Schüler der Grundschule Bramstedt genießen den bundesweiten Vorlesetag dank moderner Medien

Kleine Hexe kommt via Active-Board ins Klassenzimmer

Ein Stück Normalität in der Corona-Zeit: Die Viertklässler genießen den etwas anderen Vorlesetag mit Bücherei-Leiterin Susanne Tietje.
+
Ein Stück Normalität in der Corona-Zeit: Die Viertklässler genießen den etwas anderen Vorlesetag mit Bücherei-Leiterin Susanne Tietje.

Bramstedt – Die Kinder der vierten Klasse blicken auf das große Active-Board in ihrem Klassenraum der Grundschule Bramstedt. Ihre Lehrerin Ute Lindberg sitzt am Laptop und nimmt die nötigen Einstellungen für die bevorstehende Zoom-Konferenz vor. Auf einmal erscheint Susanne Tietje auf der interaktiven Tafel. „Die kenne ich!“, ruft einer der Jungen beim Anblick der Leiterin der Stadtbücherei. Ein anderer springt sofort auf: „Ich mach gleich mal den Ton an, dann hört sie, was wir reden!“ Wie selbstverständlich scharen sich die Kinder um die Tafel und drücken routiniert auf dem Display herum. Ihre Lehrerin beobachtet das Ganze und merkt schnell: Ihre Hilfe wird nicht gebraucht.

Plötzlich erklingt Tietjes Stimme im Klassenzimmer: „Hallo aus der Stadtbücherei! Könnt ihr mich gut hören?“ Die Kinder recken die Daumen nach oben. Tietje lächelt. In den vergangenen Jahren hat sie den Kindern immer ein Bilderbuchkino zum bundesweiten Vorlesetag vorgestellt. Und das sollte auch in diesem Jahr nicht ausfallen, fand Schulleiter Tobias Baron und fragte die Bücherei-Leiterin, ob sie bereit wäre, die Veranstaltung auch digital zu machen. „Wir möchten trotz Corona so viel Normalität wie möglich in den Schulalltag bringen“, sagt Baron. „Dazu gehören auch kulturelle Veranstaltungen, die jetzt eben digital stattfinden.“ Tietje sagte zu, und so bekommt jede Klasse der Grundschule eine Geschichte zu hören.

Die Bücherei-Leiterin startet die Präsentation, so dass die Kinder die entsprechenden Bilder zum Text sehen, und beginnt die Geschichte der kleinen Hexe vorzulesen. Für sie ein passendes Buch, denn „wer wünscht sich nicht gerade die Fähigkeit, die Zeiten zu verwandeln?“, fragt Tietje und verleiht der Hexe, ihrem Raben Abraxas und den vielen anderen Figuren verschiedene Stimmen.

Im Klassenraum herrscht Stille. Die Kleinen lauschen aufmerksam, ab und zu geht die Hand zu einer der Trinflaschen auf den Tischen. Die Tür ist halb geöffnet, und zwischen den Kindern bleibt immer mindestens ein Stuhl leer. Denn die Klasse ist im Szenario B. Die anderen Hälfte sitzt zur selben Zeit zu Hause und hört vermutlich genauso gebannt Tietje zu, die die Hexe nun über eine schneebedeckte Landschaft fliegen lässt. „Es wäre schön, wenn wir auch mal so viel Schnee hätten“, seufzt ein Junge.

Als die Hexe einer fröhlich feiernden Fastnacht-Gesellschaft begegnet, bleibt es still. Fragen die Kinder sich vielleicht gerade, ob sie nächstes Jahr Fasching werden feiern können? Doch als die Hexe zuhause eine Fastnacht-Party veranstaltet und dafür ihre Gäste, die Tiere, wild verzaubert, klingt fröhliches Gelächter durch den Raum. Dass der Ton manchmal etwas undeutlich wird, tut der Stimmung keinen Abbruch.

„Bis nächstes Jahr!“, verabschiedet sich Tietje schließlich. Für den Rest der Stunde dürfen die Kinder sich jeweils ein Tablet schnappen. Dort probieren sie sich an einer neuen App aus, die es ihnen erlaubt, eine eigene Oper zu konstruieren. Sie können Figuren gestalten, Texte einsprechen, Ausschnitte aus echten Opern einbauen und und und. „Dabei können sie zum einen ihre Kreativität ausleben und zum anderen sich mit einer Musikrichtung beschäftigen, zu der sie sonst noch keinen Zugang hätten“, erklärt Lindberg. „Die Medien sollen eine Ergänzung zum Unterricht darstellen oder die Kreativität fördern.“

Die Hilfe ihrer Lehrerin brauchen sie im Grunde schon gar nicht mehr. „Die sind so fit“, lobt Lindberg, während die Schüler unter viel Gelächter die Figuren nach ihren Klassenkameraden benennen und durch verschiedene Abenteuer schicken. „Früher war schon das Drücken des Startknopfes mit großer Aufregung verbunden, jetzt ist der Umgang damit schon selbstverständlich geworden.“

Das zeigt sich auch, als ein kleines Problem mit dem Active-Board auftritt. Während Lindberg nach dem Fehler sucht, kommt ihr ein Mädchen zuhilfe, das schnell erkannt hat, warum es nicht funktioniert. Ein Effekt, der Schulleiter Baron freut. „Die Kinder bringen sich untereinander viel bei – und eben hin und wieder auch mal den Lehrern. So lernen wir alle gemeinsam stetig dazu.“

Von Julia Kreykenbohm

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Lamberts Bay ist mehr als ein Fischerort

Lamberts Bay ist mehr als ein Fischerort

Wie fleischfressende Pflanzen Fleisch fressen

Wie fleischfressende Pflanzen Fleisch fressen

Spektakuläre Grottenschau im Gletschereis der Walliser Alpen

Spektakuläre Grottenschau im Gletschereis der Walliser Alpen

BVB nach Remis gegen Lazio Rom im Achtelfinale

BVB nach Remis gegen Lazio Rom im Achtelfinale

Meistgelesene Artikel

„First Dates“ (Vox): Süße Sarah aus Weyhe verzaubert charmanten Johannes

„First Dates“ (Vox): Süße Sarah aus Weyhe verzaubert charmanten Johannes

„First Dates“ (Vox): Süße Sarah aus Weyhe verzaubert charmanten Johannes
„Schlag ins Gesicht der Pflegekräfte“

„Schlag ins Gesicht der Pflegekräfte“

„Schlag ins Gesicht der Pflegekräfte“
Sulingen wünscht Bahnreaktivierung

Sulingen wünscht Bahnreaktivierung

Sulingen wünscht Bahnreaktivierung
„Nach vorne gucken und neu angreifen“

„Nach vorne gucken und neu angreifen“

„Nach vorne gucken und neu angreifen“

Kommentare