470 Gäste beim Unternehmerforum

Junge Zukunftsmacher und ihre Herausforderungen

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Anne Dirksen und Lars Nordbruch widmeten sich beim Unternehmerforum Agrar in Bassum den Sorgen angehender Landwirtschaftsmeister – und versuchten sie mit Einfühlungsvermögen und Humor aufzulösen, sprich Lösungswege aufzuzeigen.

Bassum - Von Anke Seidel. Klima, Umweltschutz, Digitalisierung: „Es werden die jungen Leute sein, die diese Zukunftsthemen gestalten müssen“, erklärte Volksbank-Vorstand Carl-Ludwig Behrens gestern vor rund 470 Gästen des Unternehmerforums Agrar, das die Volksbanken und die Landwirtschaftskammer für die Landkreise Diepholz und Nienburg organisiert hatten.

Im Landesleistungszentrum des Nordwestdeutschen Schützenbundes in Bassum standen „Junge Zukunftsmacher im Fokus“, so der Titel des zehnten Forums dieser Art. Verschiedene Fachreferenten und Kenner der Branche beleuchteten dabei elementare Facetten.

Ganz bewusst ohne Konzept präsentierte sich Kreislandwirt Wilken Hartje: „Genauso wie die Politik in Niedersachsen in den vergangenen fünf Jahren war – genauso wie der Wetterbericht.“ Hartje hofft, „dass wir Bauern künftig nicht nur zuschauen, sondern mitgestalten dürfen“. Für den Strukturwandel in der Landwirtschaft gebe es viele Gründe – nicht nur die wachsende Leistungsfähigkeit der Landwirte, sondern auch politische Entscheidungen in Zeiten der Globalisierung. „Die Politik macht Schnellschüsse und fährt das landwirtschaftliche Auto manchmal gegen den Baum“, so Hartje. Dabei seien Landwirte für die Gesellschaft unverzichtbar: „Wir brauchen die Vielfalt in den Dörfern!“

„Deutschlands wertvollster Rohstoff ist nachwachsend, es sind die jungen Leute“, zitierte Henrich Meyer zu Vilsendorf als Leiter der Landschaftskammer-Bezirksstelle Nienburg und Moderator des Agrar-Forums den CDU-Politiker Jürgen Rüttgers.

„Wir müssen wissen, wo wir stehen“

Aber was konkret tun, damit es weitergeht in der Landwirtschaft? Auf diese Frage antwortete Stefan Teepker mit seinem eigenen Lebens- und Berufskonzept. Der 37-jährige Landwirtschaftsmeister aus Handrup im Emsland beschrieb mit eindrucksvollen Bildern, wie er – gemeinsam mit seinem Bruder – den elterlichen Hof zu einem zukunftsfähigen Betrieb aufgebaut hatte. Seinen Vater hatte der passionierte Landwirt im Alter von 14 Jahren verloren.

„Ich sehe eine große Chance für die Betriebe in der Kooperation“, stellte er fest. Maschinen und selbst Mitarbeiter in verschiedenen Betrieben zu nutzen, schaffe Effektivität. Der reale Blick auf die Lage und die Möglichkeiten sei genauso entscheidend: „Wir müssen wissen, wo wir stehen – und sollten uns vielleicht auch mal fragen: Was sollten wir nicht machen?“

Innovationstreiber Nummer eins sei auch in der Landwirtschaft die Digitalisierung – und von entscheidender Bedeutung die Öffentlichkeitsarbeit, der Dialog mit den Verbrauchern. Teepker stellte kurz seinen „gläsernen Stall“ vor, in dem Besucher jederzeit die Hähnchen des Hofes beobachten können. „Wenn jeder jeden Tag gucken kann, dann brauche ich nicht mehr darüber zu diskutieren, ob ich was zu verstecken habe“, so Teepker.

Vierstündiges Programm

An Nachwuchs, so lautete gestern eine Feststellung, mangelt es der Branche nicht. Aber auch wenn die Unternehmensnachfolge in vielen Fällen gesichert ist: Passen die Erwartungen der angehenden Landwirtschaftsmeister zu den Vorstellungen ihrer Eltern? Dieses Spannungsfeld beleuchteten Lars Nordbruch als Landwirt und Vorsitzender des Landvolk-Verbands Mittelweser sowie Anne Dirksen als Leiterin der sozio-ökonomischen Beratung der Landwirtschaftskammer. Befürchtungen und Ängste der Hofnachfolger versuchten sie, mit viel Einfühlungsvermögen und Humor aufzulösen. „Betriebe brauchen Wachstum – dazu gehören ,gesunde’ Schulden“, so eine Feststellung von Nordbruch, während Anne Dirksen immer wieder für den Dialog zwischen den Generationen warb: „Reden ist Gold.“

Eingeladen hatten die Gastgeber genauso den Berliner Agrarjournalisten und Kommunikationsberater Dietrich Holler, der sich als kritischer Beobachter der Digitalisierung in der Landwirtschaft einen Namen gemacht hat – weil deren Instrumente auch dazu führen könnten, die gesamte Landwirtschaft zu kontrollieren und zu steuern.

Ebenfalls Teil des vierstündigen Programms: Die Betrachtungen der Göttinger Professorin Antje-Britta Mörstedt über die so genannte Generation Z – junge Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren sowie mit den digitalen Netzwerken aufgewachsen sind.

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