Aufklärung der Umweltverschmutzung

Plötzlich sind zwei stinkende Lachen im Wald bei Kätingen – Polizei ermittelt weiter

Jens Blume von der GAR.
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Jens Blume von der GAR.

Ein Mitarbeiter, der Scheiße gebaut hat, eine stinkende Lache im Wald, ein Gewerbeaufsichtsamt (GAA), das den Fall nicht zu hoch hängt und ein Landrat, der sich nicht an ein Gespräch vom Vortag erinnert. Die Aufklärung einer Umweltverschmutzung in einem Waldstück bei Kätingen gestaltet sich zäh. Nun ist nicht mehr die Rede von einer stinkenden Lache, plötzlich sind es zwei. Das bestätigt Polizeipressesprecher Thomas Gissing.

Bassum – Vor Kurzem haben wir darüber berichtet, dass die Polizei die Ermittlungen abgeschlossen und die Akte an die Staatsanwaltschaft geschickt hat. Diese Aussage war verfrüht. Denn laut Gissing haben Polizei und Staatsanwaltschaft Rücksprache gehalten – was nicht unüblich sei. Martin Schanz, Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden, erklärt auf Nachfrage: Die Ermittlungen laufen weiter, „weil es sich um eine Straftat handeln könnte, aber auch, weil es Hinweise auf eine zweite Stelle gibt, an der es anderweitige Ausleitungen und Bodenverunreinigungen gegeben haben könnte“.

Die Besonderheit: Im ersten Fall ist der Verursacher klar, weil es eine Selbstanzeige gibt. Im zweiten Fall wird gegen Unbekannt ermittelt. Gissing: „Wir befragen nun alle, die dafür in Frage kommen könnten.“ Dazu gehört auch die GAR, der das Grundstück gehört. Betriebsleiter Jens Blume weiß nach eigener Aussage nichts von einer weiteren Verunreinigung.

Zweite Lache im Wald bereits bei erstem Ortstermin entdeckt

Zur Erinnerung: Blume hat zugegeben, dass ein Mitarbeiter „Scheiße“ gebaut habe. Wasser aus einem Löschteich ist im Wald gelandet – wir berichteten bereits ausführlich. Als die Bürgerinitiative für Landschaft- und Umweltschutz Nordwohlde-Fahrenhorst die Sauerei entdeckt hatte und die Polizei alarmierte, stellte die GAR Selbstanzeige. Deshalb ermitteln die Beamten in dem Fall ganz konkret gegen einen Beschuldigten.

Doch was ist mit der zweiten Stelle? Laut Gissing habe man diese bereits beim ersten Ortstermin entdeckt. „Die Ermittler wollten zu der Löschwasserstelle. Auf dem Weg dorthin standen sie plötzlich vor einer schwarzen Lache mit Schlick“, schildert Gissing. Rohre hätten dort nicht gelegen, aber es seien Spuren am Boden erkennbar gewesen.

Bernd Reese vom GAA.

Auch von der zweiten Stelle wurden Bodenproben genommen. Ob diese bereits ausgewertet worden seien, konnte Gissing nicht sagen. Er verwies an das Gewerbeaufsichtsamt. Dessen Leiter Bernd Reese bestätigt den zweiten Fund. Warum dieser bisher nicht hinreichend kommuniziert worden ist, darauf gibt es seitens des GAA keine Antwort.

Laut Reese sei die Entdeckung der zweiten Verschmutzung kein Zufall gewesen. Man habe mit Sachverständigen das Areal angeguckt. Beide Lachen liegen auseinander. Reese: „Die eine befindet sich in Höhe des Löschteiches I, die andere in Höhe des Löschteiches II.“ Eine sei etwa 50 Quadratmeter groß, die andere etwa 400 Quadratmeter. Wobei der GAA-Leiter nicht zuordnen könne, welche Stelle welche sei.

Cord Bockhop, Landrat.

Zu den Bodenproben sagt Reese: Die Ergebnisse ähneln sich. „Es liegt eine Belastung vor, aber es gibt keinen akuten Handlungsbedarf.“ Festgestellt worden seien erhöhte Aluminium-, Eisen- und PAK-Parameter (PAK steht für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe). Diese Werte haben die Prüfer auch im Teichwasser festgestellt. Laut Reese könnte es also eine Ableitung gegeben haben. Wobei er nicht zu sagen vermag, wie alt die Ablagerungen an der zweiten Stelle seien. An der Lache, die die Bürgerinitiative für Landschaft- und Umweltschutz angezeigt hatte, war Löschschaum sichtbar. Bei der zweiten nicht.

Werte übersteigen laut GAA Richtwert für Kinderspielplatz

Die Werte übersteigen laut GAA den Richtwert für einen Kinderspielplatz, aber es liege keine Gefährdung vor – auch nicht für das Grundwasser. „Und es besteht kein Sanierungsbedarf.“ Wobei die GAR ihre Bereitschaft signalisiert hat, den Boden austauschen zu wollen. Auch darüber haben wir berichtet. Ob diese Bereitschaft für beide Stellen gilt oder nur für eine, weiß Reese nicht.

Bereits nach der ersten Erkundung des Waldes hat es ein Gespräch zwischen Vertretern der GAR, des Landkreises und des GAA gegeben, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Die GAR bot an, den Boden abzutragen. „Dieser Aushub wird beprobt und je nach Analyse-Ergebnis als Abfall eingestuft und entsorgt. Die Entsorgung werden wir überprüfen“, so Reese. „Damit ist für uns der Fall gegessen.“ Alles Weitere sei Sache der Staatsanwaltschaft.

Kommentar von Frauke Albrecht: Hier wird völlig unnötig Glaubwürdigkeit verspielt

Das Verhalten und die Art der Kommunikation der Firma GAR, des Gewerbeaufsichtsamtes Hannover und des Landkreises Diepholz im Fall der Umweltverschmutzung in Kastendiek könnten nebulöser und intransparenter nicht sein. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich Behörden nicht verhalten sollten. Es sei denn, sie wollen das Vertrauen ihrer Bürger verlieren.

Statt offen zu kommunizieren, was wann genau vorgefallen ist, verstecken sich die Beteiligten hinter der Floskel: „Wir wollen der Ermittlung der Staatsanwaltschaft nicht vorgreifen.“

Das Ergebnis dieses Schweigens ist wachsendes Misstrauen – nicht nur bei der Bürgerinitiative für Landschaft- und Umweltschutz. Die sieht im Übrigen ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt, fordert seit Jahren eine stärkere Kontrolle der Firma durch den Landkreis und das GAA. Warum wurde nicht von vorneherein offen kommuniziert, dass es zwei Verschmutzungen im Wald gibt, die auseinander liegen?

Warum wurde verschwiegen, dass es bereits nach der ersten Ortsbegehung ein gemeinsames Gespräch zwischen GAR, Gewerbeaufsichtsamt und Landkreis gegeben hat, in dem das weitere Vorgehen besprochen worden ist? Laut Blume habe dieses an einem Dienstag stattgefunden. Einen Tag später behauptete der Leiter des GAA gegenüber dieser Zeitung, es gebe noch keinen Termin. Und Landrat Cord Bockhop wollte noch keine Kenntnis von den Untersuchungsergebnissen des Bodens haben. Wer sagt die Wahrheit, wer nicht? Hier wird völlig unnötig Glaubwürdigkeit verspielt.

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