Zwischen Stall und Festessen

Kühe kennen keine Feiertage: Bramstedter Landwirte Böse feiern Weihnachten wie jede andere Familie

Die Milchkühe kennen keine Feiertage. Deshalb geht es für Jannes Böse auch an Heiligabend in den Stall.
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Die Milchkühe kennen keine Feiertage. Deshalb geht es für Jannes Böse auch an Heiligabend in den Stall.

Bassum – Der Wecker klingelt in aller Frühe. Bereits vor dem Frühstück geht es für gut drei Stunden in den Stall. Und das an sieben Tagen in der Woche, auch an Weihnachten. Die 110 Kühe auf dem Hof der Familie Böse in Bramstedt wollen versorgt werden, sie kennen keine Wochenenden und Feiertage. Dennoch beschweren sich Landwirt Henning Böse und sein Sohn Jannes nicht.

„Selbstverständlich feiern wir Weihnachten wie jede andere Familie. Nur gibt es eben erst am Abend warmes Essen und wir sitzen auch ein wenig später gemeinsam am Tisch“, gibt Henning Böse einen Einblick in sein Leben auf dem Hof.

So startet das Abendessen auch am heutigen Heiligabend erst gegen 19 Uhr. Am Mittag sei man in der Regel noch satt vom ausgiebigen Frühstück. Außerdem sind die Kühe nach der Arbeit am Nachmittag für die Nacht versorgt, alles ist erledigt und die Familie kann die gemeinsame Zeit genießen. „Sobald es allen Tieren gut geht, kann Weihnachten kommen“, so der Landwirt.

Sobald es allen Tieren gut geht, kann Weihnachten kommen

Wenn kein Notfall dazwischenkommt, ist es bis zum nächsten Morgen ruhig. Dann klingelt wieder gegen kurz nach fünf Uhr der Wecker. „Wir feiern deshalb nicht bis in die Nacht hinein. Schließlich steht nach elf Stunden wieder die Stallarbeit an.“ Wenn Henning und Jannes Böse auf Weihnachten in den vergangenen Jahren zurückblicken, können sie sich nicht erinnern, dass die Feiertage wegen des Hofes nicht hätte gefeiert werden können. „Selbst beim Kalben ist ein Eingreifen fast nie nötig. Das erledigen die Tiere in der Regel allein“, erläutert Henning Böse.

Sollte aber der Tierarzt einmal an Weihnachten ausrücken müssen, gebe es ein Präsent für seinen Einsatz. „Wer an den Festtagen im Dienst ist, wird bei uns stets mit einer Kleinigkeit bedacht“, verrät Henning Böse. Das gilt ebenso für den Fahrer des Milchwagens, der alle zwei Tage die Milch von dem Bramstedter Betrieb zur Weiterverarbeitung abholt.

Der Tag fängt um 5.30 Uhr an, 365 Tage im Jahr

An 365 Tagen im Jahr bestimmt ab 5.30 Uhr die Stallarbeit den Tagesrhythmus der Männer. Während einer sich um das Melken kümmert, erledigt der andere die weiteren Aufgaben wie das Füttern und den allgemeinen Kontrollgang. Am Nachmittag geht es wieder in den Melkstand. Neben Füttern und Melken stehen aber selbstverständlich noch weitere Arbeiten an, um den Milchviehbetrieb am Laufen zu halten. Dazu gehören die Bearbeitung der dem Familienbetrieb angeschlossenen Felder, die Wartung und Reparatur von Maschinen und nicht zuletzt einiges an Büroarbeit. Dabei können sich die Landwirte ihre Zeit selbst einteilen. Schließlich sind sie ihre eigenen Chefs.

Jannes (links) und Henning Böse freuen sich auf die Feiertage im Kreis der Familie.

Den Samstag zählen die beiden Landwirte nicht zum Wochenende. Das sei ein regulärer Arbeitstag. An den Sonntagen wechseln sich Vater und Sohn ab, damit jeder einmal in den Genuss des Ausschlafens kommt. „Sonntagsarbeit gibt es doch in vielen Berufen“, sieht Henning Böse hier keine Besonderheit. Wichtig sei, dass man mit Spaß und Leidenschaft dabei sei. „Wenn ich mit schlechter Stimmung in den Stall gehen würde, könnte ich mit dem Betrieb aufhören“, ist er sich sicher. Dennoch ist ihm bewusst, dass unter anderem diese Arbeitszeiten zum Fachkräftemangel beitragen.

Bewusst für den Beruf entschieden

Der 28-jährige Jannes Böse hat sich dennoch bewusst für diese Tätigkeit entschieden. Er wurde in das Leben auf dem Hof hineingeboren. Seine Großeltern und Eltern haben ihm die Freude am Beruf Landwirt vorgelebt. Deshalb hat er sich 2010 auch für die entsprechende Ausbildung entschieden, um in den Familienbetrieb einzusteigen und ihn zu übernehmen. „Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr“, freut sich sein Vater. Der 59-Jährige ist zwar nicht mehr federführend verantwortlich, unterstützt aber, wo er kann. Hinzu kommt eine Angestellte, die an vier Tagen in der Woche sowie sonntags beim Melken unterstützt.

Die 110 Milchkühe kommen zwei Mal am Tag in den Melkstand und werden dort per Hand an die Maschine angeschlossen. Rund 30 Liter Milch gibt jedes Tier im Schnitt pro Tag. Die Einhaltung der Zeiten und Routinen sind dabei besonders wichtig. „Die Kühe müssen pünktlich gemolken werden“, verdeutlicht Henning Böse.

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