Gotteshäuser vor allem Orte der Besinnung

Kirche bleibt Kirche: Muss das so sein?

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Klassik in der Stiftskirche Bassum mit der Klassischen Philharmonie Nordwest – keine kirchliche Veranstaltung.

Bassum/Twistringen - Von Ulf Buschmann. Schlecht besuchte Gottesdienste und hohe Energiekosten – in vielen Gemeinden bleiben die Kirchen leer. Gleichzeitig explodieren die Kosten. Also überlegen die Verantwortlichen sich neue Arten der Nutzung. In den vergangenen zehn Jahren sind vor diesem Hintergrund Jugend- oder Kulturkirchen entstanden. Derartiges wird in Bassum und Twistringen auf absehbare Zeit nicht geschehen. Weder bei den Protestanten noch bei den Katholiken. Das ergab eine Umfrage dieser Zeitung.

Vor zehn Jahren hat sich die Harpstedter Kirchengemeinde entschlossen, ihre Kirche nicht nur für Gottesdienste zu öffnen. 10 bis 20 Konzerte und Lesungen jährlich gibt es dort. Der Erfolg laut Gemeinde: Die Anzahl der Gottesdienstbesucher habe um mehr als 40 Prozent zugenommen. Die Harpstedter sind auf dem Weg zu einer Kulturkirche, wie es seit zehn Jahren die St.-Stephani-Kirche in Bremen und noch länger das Gotteshaus der Gemeinde Hamburg-Altona-Ost sind. Dem Beispiel Harpstedt wollen Bassum und Twistringen eher nicht folgen. „Grundsätzlich sind es Gottesdiensträume“, sagt Twistringens Pfarrer Arnold Kuiter. „Das soll auf absehbare Zeit auch so bleiben.“ Der Geistliche fasst die Denke in den Kirchengemeinden beider Konfessionen in der Region zusammen: Die Verantwortlichen sind zwar offen für Konzerte oder andere kulturelle Veranstaltungen, doch an den Grundfesten möchten sie nicht rütteln.

Hier und dort gerät allerdings etwas in Bewegung – in Bassum etwa. Thorsten Runge, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands, beantwortet die Frage nach einer anderen Nutzung der Kirche „mit einem entschiedenen Jein“. Die Stiftskirche werde immer wieder für kulturelle Veranstaltungen genutzt. „Aber das bewerben wir nicht explizit“, schränkt Runge ein. Er verweist auf die einmal jährlich angesetzten Konzerte des Bassumer Kulturforums. Runge sagt: „Das geht mehr in die klassische Richtung.“

Die Kirche Bassum darf für außerkirchliche Veranstaltungen genutzt werden. Es muss passen, so die Verantwortlichen.

Auch in der Nachbarschaft sind die Verantwortlichen solchen Veranstaltungen nicht abgeneigt. Runges Twistringer Kollege im Vorstand der Martin-Luther-Gemeinde, Vorstands-Vize Andreas Dettmer, schränkt indes ein, dass Veranstaltungen im Gotteshaus möglichst einen religiösen Bezug haben sollten. Sei dies gegeben, spreche nichts dagegen, dass in der Kirche auch mal Popkonzerte über die Bühne gehen. „Eine Kirche ist ein religiöser Ort“, sagt Dettmer. Und: „Ruhe und Einkehr stehen immer im Vordergrund.“

Gute Erfahrungen mit der Nutzung der Kirche in Heiligenloh als Konzertort hat nach Auskunft von Pastorin Marikje Smid die dortige Gemeinde gemacht. Allerdings habe die Gemeinde lediglich den Veranstaltungsort zur Verfügung gestellt.

Zuständig für die Organisation sei in jedem Fall die Kulturbeauftragte der Stadt Twistringen, Katja Bischoff, gewesen. Die kulturelle Nutzung am zweiten Standort der Gemeinde in Colnrade ist laut Smid nicht möglich, „weil wir wegen Verzögerung der Bauplanungen noch nicht über ein WC in erreichbarer Nähe verfügen und auch kein fließendes Wasser und keine Küchenzeile für Catering haben.“

Keine alternative Nutzung in Nordwohlde

Gänzlich unbeleckt in Sachen alternativer Kirchennutzung ist die Gemeinde Nordwohlde. Wolfgang Hornig, Vorsitzender des Kirchenvorstandes, berichtet, dass hin und wieder mal ein Chor oder ähnliche Klangkörper in der Kirche auftreten. Der Vorstand habe sich mit einer eventuellen anderen Nutzung der Kirche bislang nicht befasst, werde es aber sicherlich über kurz oder lang tun. „Sie haben mich darauf gebracht“, meint Hornig zur Anfrage dieser Zeitung.

Kirchen vermehrt für Musikveranstaltungen zu nutzen, ist in der Regel einfacher als dort Ausstellungen zu veranstalten. Dies lassen die Verantwortlichen der Gemeinden durchblicken. „Allgemein gibt es hier noch keine Überlegungen, unsere Kirchenräume für andere Nutzungen als Konzerte zu öffnen. Die Kirche Heiligenloh eignet sich unseres Erachtens nicht gut für Bilderausstellungen wegen der Bestuhlung bis an die Wände und der Enge des Raumes.“

„Anders verhält es sich in Colnrade“, sagt Pastorin Smid. Sie ergänzt: „Dort ist ein Aufhängen an den Wänden jederzeit möglich.“

Kuiter legt bei Ausstellungen in einer der vier Kirchen der Pfarrei St. Anna Wert darauf, dass das jeweilige Thema „mit dem Glauben kompatibel“ ist.

Außer baulichen oder inhaltlichen Fragen müssten die Gemeinden aus der Sicht der Verantwortlichen noch ein ganz anderes Problem stemmen. Kirchenvorstandsmitglied Dettmer kennt sich aus. Das alles sei „sehr personalintensiv“. Ähnlich äußert sich Smid. Für Ausstellungen in Colnrade „fehlen uns Ehrenamtliche zum Aufpassen bei geöffneter Kirche“.

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