Schädling hat es nicht leicht

Frost mindert die Chancen der Kirschessigfliege

Üppig und verführerisch: Kirschen gab es im Juli 2020 in Hülle und Fülle.
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Üppig und verführerisch: Kirschen gab es im Juli 2020 in Hülle und Fülle.

Landkreis Diepholz – Die Obstbäume tragen bereits Knospen – und sie mussten, anders als in den Vorjahren, im Februar Minustemperaturen im zweistelligen Bereich ertragen. Für sie kein Problem, für manche Schädlinge aber schon. Dürfen Gartenbesitzer sich in diesem Sommer also auf Kirschen ohne Würmer freuen? Weil deren größter Schädling, die aus Asien eingewanderte Kirschessigfliege, die frostigen Wintertage nicht überstanden hat?

Martin Kockerols, Steinobstberater im Obstbauzentrum Jork, rechnet durchaus noch mit Drosophila suzukii, wie dieses Insekt in der Fachwelt heißt. „Frost ist generell gut“, sagt Martin Kockerols. Aber in geschützten Ecken könnten die Schädlinge durchaus überleben: „Irgendwie kommen irgendwo immer welche durch.“ Doch wie viele, ist unklar: „Das werden wir sehen.“

Drosophila suzukii legt ihre Eier in die Kirschen. Das Weibchen sägt dafür mit einem Stachel aus Chitin ein Loch in die Kirsche. In der Frucht entwickeln sich die Larven – die Würmer.

Einem starken Befall vorbeugen, dafür gibt es durchaus Chancen. Martin Kockerols empfiehlt, schon im Frühjahr spezielle Fallen in die Bäume zu hängen. Die Temperaturen sollten aber schon über zehn Grad Celsius liegen.

Im Frühjahr spezielle Fallen aufhängen

Solche Fallen gibt es zu kaufen, man kann sie aber auch selbst herstellen: In eine Plastikflasche (0,5 Liter) in den oberen Bereich ein bis zwei Millimeter große Löcher bohren – als Einflugmöglichkeit für die Fliege. Für die Befüllung dieser Fallen empfiehlt Martin Kockerols eine Mischung aus Wein und Apfelessig (jeweils zwei Zentiliter) mit einem Spritzer Spülmittel.

Martin Kockerols rät, diese Fallen im April in die Kirschbäume zu hängen. Denn schon dann seien die Insekten auf Futtersuche. „Die Fallen müssen alle zwei Wochen entleert werden“, sagt der Experte. Erneut mit der Spezialmischung befüllt, kommen sie dann wieder an die Äste.

Sie später zwischen die reifen Früchte zu hängen, hält Martin Kockerols nicht für zielführend. Denn die Insekten würden sich dann erfahrungsgemäß für die Früchte entscheiden – und nicht für die Flüssigkeit in den Fallen.

Während der Ernte ist regelmäßiges Durchpflücken sehr wichtig

Ob Kirschen oder Himbeeren: Während der Ernte sei regelmäßiges Durchpflücken sehr wichtig – und vor allem Hygiene im Bestand, betont der Steinobstberater. Was nicht essbar sei, müsse sorgfältig entsorgt werden: „Aber nicht im Kompost“, warnt der Experte, damit sich Drosophila suzukii dort nicht vermehren könne.

Dass sie es dabei in diesem Jahr deutlich schwerer hat als im vergangenen, dafür sind die frostigen Tage und Nächte vor allem im Februar ein wichtiges Indiz. Im vergangenen Winter war es deutlich wärmer, waren ihre Chancen spürbar besser. „Am 16. Februar 2020 hatten wir 18,1 Grad. Rekordwert“, erläutert Manfred Kettel, Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer in Nienburg (sie ist auch für den Landkreis Diepholz zuständig) und Wetter-Chronist, die damalige Messung des Deutschen Wetterdienstes in Nienburg. 365 Tage später war es völlig anders. Da türmten sich in der Region noch die Schneereste des heftigen Wintereinbruchs 2021, Auswirkungen eines Polarwirbels. Zurück zu 2020, ins später völlig verwurmte Kirschjahr: Am 24. Februar sei im vergangenen Jahr schon Vegetationsbeginn gewesen, stellt Manfred Kettel fest, da hätten sich zum Beispiel die Knospen der Forsythien geöffnet. „Davon waren wir in diesem Jahr weit entfernt“, so der Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer.

Mehr noch: „Der Januar 2020 war außergewöhnlich warm“, erläutert Manfred Kettel, „die Temperaturen lagen 4,6 Grad über dem langjährigen Schnitt“. Und wann hat es in dieser Region zuletzt so viel Schnee gegeben wie Anfang Februar 2021? Den letzten nennenswerten Schneewinter habe es 2010 gegeben, blickt der Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer zurück.

Wetterdaten üben auch auf Jens Seifert aus Syke-Barrien eine große Faszination aus. Als Hobby-Meteorologe dokumentiert er seit Jahren akribisch die Daten seiner privaten Wetterstation und veröffentlicht sie auf seiner Internetseite „Das Wetter in Syke-Barrien“.

Die künftigen Kirschen sind im Keim schon da.

Der zweite Monat des Jahres 2021 hatte es demnach in sich: minus 16,3 Grad am 13. Februar um 7.50 Uhr in Barrien – ein Kälterekord. Am Tag zuvor waren es um 6 Uhr minus 14,8 Grad gewesen. „Das war schon ein Hammer im Vergleich zu den letzten Jahren“, sagt Jens Seifert.

Prognosen zur Kirschernte kann er natürlich nicht geben. Aber vielleicht Einschätzungen zum Sommer 2021? Zumindest für den Frühsommer hat Jens Seifert einen Erfahrungswert: Wenn im April eine Woche mehr als 20 Grad Celsius herrschen, „dann sind die Chancen relativ groß, dass es ein sehr warmer Frühsommer wird“.

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