Rückkehr nach Hause nach 9 Monaten

Kater legt 250 Kilometer vom Harz nach Bassum zurück

Sie hat für das Happy-End gesorgt: Eva Langwald vor dem Häuschen am Bassumer Tierpark, in dem gerade eine trächtige Fundkatze untergebracht ist. Die ehrenamtliche Helferin sucht ein Zuhause für die Kitten.
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Sie hat für das Happy-End gesorgt: Eva Langwald vor dem Häuschen am Bassumer Tierpark, in dem gerade eine trächtige Fundkatze untergebracht ist. Die ehrenamtliche Helferin sucht ein Zuhause für die Kitten.

An diesen Moment hatte Christine Lißner schon nicht mehr geglaubt, zu viele Tränen um ihren Liebling geweint: Neun Monate nach seinem mysteriösen Verschwinden kann die 34-Jährige ihren Kater Max wieder in die Arme schließen – 250 Kilometer von ihrem Wohnort Ditfurt bei Quedlinburg entfernt, in Bassum. Es ist Katzenfreundin Eva Langwald, die für dieses außergewöhnliche Happy-End gesorgt hat. In fast detektivischer Kleinarbeit hat sie die Besitzerin von Max aufgespürt. Wie der Kater nach Bassum kam, ist völlig unklar.

Bassum – Eva Langwald hält es für möglich, dass er als blinder Passagier auf der Ladefläche eines Lastwagens oder in einem Lieferwagen mitgefahren ist – vielleicht aus Neugier, vielleicht auf der Suche nach einem warmen Plätzchen. Das komme öfter vor. „Man sieht die Katzen ja erst, wenn sie aus dem Auto springen“, sagt die ehrenamtliche Katzenretterin. „Man hat auch gemerkt, dass er draußen gelebt hat. Und man weiß nicht, was für Traumata in ihm stecken“, fügt die erfahrene Katzenfreundin hinzu. „Er war zahm, aber auch mit Vorsicht zu genießen.“ Neun Monate hat Christine Lißner aus Ditfurt um ihren Max getrauert. „Er war wie ein Baby für mich.“

In Ditfurt verschwinden 14 Katzen innerhalb eines halben Jahres

Rückblende: Der Kater ist gut ein Jahr alt, als er eines Abends nicht nach Hause kommt. Alles Rufen, alles Suchen ist vergebens. „Ich hab im Dorf Plakate mit Fotos aufgehängt“, erinnert sich Christine Lißner. Die 34-Jährige fragt überall, gibt Anzeigen bei Ebay auf und sucht über Facebook nach ihrem Max. Der ist nicht der einzige, der aus Ditfurt vermisst wird: „In einem halben Jahr sind 14 Katzen verschwunden“, berichtet die 34-Jährige.

Auf ihre Annoncen erhält sie immer wieder Rückmeldungen. Doch jedes Mal endet die Nachfrage mit einer bitteren Enttäuschung. Nein, es ist nicht Max. Weil die junge Frau so traurig und verzweifelt ist, schenkt ihr Freund ihr schließlich einen neuen Kater – einen gelbgestromten, wie Max.

Kater hat keinen Chip ‒Identifizierung über Fotos

Neun Monate nach dessen Verschwinden meldet sich Eva Langwald. „Sie hatte meine Anzeige bei Ebay gesehen“, schmunzelt Christine Lißner. Aber kann das wirklich ihr Max sein? 250 Kilometer von seinem Heimatort entfernt?

Eva Langwald bittet um Fotos – und macht selbst Bilder von dem Fundkater, der auf einem Bauernhof bei Bassum zugelaufen war. „Die Bilder habe ich dann zu einer Collage geformt und alle Details verglichen“, sagt die Katzenfreundin über ihre Arbeit. Denn es gibt ein Problem: Max ist nicht gechipt. Aber er hat zwei Narben: „Hat alles gepasst“, sagt Christine Lißner. Sie kann aber nicht glauben, dass es ihr Tier ist.

Katzenkissen ist der Schlüssel zum Happy-End

Die große Entfernung macht sie stutzig. Wie soll der Kater 250 Kilometer geschafft haben? Aus Angst, erneut eine herbe Enttäuschung zu erleben, zögert die Ditfurterin vor der Fahrt nach Bassum. „Mein Freund hat mich überredet“, verrät sie. Mit dem Kissen ihres Katers, das sie seit seinem Verschwinden gut verwahrt hat, reist Christine Lißner mit ihrem Freund zu Eva Langwald.

Die Begegnung fällt anders aus als gedacht: Zwar passen alle Maserungen und Merkmale. Aber der Fundkater ist deutlich größer und schwerer als Max es bei seinem Verschwinden war. Für Eva Langwald absolut kein Ausschusskriterium: „Er war ja noch sehr jung“, habe sich weiter entwickelt. „Auch charakterlich war anders“, sagt Christine Lißner. Und er ist kastriert. Hinzu kommt: Der Kater ist misstrauisch, will sich zunächst nicht anfassen lassen. Offenbar hat das Tier keine guten Erfahrungen mit Menschen gemacht.

„Sein“ Kissen hatte Christine Lißner mit nach Bassum gebracht. Kater Max nahm es sofort in Beschlag.

Es ist das Katzenkissen, das sich als Schlüssel zum Happy-End erweist. „Christine hat es hingelegt, und er hat es sofort angenommen“, beschreibt Eva Langwald den entscheidenden Moment. Max streckt sich darauf aus, beginnt mit dem Milchtritt und zeigt seine gemütliche Entspannung. Für Katzenfreundin Eva Langwald der entscheidende Beweis: „Ich war mir zu 99,9 Prozent sicher: Das ist Max.“ 100 Prozent hätte es nur mit dem Chip gegeben.

Eva Langwald hat schon 25 Fundkatzen vermittelt

Eva Langwald weiß aus Erfahrung, dass der Chip allein keine Sicherheit bietet: „Die Katzen müssen auch registriert sein!“

Ihr macht es Freude, sich um Fundkatzen zu kümmern. Unermüdlich forscht sie nach deren Besitzern, gibt Anzeigen bei Ebay auf und liest Such-Annonce um Such-Annonce. In einem dreiviertel Jahr ihrer Arbeit hat sie bereits 25 Samtpfoten vermittelt, darunter auch Katzenbabys. Die Ehrenamtliche arbeitet auch mit der Stadt Bassum zusammen. „Daraus einen Job zu machen, ist mein Traum“, so die 35-Jährige.

Ein Schnappschuss aus längst vergangenen Tagen: Christine Lißner mit ihrem Kater Max als Jungtier.

Ein gutes Zuhause „oder wenigstens eine Futterstelle“ hat sie für alle ihre Vierbeiner gefunden – oder eben ihre Besitzer. Wie das Paar aus Goldenstedt, das sich auf eine Anzeige von Eva Langwald meldete – und seinen Kater in Bassum abholen konnte: „Der Mann hatte Tränen in den Augen“, berichtet die Katzenfreundin. „Der Kater war zur Jagdsaison verschwunden und eineinhalb Jahre weg gewesen.“

Kater Max und Christine Lißner genießen das neue Miteinander

Auch eine in Syke entlaufene Katze konnte Eva Langwald wieder an die rechtmäßigen Besitzer vermitteln. Das Tier war in Bassum gefunden und – wie alle Fundkatzen – sterilisiert worden.

Christine Lißner genießt ihr Glück mit Max. Die lange Suche hat sich gelohnt. Sie ist fest überzeugt: „Man wird belohnt, wenn man nicht aufgibt.

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