Kleinstes Wahllokal in Groß Henstedt

Klönen zwischen provisorischer Wahlkabine und Urne

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Das wohl gemütlichste Wahllokal in Groß Henstedt: Helmut Henke, Jürgen Gaumann und Claus-Carsten Bruns.

Groß Henstedt - Von Miriam Kern. In Groß Henstedt ist Wählen noch eine familiäre Angelegenheit. Das Wahllokal, in dem 87 Wahlberechtigte ihre Kreuze machen, liegt nicht in einer Schule oder einem Gasthaus, sondern bei Ortsvorsteher Claus-Carsten Bruns. Seit etwa 20 Jahren funktioniert der 68-Jährige sein privates Büro zum Wahllokal um.

Viel Aufwand sei das nicht, erzählt er. Nur sein Ruhesessel müsse weichen. An dessen Stelle steht am Wahlsonntag ein Tisch, ein umgedrehter Beistelltisch dient dem Sichtschutz, eine kleine goldene Tischlampe spendet Licht.

„Wir sind das kleinste Wahllokal in Bassum“, sagt Bruns. Auf etwa 18 Quadratmetern sitzt der Ortsvorsteher mit den Wahlhelfern Helmut Henke und Jürgen Gaumann. „Hier muss sich kaum jemand ausweisen, man kennt sich“, so Bruns. Wer durch die Tür kommt, wird trotzdem gern nach der Wahlberechtigung gefragt.

Bei Bruns wird aber nicht nur gewählt, sondern vor allem geschnackt. Gern auf Plattdeutsch. Über die Enkel, Nachbarn, auch über Politik.

Bei aller Freundschaftlichkeit verlieren die Herren nie ihre Aufgabe aus den Augen: Als die junge Eva, die Enkelin von Henke, zu nah an die provisorische Wahlkabine rückt, wird sie vom Wahlvorstand Bruns freundlich aber bestimmt aufgefordert, etwas mehr Abstand zu halten.

Schnell noch selbst die Kreuzchen gemacht: Helmut Henke in der „Wahlkabine“.

„Wir bilden den Nachwuchs hier direkt aus“, sagt Henke mit einem Augenzwinkern. „Die Wahlbeteiligung liegt in Groß Henstedt bei 75 bis 80 Prozent.“ Woran das liegt? Bruns meint, weil es im Ort noch Bürgernähe gebe. „Und wer nicht wählt, den stellen wir heute Abend zur Rede“, witzelt Henke.

Bis dahin sorgt Ehefrau Dorle Bruns für Brötchen zum Frühstück, deftige Gyrossuppe zum Mittag, nachmittags Kaffee und Eistorte. „Dafür geben wir gern etwas von unserem Erfrischungsgeld ab, das gehört sich so“, meint Henke.

Die wichtigste Aufgabe sei aber die Auszählung – und schnell erledigt. Erfahrungsgemäß brauchen die Wahlhelfer rund eine halbe Stunde, dann kann Ortsvorsteher und Wahlvorstand Bruns die Ergebnisse übermitteln. Das werde aber das letzte Mal sein. Nach diesem Jahr ist Schluss mit dem Wahllokal im privaten Büro. Keine spontane Entscheidung, sondern lange geplant. „Ich möchte nun in Rente gehen und für jemanden anderes Platz machen“, so Bruns.

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