Appell beim „Mahl des Handwerks“

Kraus fordert „bürgerschaftliche Revolte“ für Bildung

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Bildung ist das Top-Thema: (v.l.) Josef Kraus, Jens Lessmann und Kreishandwerksmeister Matthias Wendland.

Neubruchhausen - Von Anke Seidel. Keine Kompromisse: Josef Kraus, der ehemalige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, forderte gestern beim „Mahl des Handwerks“ im Neubruchhauser Hotel „Zur Post“ ganz bewusst eine „bürgerschaftliche Revolte“, wenn es um Verbesserungen in der Bildung geht.

Genau die sind, so stellte der Referent aus Niederbayern vor rund 160 Gästen klar, mehr als überfällig. Dazu gehört vor allem eine „Renaissance des Leistungsgedankens“, so seine Botschaft. 

Nein. Seine Vortragsreise wolle er nicht als Missionsreise verstanden wissen, erklärte der Pädagoge. Gleichwohl sah er mehr Aufklärungs- und Handlungsbedarf, als ihm offensichtlich lieb war.

„Wir lügen den Leuten in die Tasche“, erklärte er mit Blick auf den inflationären Anstieg von Einser-Abiturnoten – und bewertete solche Zeugnisse als „ungedeckte Schecks“. Ganz zu schweigen von der gewaltigen Schieflage zwischen der Zahl Studierender und Auszubildender sowie dem Wortschatzverlust von Viertklässlern: Deren – lehrplanmäßige – Kompetenz war in drei Jahrzehnten von 13.000 auf 700 Wörter geschrumpft. 

Jugendliche haben zu wenig Geschichtswissen, meint Kraus

Und dann der historische – und damit politische – Analphabetismus, weil Jugendliche mit elementaren historischen Daten überhaupt keine Ereignisse mehr verbinden können.

Doch die daraus resultierende Bildungs-Schieflage werde verkleistert und verdeckt – auch von der Politik, die Änderungen ins Werk setzen müsse. Damit genau das möglichst schnell geschieht, forderte Kraus besagte bürgerschaftliche Revolte.

„Wir leben in spannenden Zeiten“, hatte zuvor Kreishandwerksmeister Matthias Wendland festgestellt – und das unter anderem am Brexit, dem Dieselskandal und den Koalitionsproblemen festgemacht. Besorgt zeigte er sich über die Unzufriedenheit in der Bevölkerung – trotz der wirtschaftlich erfolgreichen Zeiten und sozialer Absicherung. 

„Es braucht zwei Volksparteien der Mitte, die gegensätzliche Angebote machen“, stellte der Kreishandwerksmeister fest. Nur so könne das „Nein“ des Wählers politisch aufgegriffen werden. Ohne diese Möglichkeit werde der Wähler entweder gar nicht oder eine Randpartei wählen.

Beim Thema Bildung wollte Wendland weder die Schulen noch die Eltern und die Politik aus der Verantwortung entlassen.

Landrat Cord Bockhop stellte sodann das historische Zukunftsprojekt des Landkreises vor – die Breitbandversorgung. Zurzeit würden die Tiefbauarbeiten vorbereitet. „Wir hoffen, im Frühjahr/Sommer mit den Arbeiten beginnen zu können“, sagte der Landrat. In zwei Jahren sollten, so der Plan, alle weißen Flecken im Landkreis beseitigt sein. Der Landrat ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass die damit verbundenen Investitionen den Landkreis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit bringen.

Auf den Fachkräftemangel der Handwerksbetriebe ging Ralf Finke als Vorstandsvorsitzender der gastgebenden Kreissparkasse Diepholz ein. Finke nannte aus eigener Praxis Tipps, die zu mehr Bewerbern führen können. Das „Mahl des Handwerks“ war ebenso Forum für die Auszeichnung der Ausbildungsbesten in der Kreishandwerkerschaft.

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