Karl Krügener aus Bassum ist Insektenbeauftragter und setzt auf Aufklärung / Derzeit viele Einsätze

„Ruhige Untermieter auf Zeit“

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Vor Wespe & Co. muss keiner Angst haben.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Das Telefon von Karl Krügener steht in diesen Tagen nicht still. Am anderen Ende der Leitung sind besorgte Bürger, die sich von Wespen, Hornissen oder Hummeln bedroht fühlen. In den meisten Fällen kann Krügener die Anrufer beruhigen. Die Nester beseitigt er nur in den seltensten Fällen, nämlich dann, wenn Gefahr für Leib und Leben droht. Und das ist höchstens bei Allergikern der Fall.

Seit 1990 ist der Bassumer Insektenbeauftragter im Landkreis Diepholz. Er schaut sich jeden Fall an und entscheidet vor Ort, ob eine Umsiedelung erforderlich ist. Diese kann allerdings teuer werden, sagt er. In manchen Fällen muss das Dach geöffnet werden.

Derzeit ist Krügener fast täglich unterwegs. „Komisch, im vergangenen Jahr hatte ich nicht mal halb so viele Einsätze. Das liegt an der Trockenheit“, ist er überzeugt.

Mal haben es sich die Wespen auf dem Dachboden gemütlich gemacht, mal im Rollladen. Beliebte Quartiere sind auch Hohlräume im Mauerwerk.

„Wespen sind relativ ruhige Untermieter“, beruhigt Krügener die Gemüter. „Wenn man sie nicht stört, werden sie auch nicht aggressiv. Selbst bei Erdwespen reicht es oft, einfach einen Schutzkreis um den Bau zu ziehen und die Zeit bis zum Auszug abzuwarten. Ist ja nicht für lange.“

Im Herbst fliegt die Königin aus und sucht sich ihr Winterquartier. Kein Nest werde zweimal besiedelt.

Krügener warnt davor, Wespennester am Haus zu verschließen, da sich die Tiere dann einen anderen Ausgang suchen und so ins Haus gelangen können.

Statt die Angst zu schüren, ist dem Bassumer die Aufklärung wichtig. Und er räumt mit den Ammenmärchen auf: „Auch Hornissen sind nicht gefährlicher als andere Wespenarten. Es ist eine Legende, dass sieben Stiche ein Pferd und drei einen gesunden Menschen töten. Hornissengift ist sogar schwächer als das der Honigbiene.“ Hornissen verhalten sich abseits des Nests auch keineswegs aggressiv.

„Wer sich ein bisschen mit den Tieren beschäftigt, ist fasziniert.“ Krügener freut sich immer, wenn er mit Aufklärungsbesuchen in Schulen und Kindergärten erfolgreich ist. „Wespen sind nützliche Tiere, weil sie Insekten wie Mücken fressen“, erklärt er den Kindern dann. „Jedes Wespennest verzehrt beispielsweise 1,8 bis zwei Kilogramm Fleisch.“

Für Staunen sorgen stets die verlassenen Nester, die er gerne präsentiert. „Wer ein solches hat, kann mir Bescheid sagen, ich hole es im Herbst ab“, so Krügener. Die Nester seien ein Meisterwerk der Natur. Zum Bau nutzen die Insekten Fasern, die sie von totem Holz oder abgestorbenen Pflanzenstängeln abnagen und mit Speichel mischen. Dieser Brei werde dünn ausgestrichen und sieht dann wie Papier aus. „Das Material ist so fest, dass es einen Sommer lang Regen, Wind und Sonne aushält, es ist aber im Grunde Papier“, schwärmt Krügener.

Und selbst die Hitze würde dem Bauwerk nichts anhaben. „Im Wespennest herrscht immer eine Temperatur von 29 Grad. An heißen Tagen bringen die Arbeiterinnen Wasser in den Bau, um zu kühlen.“

Immer mehr Wespenarten seien gefährdet, manche werden sogar in der Roten Liste der gefährdeten Tiere angeführt. Schutzmaßnahmen seien deshalb wichtig.

Manches Mal muss Krügener über sich selbst schmunzeln. „Ich bin vom Saulus zum Paulus geworden.“ Der Bassumer gehört seit 37 Jahren der Feuerwehr an. In früheren Zeiten seien er und seine Kollegen oft gerufen worden, um Wespennester zu beseitigen. Und da er als früherer Bezirksschornsteinfegermeister schwindelfrei ist, musste er häufig auf die Dachböden und Leitern klettern.

Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre habe die Bundesregierung der „Zerstörungswut“ ein Ende gesetzt und Wespe & Co. unter Naturschutz gestellt. „1990 rief mich eine Dame vom Landkreis an und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, Insektenbeauftragter zu werden“, erinnert sich Krügener. Er ließ sich fortbilden.

Das war nicht sein erster Einsatz für den Naturschutz. Als Schornsteinfeger hat er früher im Bereich des Steinhuder Meeres Störche beringt. Jedes Jahr kletterte er auf Dächer und Horste – ohne Seil und doppelten Boden. „Ich wurde auch Klettermaxe genannt“, erinnert sich der 75-Jährige gerne an die Zeit. Seine Schützlinge sind kleiner geworden, und zum Glück muss er nicht mehr ganz so hoch hinaus. Gestochen worden sei er übrigens noch nie. Zu erreichen ist der Insektenbeauftragte unter Tel. 04241/3310.

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