Kita-Streik belastet Mütter und Väter / Verständnis weicht Wut

Eltern geht die Puste aus

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Der Kindergarten hat zu – Rüdiger Ebert muss seinen Sohn Luca selber betreuen.

Bassum - Von Maik Hanke. Ein bisschen vermisst er sie ja schon. Luca blättert im Freundebuch mit den Bildern der anderen Kinder in seinem Kindergarten. Der Sechsjährige sieht seine Spielkameraden nicht mehr täglich, seit die Erzieher vor drei Wochen ihre Arbeit in den Kindergärten niedergelegt haben. Auch sein Vater Rüdiger Ebert ist zunehmend genervt – und fordert ein Ende des Streiks.

Bundesweit streiken Erzieher in Kindergärten und Kitas für mehr Geld und Wertschätzung – unbefristet. „Das Ziel ist richtig, die Mittel sind falsch“, findet Ebert. Er sieht den Streik auf den Rücken der Eltern und Kinder ausgetragen. „Die Eltern sind die Gelackmeierten“, sagt Ebert, „und an die Kinder denkt im Moment keiner.“

Luca besucht den Kindergarten Kinder-Reich an der Bürgermeister-Lienhop-Straße in Bassum. Eigentlich ist Ebert sehr zufrieden mit der dortigen Arbeit, aber gerade über die Dauer des Streiks ist er verärgert. „Die ersten Tage hat man Verständnis gehabt. Dieses Verständnis weicht einer Wut.“

Langsam geht vielen Eltern wie Ebert und seiner Lebensgefährtin Birte Wachendorf durch die zusätzliche Belastung die Puste aus. Nicht nur sieht Luca seine Freunde nicht mehr regelmäßig, der quirlige Junge ist nicht mehr ausgelastet. Er fordert Aufmerksamkeit, die ihm seine Eltern gerne geben möchten. Sie sind aber beide berufstätig.

Ebert leitet einen Verbrauchermarkt in Bassum, Wachendorf ist in Teilzeit stellvertretende Leiterin eines Marktes in Harpstedt. Die Eltern schaffen es gerade so, dass sie Luca selbst betreuen können: Viermal die Woche bleibt die Mutter vormittags zu Hause, einmal der Vater. Manchmal muss Luca mit zur Arbeit.

Besonders für Mutter Birte bedeutet der Streik lange und anstrengende Tage, wenn Luca morgens um 6Uhr wach ist und sie abends bis um halb zehn arbeitet. Freizeit bleibt keine.

Rüdiger Ebert weiß, dass seine Familie noch in einer glücklichen Lage ist. Alleinerziehende haben es noch deutlich schwerer. Ebert berichtet von einer Mitarbeiterin, die ihn völlig aufgelöst um eine Arbeitsbescheinigung bat, damit sie für ihr Kind wenigstens einen Vormittagsplatz in der städtischen Notfallbetreuung bekommen konnte.

Der Notfallbetreuung steht Ebert skeptisch gegenüber, seit er mitbekommen hat, dass kürzlich drei Kinder unbemerkt ausgebüchst waren (wir berichteten). „Das hätte eine Katastrophe geben können.“

Im Sommer soll Luca zur Schule kommen. Im Kindergarten wird er in einer Kleingruppe gezielt darauf vorbereitet. Auch dieses wichtige Angebot fällt nun weg. Ebert hat Angst, dass bis Ende des Kindergartenjahres gestreikt wird und auch die Kindergartenentlassung wegfällt. Dabei sei die ein wichtiger Tag für ein Kind, um den bisherigen Lebensabschnitt abzuschließen.

Ebert hat Verständnis für den Streik, fordert nun aber ein Ende. „Vielleicht sollten sich die Streikenden in die Situation der Eltern versetzen“, überlegt er. Die Lösung der Situation in Harpstedt könne ein Vorbild für Bassum sein: Dort hätten die Erzieher einen Tag lang gestreikt und ihren Standpunkt klar gemacht, aber aus Rücksicht auf die Eltern und Kinder die Arbeit wieder aufgenommen.

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