„Die Kluft ist mein Leben“

Zimmermeisterin Annika Perlmann berichtet von ihrer Wanderschaft

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Birgit Meyer-Borchers (l.) und Gisela Buschmann (r.), begrüßen Zimmerin Annika Perlmann.

Gross-Henstedt - Von Berthold Kollschen. Fast eineinhalb Jahre mussten sich die Bassumer Land-Frauen gedulden, bis sie Annika Perlmann zu einem Vortrag begrüßen konnten. Umso mehr freuten sich die beiden Vorsitzenden Gisela Buschmann und Birgit Meyer-Borchers am Freitagabend, dass die Zimmermeisterin im Landgasthaus Stöver endlich von ihrer Zeit auf der Walz berichtete.

Vier Jahre und einen Tag war die junge Frau unterwegs. Das ist zwar schon Jahre her, machte den Zuhörern allerdings überhaupt nichts aus. Seit sieben Jahren hält die 34-Jährige spannende Vorträge. Sie ist heiß begehrt. Die 60 Zuhörer waren ganz gespannt auf das, was Perlmann während ihrer Walz erlebt hat. Ursprünglich wollte die 34-Jährige aus Erbstorf (bei Lüneburg) Tierärztin werden. Die Ausbildung wurde ihr jedoch zu langwierig. Sie beschloss, Zimmerin zu werden.

Vier Jahre und ein Tag auf der Walz

Nach der Lehre und der bestandenen Prüfung begab sie sich auf die Walz. Danach folgte der Abschluss auf der Meisterschule. „Seither ist die Kluft mein Leben“, sagte die dynamische Zimmermeisterin, die sich mit schwarzer Schlag-Hose, weißer Bluse, Weste, schwarzem Jackett, Schlips und Hut präsentierte. Damit fühle sie sich immer passend angezogen.

Zunächst erläuterte sie einige Begrifflichkeiten – vom „Charlie“ bis zum „Stenz“. „Charlie“ steht für alles, was wir mit uns herumtragen, es leitet sich von Charlottenburger ab“, so Perlmann. „Der Charlie ist ein bedrucktes Tuch, in das wir unser Hab und Gut einwickeln.“ Der Stenz sei der Wanderstock. Was sich allerdings hinter „Nagelversprechen“ verbirgt, löst bei Zartbesaiteten schon mal Entsetzen aus: Wer auf die Walz geht, darf aber nicht zimperlich sein. Und so musste auch Perlmann das traditionelle Ohrlochritual über sich ergehen lassen – man hämmerte ihr Ohr mit einem Vierkantnagel an einen Pfosten und machte sie erst nach einer Stunde auf Zehenspitzen und ihrem „Nagelversprechen“ in Form von Bier und Korn wieder los.

Fast alle Erdteile besucht

„Wir reisen, um zu arbeiten und arbeiten, um zu reisen“, erzählte sie. In den vier Jahren ihrer Wanderschaft habe sie fast alle Erdteile besucht. Die Zeit sei viel zu schnell verflogen. Sie habe so viel erlebt, so viel Wertvolles erfahren dürfen, was ihr heute helfe, ihre Gegenwart und ihre Zukunft zu meistern.

Heute wohnt Annika Perlmann in Krukow im Herzogtum Lauenburg. Mit ihr leben dort neun Hühner, ein Hahn, fünf Kaninchen und in einem großen Aquarium viele Fische. Nebenbei töpfert sie, ist aber nach wie vor in einem Zimmereibetrieb als Meisterin tätig. Für einen Mann habe die Zeit bisher nicht ausgereicht, zumal sie seit sieben Jahren mit ihren Vorträgen unterwegs sei.

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