Julian Michael Deuster aus Bassum spielt in verschiedenen ausländischen Serien mit

Vom Opernsänger zum Serien-Bösewicht

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Julian Michael Deuster im Gespräch mit dieser Zeitung.

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Ich musste erst mal aufhören, mich ständig zu bedanken.“ Julian Michael Deuster muss immer noch über sich selbst lachen, wenn er ein paar Monate zurückdenkt. Er stand bei Regisseur Guy Ritchie in der Serie Codename U.N.C.L.E vor der Kamera. Der Bassumer hatte zwar nur eine kleine Sprechrolle, wurde am Set aber behandelt wie ein Großer.

„Da werden die Türen aufgehalten, überall sind Helfer, die an einem herumzupfen. Ich dachte zuerst: ,Wow‘. Aber die wollen einfach nicht, dass das Kostüm dreckig wird.“ Deuster lacht. „Für mich war das alles neu. Ich musste mich daran gewöhnen.“

In einem 60-Millionen-Dollar-Streifen mitzuspielen, sei wahnsinnig spannend gewesen. „Ich bin zwar nur eine Minute zu sehen, aber ich hatte vier Drehtage“, erinnert sich der Bassumer. Am Set seien alle supernett gewesen. „Vor allem die Stars sind sehr freundlich. In einer Pause saß ich neben Hugh Grant, und wir haben uns unterhalten.“

Die kleine Rolle reichte aus, um Julian Michael Deuster zu infizieren. Er wollte weitere Filme drehen – und erhielt die Chance dazu. 2014 spielte er eine Mini-Rolle in der BBC-Reihe „Our World War“. Zuletzt war er bei „X Company“ (2015) zu sehen. Die Serie erzählt die Geschichte von jungen kanadischen, amerikanischen und britischen Menschen, die im Zweiten Weltkrieg aus ihrem Alltag gerissen und in einer geheimen Anlage zu Geheimagenten ausgebildet werden.

Ursprünglich war der Bassumer darin nur für eine ganz kleine Rolle vorgesehen, doch sein Vorsprechen kam so gut an, dass man seinen Part ausbaute. „Ich spiele Viktor Forst, er ist der Handlanger des Bösen. Ich musste zwar in der zweiten Staffel sterben, aber das Feedback auf die Rolle war gut“, freut sich der 33-Jährige. Er hofft nun auf weitere Angebote.

Die Serie läuft in Kanada, Japan und wurde nach Frankreich und in die südamerikanischen Länder verkauft. „Durch diese Rollen habe ich nun vernünftiges Demo-Material, um mich zu bewerben“, erklärt er. Seine Agentin sitzt in London. „Das ist von Bremen aus mit dem Flugzeug gut zu erreichen.“

Der Hauptgrund, warum er sich in London beworben hatte, war, dass dort die Kunstformen nicht so strikt voneinander getrennt würden. „In Deutschland wird schnell in Kategorien gedacht: einmal Musical, immer Musical – einmal Oper, immer Oper.“

Deuster begann seine Laufbahn als Sänger, hatte aber durchaus auch Lust auf Schauspiel. Deshalb wählte er eine Agentur im Ausland. „Ursprünglich habe ich Operngesang studiert“, erzählt er. Unter anderem in Karlsruhe und Essen, erst Bariton, doch Tenor lag ihm mehr. Damit erfüllte sich der Bassumer seinen Jugendtraum. „Ich war ein großer Musical-Fan“, erzählt er. Als er dann Peter Hofmann ihn Hamburg als Phantom der Oper gesehen hatte, stand für ihn fest: Das will ich machen und nichts anderes.

Er nahm Gesangsunterricht und begann das Studium. Später stand er auf verschiedenen Bühnen – spielte vom Weißen Rössl bis Orpheus die unterschiedlichsten Rollen. „Ich habe aber gemerkt, dass der schauspielerische Aspekt mir auch sehr viel Spaß macht.“ Die Oper habe er mittlerweile abgehakt. Musical-Rollen übernehme er immer noch gerne. „Aber am liebsten würde ich mich auf den Film fokussieren“, hat der 33-Jährige sein Ziel fest im Auge. Die Arbeit vor der Kamera sei spannend, „eine ganz andere Welt“.

Julian Michael Deuster hat keine klassische Schauspielausbildung. „Ich habe einige Kurse besucht, auch in Los Angeles. Aber ich glaube, ich habe einfach Talent“, sagt Deuster selbstbewusst. Im normalen Leben ist er eher zurückhaltend, doch sobald die Kamera läuft, vergisst er seine Scheu.

Deuster steht nicht nur gerne vor der Kamera, er ist auch sonst ein Filmnarr. Von seiner ersten größeren Gage kaufte er sich ein Heimkino. „Die aktuellen Serien sind oft viel hochwertiger als Spielfilme“, sagt er. Derzeitige Lieblingsserie: American Horror Story. „,The Comeback‘ ist auch gut“, sagt er.

Wenn er kein Engagement hat, entspannt Deuster in Bassum. „Ich bin hier aufgewachsen und lebe gerne hier. Ich bin nicht so der Party-Typ. Ich mag es gerne ruhiger, gehe zur Entspannung auch schon mal drei Stunden spazieren.“

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