Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht / UVP gefordert

Nabu fordert Baustopp

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Mit großer Sorge beobachten Erika Hollwedel und Henning Greve die Verrohrung von Gräben.

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Das ist die Goldammer.“ Henning Greve vom Naturschutzbund Syke spitzt die Ohren. „Die singt schon länger. Nur hört man sie nicht, weil es viel zu laut hier ist“, meldet sich Erika Hollwedel zu Wort und blickt auf die nicht enden wollende lange Fahrzeugschlange an Transportern, die Beton anliefern.

Die Bauarbeiten im geplanten Windpark Ringmar an der L776 laufen – und Greve und Hollwedel sind immer wieder aufs Neue vergrellt über die Eingriffe. Ihre Hoffnung legen sie in die Klage, die der Nabu Niedersachsen beim Verwaltungsgericht Hannover eingereicht hat. Ziel ist, die vom Landkreis erteilte Baugenehmigung auszusetzen, damit noch fehlende Untersuchungen vorgenommen werden können.

Ein Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung, wie es im Juristenjargon so schön heißt, liege vor, erklärt die zuständige Pressestelle des Gerichts. Mit einer Entscheidung sei in den nächsten Wochen zu rechnen,

„In der Antragsbegründung der Kanzlei Engbers werden mehrere Punkte aufgeführt. Einige davon sind uns besonders wichtig. Es fehlt eine Umweltverträglichkeitsprüfung“, erklärt Henning Greve die wichtigsten Kritikpunkte. Der Antragsteller, also der Windparkbetreiber, habe nur eine weniger umfangreiche Umweltverträglichkeitsstudie machen lassen. Außerdem vermissen die Naturschützer eine FFH-Verträglichkeitsprüfung. Diese hätte ebenfalls unbedingt erfolgen müssen, heißt es in dem Schriftstück, denn in unmittelbarer Nachbarschaft zum geplanten Windpark, 100 Meter entfernt, befindet sich das FFH-Gebiet Friedeholz.

FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Habitaten (Lebensraumtypen) dienen).

„Vor allem der Schutz für die Vogelwelt ist nicht ausreichend“, sagen Greve und Hollwedel. Man wollte Abschaltzeiten festschreiben. Auch das Monitoring für Fledermäuse sei nicht ausreichend, denn die Flugbewegungen im Frühling würden nicht erfasst. Wochenstuben innerhalb des Gebietes seien bekannt.

Jüngstes Ärgernis: „Die Arbeiter haben an einigen Stellen Drainagen gelegt, Gräben zugeschüttet und zum Teil verrohrt. Auch am Schlatt. „Diese Arbeiten wirken sich negativ auf das Schlatt aus“, sind Greve und Hollwedel überzeugt. Die ökologische Verbindung zwischen Schlatt und Friedeholz sei unterbrochen, Laubfrösche und andere Amphibien kämen so nicht mehr von einem Biotop zum anderen. „Mal ganz davon abgesehen, dass der Wasserhaushalt für das Schlatt massiv gestört wird“, so Greve.

Diese und noch weitere Punkte finden sich in dem schriftlichen Antrag der Kanzlei Engbers wieder.

So werden detailliert die Vogelbeobachtungen aufgelistet, etwa der Horst des Schwarzstorchs an der Dehmse, aber auch Horste von Baum- und Turmfalken, von Rohrweihen sowie Vorkommen von Feldlärchen.

Es habe innerhalb der vergangenen vier Jahre trotz intensiver Hinweise auch von Ornithologen und benachbarten Landkreisen keine fachgutachterliche Betrachtung des Gebietes gegeben. Dass durch die Bauarbeiten keine Auswirkungen auf die FFH-Schutzgüter und Arten ausgehen, sei unrealistisch, argumentiert der Nabu. Er fordert eine Überprüfung.

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