Betroffene greifen zu Mitteln aus dem Internet

Lockdown-Alptraum für Akne-Patienten: „Ich will meine Haut nicht mehr spüren“

Akne-Patienten finden häufig Hilfe bei Kosmetikerinnen. Doch die haben während des Lockdowns geschlossen. Für die Betroffenen eine Katastrophe.

  • Kosmetikerinnen dürfen während des Lockdowns nicht arbeiten, viele Akne-Patienten leiden darunter.
  • Betroffene greifen zu Mitteln aus dem Internet.
  • Großer Andrang nach dem Lockdown befürchtet

Bassum - Wer von Akne betroffen ist, weiß, dass dabei nicht nur die Haut leidet, sondern auch die Seele. Manch einer mag kaum noch das Haus verlassen, andere können aufgrund der Schmerzen durch die Entzündungen, nicht mehr schlafen.

Vielen Betroffenen hilft der Besuch bei der Kosmetikerin, die die Haut ausreinigt. Das heißt, sie öffnet verschlossene Poren, sodass Talg oder Mitesser entfernt werden können. Häufig eine schmerzhafte Prozedur, die Besserung bringen kann – sofern sie regelmäßig gemacht wird. Das heißt für schwere Fälle alle zwei Wochen. Gerade jetzt im Frühling, wo neben der Natur auch die Haut aufblüht. Doch der Lockdown hat dieser Behandlung einen Riegel vorgeschoben. Für Betroffenene eine Katastrophe, weiß Nike Elena Tiemann, die die Praxis Gesundhaut in Dimhausen leitet.

„Viele Kunden sind frustriert und verzweifelt“, schildert Tiemann. Besonders diejenigen, die mit der Behandlung erst vor ein paar Monaten gestartet sind. Sie haben die Prozedur wieder und wieder über sich ergehen lassen, es trat eine Besserung ein – nun ist alles umsonst gewesen. „Danach fangen wir wieder von vorne an.“

Hautprobleme: Erfolge werden wieder zerstört

Tiemann erstellt für jeden Kunden ein individuelles Programm, um seine Hautprobleme in den Griff zu bekommen. Dazu zählt auch der Blick auf die Ernährung. Doch selbst diese Säule wird durch den Lockdown ins Wanken gebracht. „Einige Kunden fallen in ein richtiges Loch und lassen sich gehen. Durch den seelischen Stress essen sie dann auch Dinge, die sie nicht essen sollten und alles, was wir im Vorfeld aufgebaut haben, wird wieder zerstört.“

Unter Akne leidet nicht nur die Haut, sondern auch die Seele.

Denn Fakt sei: Keine Haut wird in wenigen Wochen gesund. Es ist ein langwieriger Prozess, denn der Organismus muss sich erst umstellen. Tiemann versuchte bei den regelmäßigen Besuchen in ihrer Praxis, ihre Kunden zu motivieren, damit sie dran bleiben. Durch den Lockdown sind diese nun auf sich allein gestellt – und nicht wenige gehen in ihrer Verzweiflung auf die Suche nach „dem Wundermittel“, das ihnen über Nacht eine reine Haut verschafft.

Tiemann weiß: Wer unter Akne leidet, ist bereit, so ziemlich alles zu versuchen, was helfen könnte. „Eine Kundin sagte mir: Sie wünsche sich ein Gesicht ohne Schmerzen und eine andere: ,Ich will meine Haut nicht mehr spüren’.“

Einige greifen auf das sogenannte BB Glow zurück. Bei der neuen Behandlung wird ein spezielles Serum, das Farbpigmente enthält, mit mikroskopischen Nadeln in die Haut eingearbeitet. Quasi eine Art Permanent Make-up. „Die Jugendlichen fahren da drauf ab. Aber es gibt noch gar keine Langzeitstudien, wie es sich auswirkt. Andere nutzen Camouflage Make-up, von dem wir wissen, dass dies mit ein Verursacher für einige Hautprobleme ist.“

Akne_ Betroffene greifen auf im Netz beworbene Produkte zurück

Besonders im Internet würden überall Mittel angepriesen, die angeblich helfen. Unter anderem bei vielen Influencern. „Und da die Leute jetzt mehr Zeit vor dem Rechner verbringen, konsumieren sie vermehrt diese Werbung und probieren die Produkte aus – wodurch die Behandlung, die wir begonnen haben, ebenfalls zerstört wird“, so Tiemann.

Generell seien die Bilder, auf denen sich die Influencer mit perfekter Haut zeigen, für viele Mädchen ein Vorbild, dem sie nacheifern. „Die sitzen dann hier vor mir und sind am Boden zerstört, weil sie ein paar Pickelchen haben“, berichtet Tiemann. Dass diese Fotos häufig bearbeitet sind, sei ihnen nicht bewusst.

Warum müssen die Kosmetiker ihre Praxen schließen, wenn sie eine Krankheit behandeln, die Betroffene so stark belastet? „Kosmetikerin ist keine geschützter Berufsbezeichnung“, erläutert Tiemann. „Es gibt bis heute keinen einheitlichen Qualitätsstandard. Die einen lassen sich in medizinischen Berufen weiterbilden, um auch mit Hautärzten zusammenzuarbeiten. Allerdings machen sie nur therapiebegleitende Maßnahmen. Andere beschränken sich auf Verschönerungen. Doch in beiden Fällen lautet der Beruf Kosmetikerin.“

Hautprobleme: Einige Patienten werden keinen Termin beim Kosmetiker bekommen

Inzwischen hat Tiemann zahlreiche Vorbuchungen, sodass sie bis Ende des Sommers niemanden mehr annehmen kann. „Ich bin sicher, die Kosmetiker werden nach dem Lockdown einen großen Andrang erleben, sodass einige Betroffene keinen Termin bekommen werden. Und zu einem anderen Kosmetiker wechseln, möchte man auch nicht, denn jeder behandelt anders.“

Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, arbeitet Tiemann daran, eine Online-Beratung aufzubauen, ihre Praxis quasi ins Netz zu bringen. „Dort soll auch Austausch zwischen Betroffenen möglich sein und ich versuche, Interview-Partner zu bestimmten Themen zu gewinnen.“

Rubriklistenbild: © Imago

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