Entscheidung im Stadtrat

Kunstrasenplatz ist in Bassum wieder vom Tisch - Grund sind die Kosten

Bassum bekommt erstmal keinen Kunstrasenplatz. F oto: Fredrik von Erichsen/dpa
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Bassum bekommt erstmal keinen Kunstrasenplatz.

Es war ein Paukenschlag – nur irgendwie ohne Pauke. Der Kunstrasenplatz für Bassum ist wieder einmal vom Tisch. Der Rat der Stadt sprach sich am Donnerstagabend mit klarer Mehrheit gegen ihn aus. Der Grund: gestiegene Kosten.

Bassum - Was ist passiert? Die Mehrheit der Ratsmitglieder hatte Ende Juni für den Platz gestimmt – unter dem Vorbehalt, dass 63 Prozent der Kosten durch Fremdmittel gedeckt werden. Bassum hätte dann noch etwa 275.000 Euro zahlen müssen. Doch dieser Plan ist nicht aufgegangen. Denn das Amt für regionale Landesentwicklung hat im Juli vorgewarnt, dass Bassum über die Win-Region nur eine Förderung von maximal 53 Prozent bekommen wird, wenn sie den Antrag stellt. Das liegt daran, dass die Wirtschaftskraft der Stadt gestiegen ist. Dieser im Grunde positive Fakt hat zur Folge, dass etwa 73.500 Euro noch mal zusätzlich zu den 275.000 Euro oben drauf kämen.

„Die Vereine überlegen, sich an den Kosten zu beteiligen“, erklärte der Erste Stadtrat Norbert Lyko. Doch was komme, sei ungewiss. Nun stand die Frage im Raum: Soll Bassum die Lücke aus eigener Tasche schließen, wie die Verwaltung es vorschlägt?

„Kunstrasenplatz wirkt aus der Zeit gefallen“

Im Vergleich zu der emotionalen Debatte, die in der Ratsitzung im Juni um den Platz geführt wurde, waren die Stimmen, die sich dieses Mal zu Wort meldeten, relativ zahm und bei Weitem nicht so zahlreich. „Angesichts der Debatten über den Klimaschutz wirkt der Kunstrasenplatz aus der Zeit gefallen“, fand Jürgen Falck vom Bürgerblock.

„Über das Dilemma ist schon viel gesprochen worden“, erklärte Rainer Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Die Entscheidung falle nicht leichter, aber der Platz sei in seinen Augen für das soziale Leben nach wie vor ein positiver Aspekt.

Ihre Meinung geändert hat Cathleen Schorling (CDU), die Befürworterin des Platzes war. „Ich habe mit Fußballern gesprochen, die mir gesagt haben, dass sie auf einem mit Sand gefüllten Rasen nicht spielen möchten.“ Deswegen plädiere sie dafür, den Antrag zurückzuziehen und abzuwarten, was die Vereine beisteuern können.

Bürgermeister Christian Porsch wies darauf hin, dass die Förderung durch die Win-Region sehr unsicher werde, wenn die Stadt Bassum erkläre, die Mittel nicht bereitstellen zu wollen. Er schlug deswegen einen zusätzlichen Abstimmungspunkt vor: Wenn der Rat dagegen stimmt, wird der Antrag auf Förderung gar nicht erst gestellt. Damit waren alle einverstanden.

Als es um die Frage ging, ob Bassum die gestiegenen Kosten aus eigener Tasche stemmen soll, waren 16 Ratsmitglieder dagegen, sechs dafür, und zwei enthielten sich. Bei der Entscheidung, den Antrag auf Bezuschussung nicht zu stellen, erklärten sich 19 einverstanden, vier waren dagegen, und einer enthielt sich.

Kunstrasenplatz: Idee besteht seit 2007

Die Idee zu einem Kunstrasenplatz gibt es schon seit 2007. Fünf Jahre später kam der Beschluss, dass gebaut werden sollte. Das Projekt scheitertet dann an der Standortfrage. Umso größer war die Freude beim Stadtsportring, als das Thema wieder auf die Agenda kam. Nun also der nächste Tiefschlag.

Darauf, dass die ganze Debatte um den Kunstrasenplatz teilweise schon hässliche Züge angenommen hat, wies Eike Sellmer von den Grünen hin. „Wir vermissen den Respekt“, erklärte sie und berichtete, dass die Grünen für ihre Haltung im Netz und auch auf der Straße angegangen worden seien.

Sie las einen Eintrag bei Facebook vor, in dem Bürger aufgefordert wurden, in die Sitzung zu kommen, um den Grünen mal klar zu sagen, was sie von ihrer Politik halten. „Das geht uns zu weit“, so Sellmer. „Es entsteht ein Gefühl von Bedrohung und Hilflosigkeit.“

Kommentar zum Thema

Verdächtig ruhig geblieben

von Julia Kreykenbohm

Was war das für eine Debatte im Juni, als es darum ging, ob der Kunstrasenplatz kommen soll! Gegner und Befürworter brachten leidenschaftlich ihre Argumente vor. Die einen stellten den Umweltschutz in den Fokus, die anderen die Wertschätzung des Ehrenamts und offenbarten die Zerrissenheit, die bis in die Fraktionen hineinwirkte. Das spiegelte sich in der Abstimmung wider, in der 15 dafür und 13 dagegen votierten.

Doch so emotional, wie damals gekämpft wurde, so still wurde der Platz nun wieder zu Grabe getragen. So still, dass sich zwei Zuhörer groß anguckten: „Ähm... heißt das, das war es jetzt? Der Platz ist vom Tisch?“ Ja, das hieß es. Und zwar diesmal mit deutlicher Mehrheit.

Vordergründig scheint es an den Kosten gescheitert zu sein. Natürlich sind 73 500 Euro viel Geld. Zumal es sich um eine freiwillige Leistung der Stadt handelt und Bassum noch einiges auf seiner To-do-Liste hat, das brennt, wie der Ausbau der Kinderbetreuung. Aber im Vergleich ist die Summe eher gering.

Es scheint so, als sei das eine oder andere Ratsmitglied noch mal in sich gegangen – was auch absolut legitim ist! Bleibt nur zu hoffen, dass sie es auch wirklich aus Überzeugung getan haben und nicht wegen des Drucks von außerhalb. Denn dass es den offenbar gegeben hat, geht aus den Äußerungen von Eike Sellmer hervor.

Natürlich ist es toll, wenn Menschen Anteil an politischen Debatten nehmen. Aber wenn Politiker sich bedroht fühlen, nur weil sie eine bestimmte Haltung vertreten, ist eine Grenze überschritten. Denn ein Klima der Angst erstickt jede Diskussion, die unsere Demokratie erst lebendig macht.

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