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Klimamanager: Ehrenamtliche wünschen sich Transparenz

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Von: Anika Seebacher

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Das Klima-Aktions-Bündnis Bassum-Syke-Twistringen möchte Anstöße geben, um den Klimaschutz in der Region voranzubringen – hier bei einer Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl in Bassum. Archivfoto: Husmann
Das Klima-Aktions-Bündnis Bassum-Syke-Twistringen möchte Anstöße geben, um den Klimaschutz in der Region voranzubringen – hier bei einer Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl in Bassum. © Archivfoto: Husmann

Bassum – Klimamanager werden sich in Bassum, Twistringen und Syke künftig als Angestellte der Stadtverwaltungen um Fragen und Projekte rund um den Klimaschutz kümmern. Aufgaben gibt es für die Fachkräfte reichlich.

Ab dem Sommer wird es bei den Stadtverwaltungen Bassum, Twistringen und Syke ein hauptamtliches Klimamanagement geben (wir berichteten). Akteure des Klima-Aktions-Bündnisses, das sich ehrenamtlich für den Klimaschutz in den drei Städten einsetzt, wünschen sich von den künftigen Fachkräften, „dass wir als Region klimafreundlich werden und dass konkrete Ziele benannt werden“, sagt Thomas Suermann, Sprecher der Gruppe.

Mit dem Klimaschutz-Aktionsprogramm für Bassum und Twistringen existiert bereits ein umfassendes Maßnahmenband mit Potenzialen und Ideen. „In dem Konzept steht schon ganz viel drin“, sieht er eine gute Basis, die vor einigen Jahren geschaffen und im vergangenen Jahr aktualisiert wurde.

Die Themen aus dem mehrere Hundert Seiten umfassenden Dokument umzusetzen, damit sei der Klimamanager oder die Klimamanagerin gut beschäftigt, glaubt der 63-Jährige. Auch über die vorgesehene Befristung auf drei Jahre hinaus. Da der Klimaschutz ein andauerndes Thema sei, lautet die Bitte von Petra Sünner als Presseverantwortliche der Gruppe: „Die Arbeit muss langfristig ausgelegt sein.“ Da sowohl die Bürgermeister als auch die jeweiligen Räte das Thema mittragen, sieht sie eine gute Ausgangslage.

Forderung nach konkreten Zielen

Wenn es nach Suermann geht, muss das Maßnahmenband, das Bassum und Twistringen zusammen mit der Klimaschutzagentur Hannover aufgesetzt haben, konkreter werden und Ziele benennen. Denn es werde noch zu viel von Potenzialen gesprochen. „Wo wollen wir in fünf oder 20 Jahren stehen?“, lautet für ihn eine Frage, mit der sich die künftige Fachkraft beschäftigen müsse. „Das ist eine wahre Königsaufgabe“, ist er sich bewusst.

Für Sünner und Suermann ist offensichtlich, was in der Region in Sachen Klimaschutz Priorität hat: „Wärme und Energie, Mobilität und Landwirtschaft mit Ernährung“, zählt Suermann die für ihn vorrangig zu behandelnden Bereiche auf. „Es wird noch zu viel Öl und Gas verbrannt, obwohl in Bassum mehr Windenergie vorhanden ist, als verbraucht wird“, erläutert Petra Sünner. Sie wünscht sich deshalb, dass künftig der Austausch und die Zusammenarbeit in diesem Bereich forciert werden. „Nur wenn man weiß, wer was macht, lassen sich Netzwerke sinnvoll nutzen.“

Solar- und Baumkataster auf der Wunschliste

Als konkreten Vorschlag nennt Suermann ein Solarkataster, mit dem erfasst werde, was bereits in Sachen Sonnenenergiegewinnung vorhanden ist und wo noch geeignete Flächen zur Verfügung stehen. „Außerdem sollte die Stadt mit den Eigentümern solcher Flächen sprechen und sie auf Fördermöglichkeiten hinweisen“, sagt Suermann. Aus Sicht seiner Mitstreiterin fehlt in Bassum zudem ein Baumkataster. „Es wird so viel abgeholzt. Da muss auch eine vernünftige und strukturierte Wiederaufforstung her.“

Nicht zuletzt sei Transparenz ein wesentlicher Faktor, um beim Klimaschutz voranzukommen, erklären die beiden Vertreter des seit drei Jahren bestehenden Bündnisses. „Wir wünschen uns vom hauptamtlichen Klimamanagement, dass die Bürger bei Projekten einbezogen werden und dass die Arbeit offengelegt wird“, sagt Suermann und plädiert für einen runden Tisch und regelmäßige Beratungsangebote. Auch wenn die drei Städte die Stellen gerade erst schaffen, heiße das nicht, „dass alles neu erfunden werden muss“. So können sich die Ehrenamtlichen vorstellen, dass sich Aufgaben gemeinsam besser koordinieren lassen und sich die Fachkräfte der Verwaltungen in relevanten Fragen abstimmen.

„Im Klimamanagement müssen auch die harten Themen angegangen werden. Auch wenn es dort Widerstände gibt“, fordert Thomas Suermann mit Blick auf den Aspekt Klima- und Naturschutz in Bauverordnungen. „Es wäre schön, wenn künftig bei Bauvorhaben die Einrichtung von Solaranlagen und ausreichend Grünflächen vorgeschrieben werden“, wünscht er sich.

„Das Thema wird immer heißer.“

Thomas Suermann über den Klimawandel

Das Klima-Aktions-Bündnis sei lediglich eine Gruppe Ehrenamtlicher, betont Thomas Suermann. „Wir können mit unseren Aktionen ein Zeichen setzen und Denkanstöße geben“, sagt er. Der Klimaschutz sei aber ein Thema, das jeden angehe. Denn im aktuellen Bericht des Weltklimarats werde deutlich: Der Klimawandel verläuft schneller und folgenschwerer als noch vor einigen Jahren angenommen, erläutert Suermann. Zahlreiche Klimaschäden seien bereits eingetroffen. Im wahrsten Sinne des Wortes werde „das Thema immer heißer“, so Suermann, der den Bericht „erschreckend“ findet. Durch Corona und den Ukraine-Krieg gerate der Gedanke an und das Engagement um den Klimaschutz jedoch in den Hintergrund, bedauert der Sprecher. So hofft auch Petra Sünner, „dass wir bald wieder mehr Aufklärung leisten und die Gesellschaft mitnehmen können“.

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