Kommunalwahl in Bassum

Jonathan Kolschen (SPD) will Akzente beim Klimaschutz setzen

Jonathan Kolschen steht neben einem Standbanner der SPD Bassum.
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Geschichtsbewusst und sozialpolitisch engagiert: der Student Jonathan Kolschen.

Mit seinen 25 Jahren kann der Bassumer Student Jonathan Kolschen schon auf elf Jahre in der SPD und fünf im Stadtrat zurückblicken. Hinzu kommen Ehrenämter wie der Awo-Kreisvorsitz.

Bassum – Rund vier Wochen sind es noch bis zur Kommunalwahl, der dichter werdende Schilderwald kündigt es an. Bei der SPD wird sich auf den Plakaten neben bekannteren Gesichtern auch das von Jonathan Kolschen finden. Der ist zwar erst 25 Jahre alt, kann aber auch schon auf mehr als ein Jahrzehnt Parteimitgliedschaft und fünf Jahre Ratspolitik zurückblicken.

Kolschen, der auch für den Kreistag kandidiert, tritt in Bassum auf dem vierten Listenplatz an, wie vor fünf Jahren. Da war die SPD auf 20,4 Prozent und sechs Sitze gekommen. Mit 20 Jahren ist Kolschen in den Stadtrat eingezogen, saß in drei Ausschüssen.

Dazu ist er im Bassumer SPD-Vorstand vertreten. In der Diepholzer Europa-Union ist er Beisitzer. Bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Bassum und im Kreis ist er der Vorsitzende. Den Kreisvorsitz bei den Jusos, der SPD-Jugendorganisation, hat er dafür 2018 abgegeben.

Bei der Frage, ob neben den ganzen Ehrenämtern noch Zeit für Hobbys bleibe, muss Jonathan Kolschen schmunzeln: „Es sind ja Hobbys!“ Im Hauptberuf ist der Ratspolitiker und Ehrenamtler schließlich Student. Medizin hat er vor drei Jahren aufgeben. Statistik und wissenschaftliches Arbeiten waren ihm zu kurz gekommen, genau wie Gesundheitsökonomie und Betriebswirtschaft.

Im breiter angelegten Studiengang Gesundheitswissenschaften an der Bremer Uni ist er dafür jetzt „absolut zufrieden“, erzählt Kolschen. Dort steht er kurz vor dem Bachelor-Abschluss. Im anschließenden Master-Studium will er sich auf Gesundheitsmanagement und -ökonomie spezialisieren, hinterher vielleicht seinen Doktor machen – und damit Sozialpolitiker werden? „Das könnte ich mir grundsätzlich vorstellen, ist aber nichts, was ich anstrebe“, sagt Kolschen. Und: „Ich möchte schon auch etwas anderes gemacht haben als mein ganzes Leben nur Politik.“

Zunächst wären da die Wahlen im September. Kolschen rechnet trotz guter Listenplätze nicht fest damit, dass er in Kreistag und Stadtrat einziehen wird. Das hängt einmal davon ab, wie die Wähler die direkten Stimmen verteilen. Aber eben auch vom Abschneiden seiner Partei.

Für die Vergangenheit hat Kolschen beim Bassumer SPD-Ergebnis „eine ganz grobe Tendenz“ ausgemacht – die sich diesmal, so hofft er, nicht bestätigt: „Bundestrend minus fünf Prozent“.

Bei der Geschichte der SPD und der Kommunalwahlen in Bassum ist Kolschen in seinem Element. Als regelmäßiger Gast im Stadtarchiv hatte der Bassumer die Wahlen im Ort bis ins Jahr 1919 zurückverfolgt – und dazu entsprechende Wikipedia-Einträge erstellt. Aus alten Zeitungsartikeln weiß er, dass 1924 in Bassum zum ersten Mal eine SPD-Liste angetreten ist. Demnächst steht also ein hundertjähriges Jubiläum an.

Mit 14 Jahren ist Kolschen in die SPD eingetreten. „Ich habe so ein bisschen ein SPD-Gen in der Familie“, sagt er. Onkel und Großvater, aber auch entferntere Verwandte waren in der SPD.

Leider habe die SPD in der Kommunalpolitik ähnliche Probleme wie im Bund: Gute Arbeit werde zu wenig wahrgenommen. Der Feuerwehr-Bedarfsplan zum Beispiel, eigentlich eine Idee der SPD. Und jetzt würden den Plan die für sich in Anspruch nehmen, die ihn am Anfang am wenigsten wollten. Oder das Naturbad: Ein Bassumer Alleinstellungsmerkmal, das zuerst seine Fraktion eingebracht habe. Darauf angesprochen, welche Schwerpunkte ihm im kommenden Stadtrat wichtig wären, antwortet Kolschen: „Auf jeden Fall das Thema Klimawandel.“ Er glaubt, dass die Stadt da eine aktivere Rolle einnehmen muss. Und dass sie dafür die Idee „Geest-Energie“ wieder aufnehmen sollte, also für eigene Stadtwerke, die zusammen mit Nachbarkommunen betrieben werden.

Auch müsse der Rat dafür sorgen, „dass Bassum eine altersgerechte Stadt bleibt“. Bassum könnte zum Beispiel – ähnlich wie Stuhr – eine Sozialstation betreiben. Durch Ausstattung mit E-Mobilität könnte man das auch mit dem Thema Klima verbinden und beim Umweltmanagement Akzente setzen.

Und Jugendpolitik? Interessiert den 25-Jährigen schon. Aber: „Was mich da umtreibt, lässt sich nicht unbedingt kommunalpolitisch umsetzen“: Die Senkung des Wahlalters bei Landtags- und Bundestagswahlen, Schul- und Hochschulpolitik etwa.

Ob er Bassum als Wohnort und damit stadtpolitisch langfristig erhalten bleiben will, ist für Kolschen noch nicht entschieden. Im großen Haus seines Vaters wird gerade der Dachboden als Wohnung für ihn ausgebaut. „Erst mal möchte ich meinen Master machen“, sagt er. Über seine Freundin, die angehende Ärztin im praktischen Jahr ist, und sich sagt er: „Wir werden gucken, wo es uns hinführt.“

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