Lehrer und Schüler profitieren

Grundschule Neubruchhausen bekommt Kooperationsklasse

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Sie bieten zum einen einen geschützten Rahmen für Kinder mit Förderbedarf. Doch zum anderen erlauben sie, dass diese Kinder am Alltag einer Regelschule teilnehmen können, Schulfeste besuchen und Freundschaften schließen: die Kooperationsklassen. Bassum hat seit Herbst 2017 eine an der Grundschule Nordwohlde.

Die stellt einen Klassenraum für sieben Schüler der Hacheschule aus Weyhe zur Verfügung. Und ab kommenden Schuljahr kriegt die Stadt eine zweite. Sie wird in die Grundschule Neubruchhausen integriert. Allerdings gibt es da noch ein paar kleine Probleme.

Susanne Brandenburger ist Pädagogin an der Hacheschule und betreut die Klasse in Nordwohlde. Sie stellte das Modell am Dienstag auf der Sitzung des Schulausschusses vor. „Mittlerweile sind die Kinder dort gut angekommen. Die Grundschule Nordwohlde ist ihre Schule geworden. Sie sehen sich nicht als Hacheschüler und sind glücklich.“

Die Kinder der Klasse sind Erst- und Zweitklässler. Für manche Unterrichtsstunden wie Kunst, Musik und Sport, gehen sie in ihre Partnerklasse. Andere Fächer wie Deutsch und Mathe haben sie in der Kooperationsklasse. „Das würde in einer gemischten Klasse nicht funktionieren, weil ich dann viel zu viel erklären müsste, und davon hat niemand etwas“, so Brandenburger.

„Das ist eine Bereicherung“

Immer zwei Kollegen betreuen die Ko-Klasse. Gehen die Förderschüler in ihre Partnerklassen (Erstklässler zu den Erstklässlern, Zweitklässler zu den Zweitklässlern), gehen sie mit. Davon profitieren auch die Regelschüler, denn: „So gibt es mehr Lehrer und Ansprechpartner, denn wir sind auch für die anderen Kinder da.“ Auch die Kollegen aus Nordwohlde fänden das sehr angenehm. „Man hat zwei Blicke auf die Schüler, kann gemeinsam neue Wege finden und das ist eine Bereicherung.“

Die Ausschuss-Mitglieder zeigten sich angetan von dem Modell: „Alle profitieren davon, wir sind froh, dass wir das gemacht haben“, sagte Heimke Möhlenhof von der CDU. Und deswegen möchte Bassum dieses Projekt auch an einer anderen Schule ansiedeln, und zwar in Neubruchhausen. Aber wie läuft das ab? „Zuerst muss ein Bedarf da sein“, erläuterte Brandenburger. „Eltern müssen es wollen, die Schule muss mitmachen und uns einen Raum zur Verfügung stellen. Dazu braucht es eine Mindestzahl von Schülern.“

All diese Anforderungen sind in Neubruchhausen gegeben. Sieben Erstklässler stehen bereits für eine Ko-Klasse in den Startlöchern und die Schule würde auch einen Raum geben, der vormittags leer steht und nachmittags von den Hortkindern genutzt wird. Aber dort liegt auch der Knackpunkt: Denn das Landesjugendamt hat festgelegt, dass die Hortkinder nicht in einem Raum betreut werden, der nach Klassenraum aussieht. „Nichts darin darf an Schule erinnern“, erläuterte der Erste Stadtrat Norbert Lyko das Problem.

Bassum gibt noch nicht auf

Doch so schnell gibt Bassum nicht auf. Lyko führte gestern ein Gespräch mit der Behörde und erzielte einen „Etappensieg“. „Eine Einigung bezüglich des gemeinsam genutzten Raumes haben wir zwar nicht erreicht, aber dennoch gegenüber der Förderschule unser Einverständnis für die Einrichtung einer Ko-Klasse erklärt.“ Damit können die Schüler der Förderschule nach den Sommerferien in die Grundschule starten. „Wir behelfen uns vorerst mit einer Übergangslösung. Entweder nutzen die Schüler einen kleinen, bereits vorhandenen Raum oder einen, der entsteht, wenn die ehemalige Hausmeisterwohnung im Schultrakt umgebaut wird“, so Lyko. Diese Übergangsregelung habe schnell gefunden werden können, weil die beiden Schulen und die Schulträger Landkreis und Stadt Bassum gut zusammengearbeitet hätten.

„Ideallösung wäre aber immer noch die gemeinsame Nutzung des besagten Raumes“, meint Lyko. Dazu wird er sich mit einer Vertreterin des Landes Ende Juni vor Ort treffen und die Sache noch einmal erörtern.

Brandenburger zeigte sich von der Möglichkeit begeistert: „Wir freuen uns, dass Bassum uns die Möglichkeit gibt. Die Ko-Klasse richtet sich nach den Bedürfnissen der Kinder. Sie bekommen Geborgenheit, Unterstützung, begleitende Anforderungen einer Regelschule und die individuelle Betreuung, die sie brauchen.“ Die Frage eines Ausschussmitglieds, ob man denn ganz auf Förderschulen verzichten könne, beantwortete sie so: „Man muss den Eltern und Schülern immer Alternativen anbieten.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / Roland Weihrauch/dpa

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