„Kinder sollen sicher spielen“

Jörg Hartmann ist Spielplatzkontrolleur in Bassum

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Jörg Hartmann überprüft den Übergang zwischen Rutsche und Holzkonstruktion auf einem Spielplatz.

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Spielplatzkontrolleur klingt nach einem Traumberuf. Den ganzen Tag rutschen, schaukeln, klettern – und dafür auch noch bezahlt werden. Wenn Jörg Hartmann diese Vorstellung hört, muss er schmunzeln, denn sie geht meilenweit an der Realität vorbei. Denn dem Spielplatzkontrolleur geht es vor allem um Sicherheit und einzuhaltende Vorschriften. Also alles andere als Spiel und Spaß. Freude macht ihm sein Beruf trotzdem, erklärt der 51-Jährige.

Hartmann klettert hinter das Steuer seines Kastenwagens und verlässt den Parkplatz des Bauhofes. Im Sommer rückt er jede Woche an zwei Tagen aus, um die 35 Spielplätze zu kontrollieren. 15 davon liegen außerorts. „Das ist sehr arbeitsintensiv“, so Hartmann, zumal der Holzbearbeitungsmechaniker als Mitarbeiter des Bauhofs auch noch andere Aufgaben hat. So baut er in seiner Werkstatt unter anderem die neue Voliere für den Tierpark.

Er hält am Spielplatz Amtsfreiheit, steigt aus und öffnet den hinteren Teil des Wagens. Der ist im Grunde eine rollende Werkstatt: Schrauben und Werkzeuge sind dort verstaut, damit Hartmann bei Kleinigkeiten gleich tätig werden kann. Bei größeren Schäden müsste er das Spielgerät sperren lassen. Doch weil das mit Bauzäunen passieren müsste, um wirklich zu verhindern, dass niemand darauf tobt, baut er sie meist gleich ab und lässt sie in seine Werkstatt schaffen.

„Ich bin da sehr pingelig“

Hartmann betritt den Spielplatz und beginnt mit der Schaukel. Sind die Sitze fest? Alle Schrauben noch angezogen? Hartmann rüttelt am Pfosten, um die Standfestigkeit zu prüfen und geht weiter zur Wippe. Dort testet er die „Puffer“ – also die Reifen – und marschiert zu der großen Holzkonstruktion, zu der eine Hängebrücke, Rutsche und Klettervorrichtung gehören. Sitzt alles noch fest? Sind die Nieten drin? Können die Kinder irgendwo hängenbleiben und sich verletzen? „Ich bin da sehr pingelig“, sagt Hartmann. Über jeden Spielplatz führt er eine Akte und einmal im Jahr kommt ein Prüfer, der jedem Platz den Tüv abnimmt.

„Was hier noch fehlt, sind eine Bank und ein Mülleimer“, so Hartmann. Er schaut sich ein letztes Mal um und steigt wieder in seinen Wagen. Weiter geht es zum Platz an der Berliner Straße – der ein bisschen sein „Sorgenkind“ ist, wie er zugibt. „Dort geht viel kaputt.“ Unter anderem haben Unbekannte die Holzbohlen des Karussels herausgetreten. Das liegt nun beim Bauhof und wartet darauf, von Hartmann repariert zu werden. „Außerdem lassen viele ihren Müll liegen. Ich verstehe das nicht, immerhin spielen da Kinder.“ Wenn Hartmann Unrat findet, räumt er ihn weg und leert auch die Tonnen aus.

Auf die Kollegen ist Verlass

Doch der 51-Jährige entscheidet auch über die Gestaltung eines Platzes. Wenn es darum geht, wendet er sich am liebsten an die Kinder und Eltern. „Die wissen, was fehlt“, sagt Hartmann. Weisen ihn zum Beispiel Eltern darauf hin, dass Angebote für Kleinkinder fehlen, schreibt er das in sein Dossier, das er der Verwaltung vorlegt – in der Hoffnung, dass die ihm Geld zur Verfügung stellt.

Worauf er sich bei seiner Arbeit immer verlassen könne, seien seine Kollegen, die ihn unterstützen, wenn es beispielsweise um den Abbau von Geräten oder die Rasenpflege geht.

Hartmann fährt zur Grundschule Nordwohlde, wo seit ein paar Tagen ein Klettergerüst steht, das er selbst gebaut hat. Dabei kann er seiner Kreativität freien Lauf lassen – so lange er die Richtlinien einhält, die beispielsiwese sagen, wie groß der Abstand zwischen den Sprossen sein muss. Er zeigt Fotos von der Einweihung, bei der sich die Kinder begeistert auf sein Werk gestürzt haben. Beim Eigenbau ist Hartmann ebenfalls sehr genau, schließlich „muss ich nachts schlafen können“. Er rüttelt an verschiedenen Ecken, doch alles sitzt perfekt. Woher nimmt er die Anregungen für die Geräte? „Einfach die Augen aufmachen“, erwidert Hartmann schmunzelnd.

Man spürt, wie viel Herzblut der 51-Jährige in seine Arbeit steckt. Umso weniger kann er verstehen, dass Eltern manchmal erbost sind, wenn er ein Gerät abbauen lässt, weil es abgängig ist. „Ich mache das ja nicht, um die Kinder zu ärgern, sondern um sie zu schützen. Sie sollen sicher spielen können.“

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