Jahre alt und noch niedlich. Wir waren beim Check-in vom Hardrock-Hotel besonders charmant, sodass wir freie Upgrades in die tollsten Suites bekamen. Nico ist inzwischen schon zehnmal mit mir in Vegas gewesen.

Meine besten Konzerte und Shows habe ich dort gesehen: Crüe, Meat Loaf, Def Leppard, Kiss, Siegfried & Roy, Rock Vault. David Copperfield hat mich sogar mal weggezaubert. Und anschließend mit seinem Anwalt gedroht, dass ich auch ja nicht den Trick verrate. Vor der Show hat jeder der 1000 Zuschauer einen Zettel ausfüllen müssen. Name, Alter, Hobby, Wohnort. Und wo man hingezaubert werden möchte, falls man ausgewählt werde. Ich Depp habe „unter die Dusche mit Claudia Schiffer“ geschrieben, als die noch verheiratet waren. Ich war der Einzige in kurzer Hose und wollte ganz sicher nicht auf die Bühne, und hab dann den Ball gefangen, der ins Publikum gebolzt wurde. Als Belohnung kam ich so auf die Bühne. David las meinen Wunsch vor. Der Laden ist explodiert vor Gelächter.

Unter welcher Dusche bis Du gelandet?

Unter gar keiner. Copperfield hat mich und noch ein paar Zuschauer, die nach Hawaii wollten „weggezaubert“.

Aber noch mal zu den Lieblingsorten: Hard Rock Cafes sind auch immer super. Nico hält dort den „Junior-Weltrekord“, weil er schon in 167 verschiedenen Hard Rock Locations war. Ich bringe es auf 343. Wir werden fast immer mit Geschenken und Kuchen begrüßt.

Besonders wohlfühlen wir uns auf Puerto Rico. Ich habe dort einmal einen alten Schulfreund meines Vaters besucht und es hat sich eine tolle Freundschaft entwickelt: Professor Waldemar Adam, übrigens auch ein alter Bassumer. Einen „Barrelito-Rum“ mit Waldemar durfte auch Nico schon genießen, plus die herrlichen Geschichten aus seinem Leben.

Oli Bösches persönliche Länderpunktkarte. Im Februar waren es 212. Das Foto unten zeigt ihn mit Sohn Nico in Texas.

Du bist Fußball-Fan durch und durch, hast viele WM erlebt. In diesem Zusammenhang auch ein Projekt für Straßenkinder in Brasilien unterstützt. Machst du das noch immer?

Nur noch nebenbei. Wir hatten 2012 eine Sachspende von 250 000 Euro bekommen und hofften auf den großen Durchbruch. Es ist aber alles im brasilianischen Zoll verschollen, ein echter Skandal. Mein damaliger Kompagnon Jürgen Hilbertz hat sich dann auf seinen eigenen Job fokussieren müssen. Nun nehme ich noch häufig Trikot-Spenden vom SV Werder mit auf Reisen. Vielleicht ergibt sich daraus wieder mal etwas Größeres. Wir sind am Ball. Nico ist auch schon involviert.“

Deinen Sohn nimmst Du oft mit?

Früher wann immer es möglich war. Nun ist er mit Abi und Ausbildung durch und hat seinen Job mit berufsbegleitendem Studium begonnen, sodass seine freie Zeit knapp wird. Mit 21 Jahren ist es natürlich cooler, mit den gleichaltrigen Kumpels zu reisen. Aber irgendwas ergibt sich immer. Ende März hing Nico in Australien fest durch die Covid-Reisebeschränkungen. Er wollte dann zu mir nach Bangkok, was aber auch nicht mehr ging. Er kam noch gerade raus aus Australien nach Dallas. Europa ging gar nicht. Ich bin dann auch nach Dallas geflogen, via Japan. Wir sind virus-bedingt nach Arizona und Nevada in die menschenleeren Wüsten geflohen, was gar nicht so übel war. Im riesigen Grand Canyon waren wir fast alleine.

Irgendwann darf ich bestimmt mal wieder mit, spätestens wenn die Jungs exotische Fußballtickets brauchen. Tickets für die EM nächstes Jahr haben wir schon: Baku, London und St. Petersburg. Das hält jung.

Was planst Du als Nächstes?

Gute Frage. Mein Vater ist im Januar gestorben. Ich hatte ihn seit 2015 betreut zwischen meinen Reisen. Das muss ich nun nicht mehr, leider. So könnte ich eigentlich wieder in meinen Job zurückkehren.

Man könnte aber auch...... ein Visum Pakistan habe ich schon!

Na dann, gute Reise.

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