Kein Superbulle, sondern ein echter Mensch

Autor Till Raether fesselt Zuhörer bei Lesung in Bassum

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Till Raether liest aus seinem neuen Krimi.

Bassum - Von Ulf Kaack. Die dunkle Jahreszeit ist für viele Menschen ein willkommener Anlass, sich dem einen oder anderen guten Buch zu widmen. Diese Tatsache aufgreifend, hatte das Kulturforum in Kooperation mit der Stadtbibliothek am Donnerstag zu einer Lesung mit dem bekannten Kriminalautor Till Raether eingeladen, der aus seinem aktuellen Werk „Neunauge“ vortrug.

Es war ein launiger Abend im Bassumer Vorwerk mit einem gut aufgelegten Autor, dem die rund zwei Dutzend Literaturfreunde lauschten. Dabei gelang ihm der Spagat, einerseits eine spannende Lesung zu zelebrieren, andererseits nicht zu viel vom Inhalt seines Buches preiszugeben. Klar, der beigestellte Büchertisch sollte am Ende ja möglichst leergekauft sein.

Mit seinem Kriminalroman „Treibland“ etablierte Till Raether 2014 den hypersensiblen Kommissar Adam Danowski, der oft schlechte Laune und hin und wieder eine phänomenale Eingebung hat. „Ich wollte damals keinen dieser Superbullen schaffen“, plauderte der Autor. „Die Kunstfigur Danowski ist ein eher wenig belastbarer Typ, der gern pünktlich Feierabend hat und um 17 Uhr bei seiner Familie ist. Die permanente Verdichtung seines Arbeitsplatzes wird für ihn zunehmend zu einer Tretmühle. Einfach ein echter Mensch in einer realen Welt.“

Ende September erschien „Neunauge“, der vierte Band mit Hauptkommissar Danowski als Protagonist. Bereits im vorangegangenen Werk wurde er vom Kriminalbeamten zum operativen Fallanalytiker weggelobt und muss nun einem aus Bayern hinzubeorderten selbstverliebten Beamten zuarbeiten, wird Roadie für den Profiler-Rockstar.

Der Fall

In den Kellern von Hamburger Schulen wurden mumifizierte Leichen entdeckt. Ein Serienmörder wird vermutet. Oder war es doch ein von seiner Schulzeit traumatisierter Einzeltäter?

Natürlich spielt auch dieser Krimi des Hamburger Autors in der Elbmetropole: „Danowski hat von Hamburg aus bereits auf einem Kreuzfahrtschiff ermittelt, in einem Offshore-Windpark und in den Katakomben des alten Elbtunnels ermittelt. Diesmal sind es die alten verstaubten Gewölbe unter den Schulen am Hamburger Stadtrand. Mysteriöse und etwas gruselige Orte, wie sie wohl jeder von uns aus seiner Kindheit kennt“, plauderte Till Raether.

Episodenhaft erfuhren die Zuhörer aus dem Inhalt von „Neunauge“, wurden ganz nebenbei in die nicht gerade appetitlichen biologischen Prozesse der Mumifikation eingeweiht und nahmen Erstaunliches aus dem Berufsbild eines Buchautors zur Kenntnis.

Selbstverständlich blieb das Ende des Kriminalromans offen. Wie ein Witz ohne Pointe, aber das sollte ja so sein. Des Büchertisches wegen, der wegen der nun entfachten Neugierde auf das Grande Finale dicht umringt war.

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