Bassumer SPD-Fraktion möchte die Hindenburgstraße in Friedrich-Ebert-Straße umbenennen

Keine Ehrung für einen Kriegsverbrecher

Hindenburg taugt nicht als Vorbild: Christoph Lanzendörfer hofft, dass der Name aus Bassums Stadtbild verschwindet.
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Hindenburg taugt nicht als Vorbild: Christoph Lanzendörfer hofft, dass der Name aus Bassums Stadtbild verschwindet.

Bassum – Wenn jemand mit seinem Namen die Patenschaft für eine Straße übernimmt, dann sollte derjenige es auch verdient haben. Er sollte ein Vorbild gewesen sein, weil er entweder etwas Besonderes geschaffen oder sich für die Gemeinschaft engagiert hat. Das ist die Meinung der SPD-Fraktion Bassum. Und genau aus diesen Gründen ist ihnen die Hindenburgstraße schon lange ein Dorn im Auge.

Denn der ehemalige Reichspräsident erfülle weder diese Kriterien, noch sei er auf andere Weise ein Vorbild gewesen. Darum hat die Fraktion nun einen Antrag an die Stadt geschickt, damit der Name aus dem Bassumer Stadtbild verschwindet.

Fraktionschef Christoph Lanzendörfer findet klare Worte, wenn er über Paul von Hindenburg spricht: „Er war ein Kriegsverbrecher, der auch Handelsschiffe bombardieren ließ! Er war verantwortlich für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg zum Ende des Ersten Weltkriegs. Er lehnte als Chef der Obersten Heeresleitung einen Verständigungsfrieden ab, woraufhin weitere Hunderttausende von Toten zu beklagen waren. Im Untersuchungsausschuss der Weimarer Nationalversammlung verbreitete er die Dolchstoßlegende, nach der das deutsche Heer den Sieg davongetragen hätte – wenn es nicht durch den Waffenstillstand von hinten ,erdolcht’ worden wäre.“

Als Reichspräsident habe er sich durch die sogenannte Osthilfe bereichert, die eigentlich überschuldeten landwirtschaftlichen Betrieben in Ostpreußen und Brandenburg zugutekommen sollte.

Als die Reichskanzler Heinrich Brüning und Kurt von Schleicher die Osthilfe kritisierten, verloren sie ihre Posten, schreibt die SPD in ihrem Antrag. Dass das preußische Landeskabinett durch den „Preußenschlag“ unter Reichskanzler Franz von Papen entlassen wurde, hatte ebenfalls mit Kritik an dieser Hilfe zu tun, die auch Hindenburgprogramm genannt wurde.

Selbst die NSDAP habe gegen die Osthilfe protestiert – was natürlich sofort endete, als Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte. „Diese Korruption konnte nicht weiter verfolgt werden, da die Nazis den Überwachungsausschuss sprengten, der sich mit dem Thema befassen sollte. Hindenburg duldete das und alle Dokumente, die die Korruption hätten belegen können, wurden eingezogen“, so Lanzendörfer. „Hindenburg brachte also Hitler an die Macht, um seine Pfründe zu sichern.“ Ein Mensch, der so korrupt gewesen sei, habe es nicht verdient, dass Bassum eine Straße nach ihm benennt.

„Ich kann mir vorstellen, dass die Anwohner der Hindenburgstraße nicht erfreut darüber sein werden, weil sie ihre Anschrift ändern müssen. Die Namensänderung einer Straße ist auch ein Eingriff in die Lebensgestaltung der Menschen. Auch ein schlichter Straßenname ist ein Stück Heimat. Aber ansonsten denke ich, dass der Vorschlag gut aufgenommen wird“, glaubt Lanzendörfer. Immerhin geht es auch um das Außenbild der Stadt Bassum, das durch Straßen vertreten wird.

Es sei ja auch nicht das erste Mal, dass dieses Thema diskutiert wird. Vor etwa 20 Jahren habe die Fraktion auf ihrer Homepage schon einmal eine Debatte dazu angestoßen.

Warum es nun noch mal aufgegriffen wird? Weil in diesem Jahr jemand 150 Jahre alt wird, der es in den Augen der SPD viel mehr verdient hätte, dass eine Straße seinen Namen trägt. Jemand, der 14 Jahre lang im Umkreis, genauer gesagt in Bremen, lebte und ebenfalls Reichspräsident war. Der erste der Weimarer Republik. Und Sozialdemokrat. Die Rede ist von Friedrich Ebert.

„Der Sattlergeselle“, wie Lanzendörfer sagt, habe mehrere Berufe ausgeübt und durch seine Persönlichkeit überzeugt. „Er war nicht der große Redner, eher ein ruhiger, stiller Typ. Er stand in erster Linie für sein Land ein, nicht für seine Partei.“ Er habe immer versucht, zwischen den politischen Lagern zu vermitteln, und rang als erster demokratisch gewählter Präsident Deutschlands darum, die parlamentarische Demokratie zu beschützen.

Doch Ebert hatte auch viel auszuhalten. Nicht nur durch die vielen Krisen im vom Krieg gezeichneten Land, sondern auch durch die Presse, die ihm vorwarf, die Kriegsniederlage mitverschuldet zu haben. Ebert wehrte sich gegen diese Berichte vor Gericht.

Während des laufenden Prozesses stellte er die medizinische Behandlung einer Blinddarmentzündung hintan und starb 1925 im Alter von 54 Jahren an einem Blinddarmdurchbruch.

Von Julia Kreykenbohm

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