UMFRAGE Fraktionsvorsitzende und Klimaaktionsbündnis über Reduzierung von Feuerwerk

„Kreative Ideen statt wildem Geböller“

Bei Nacht so schön anzuschauen, doch am nächsten Tag dafür eher weniger. Sollte das Feuerwerk reduziert werden, um die Umwelt zu schützen?
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Bei Nacht so schön anzuschauen, doch am nächsten Tag dafür eher weniger. Sollte das Feuerwerk reduziert werden, um die Umwelt zu schützen?

Bassum – Zischend steigen sie auf, zaubern bunte Fontänen, leuchtende Kreise oder helles Funkeln an den Nachthimmel, sprühen auf dem Boden Funken – oder sind einfach nur verdammt laut. Silvesterfeuerwerk gehört für viele Menschen einfach dazu, um das Jahr gebührend zu verabschieden und das neue zu begrüßen. Doch vom Zauber der Nacht bleiben auch immer wieder Berge von Müll in der Natur zurück, sowie viele verschreckte Tiere im und außerhalb des Hauses. Gibt es vor dem Hintergrund der Debatte um mehr Klima- und Umweltschutz (und einmal unabhängig von der Corona-Pandemie) Überlegungen, das Feuerwerk einzudämmen, ähnlich wie bei den Osterfeuern?

„Bei uns in der Fraktion war das noch kein Thema“, erklärt CDU-Fraktionschef Hans-Hagen Böhringer auf Nachfrage. Er sieht eine Regelung als schwierig an. „Bei den Osterfeuern ist das leichter, wenn man sagt, pro Ort ein Feuer. Aber beim Feuerwerk verhält es sich ja etwas anders, zumal es schon einen Unterschied zwischen Stadt und Land gibt.“

Böhringer ist offen für eine Diskussion über das Thema. „Man könnte schauen, was spricht dafür und was dagegen? Was genau wollen wir durch eine Regel erreichen? Aber es sollte vernünftig und objektiv diskutiert werden. Natürlich werden durch die Böllerei Tiere verschreckt, aber andererseits freuen sich die Kinder jedes Jahr sehr darauf und diese Tradition will man ihnen nicht nehmen.“

Auch beim Bürger-Block stand eine Reglementierung des Silvesterfeuerwerks noch nicht auf der Agenda. „Natürlich gelangt da ein Haufen Papier und Schwarzpulver in die Umwelt“, sagt Vorsitzender Hermuth Straßburg. „Aber ich sehe für Bassum da noch keinen Handlungsbedarf, zumal es innerhalb der Kommune große Unterschiede gibt. So wird in der Stadt Bassum sicher mehr Feuerwerk abgebrannt als beispielsweise in Schorlingborstel. Wo will man da anfangen, was zu regeln? Ich bin immer dafür, die Umwelt zu schonen, aber es hängt eben auch ein Brauchtum dran.“

Dr. Rainer Hartmann, Fraktionschef der Grünen, fände es „schön, wenn es Möglichkeiten gäbe“, dass Feuerwerk etwas einzudämmen. „Aber anders als bei den Osterfeuern hat die Stadt hier keine Handhabe etwas zu genehmigen oder eben nicht. Da bleibt nur der Appell an die Leute, weniger zu böllern oder es vielleicht an einem zentralen Ort zu machen anstatt jeder für sich. Das spart auch Geld und bietet ein gemeinschaftliches Erlebnis – wobei das natürlich in Zeiten von Corona auch heikel ist.“

Auch für Hartmann ist Silvester eine Tradition, die schön begangen und gefeiert werden sollte. „Aber man kann sich fragen, ob jeder für sich mehrere Batterien abbrennen muss.“

Die SPD teilt die Meinung des Grünen-Fraktionschefs. „Es ist ein Brauchtum, das man nicht einfach kippen kann, aber durch die Massenfabrikation ist es auch schon entwertet worden, weil nur noch wild rumgeballert wird“, findet Vorsitzender Christoph Lanzendörfer. Der Anblick von verschreckten Haustieren tut dem Tierfreund nach eigener Aussage weh. „Aber am gruseligsten ist die Feinstaubbelastung. In jedes Auto werden Katalysatoren eingebaut, um sie zu reduzieren. Das passt nicht.“ Darum wünscht sich die SPD im Sinne von Natur, Tier und Mensch jeweils einen zentralen Platz, an dem ein Feuerwerk abgerannt wird „und das auch möglichst reduziert“, so Lanzendörfer.

Auch das Klimaaktionsbündnis Syke-Bassum-Twistringen wünscht sich, dass über Alternativen nachgedacht wird. „Wir wollen niemandem den Spaß an Silvester verderben. Aber wir sind der Meinung, dass man diesen Tag auch anders schön und feierlich begehen kann, als wild herumzuböllern. Vielleicht eine zentrale Lasershow, zu der die Leute wandern, radeln oder von einem Shuttle-Service hin- und zurückgebracht werden.“

Weitere Vorschläge des Bündnisses sind ein Silvesterkonzert oder ein Fußballturnier – einfach eine Aktion, bei der Menschen gemeinschaftlich etwas Schönes erleben. „Die Böllerei verschreckt die Tiere, stößt CO2 und Feinstaub aus, erzeugt Müll, Lärm und kostet Geld. Zudem ist auch die Herstellung und der Transport der China-Böller alles andere als klimafreundlich. In so vielen Bereichen findet zurzeit ein Umdenken statt, um das Klima zu schonen. Wir sind der Meinung, dass das auch an Silvester passieren sollte. Wir müssen nur kreativ sein und Ideen sammeln.“

Von Julia Kreykenbohm

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