Jeder Neunte hungert

Herbstfrühstück der Land-Frauen thematisiert Hunger auf der Welt

Uwe Becker mit Elke Steding (l.) und Gisela Buschmann. - Foto: bbk

Bramstedt - Von Berthold Kollschen. Zum Herbstfrühstück hatten sich die Land-Frauen Freudenberg-Bassum mit Uwe Becker vom Diakonischen Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen einen Mann eingeladen, der kompetent über die Diskrepanz von Hunger und Überfluss in der Welt berichtete. Mehr als 40 Frauen lauschten gespannt am Sonnabend auf dem Hof von Elke Steding.

Nachdem Gisela Buschmann als eine der beiden Vorsitzenden alle begrüßt hatte, gab Elke Steding einen kleinen Überblick über die Größe ihres Betriebes, über das Team und über die Bioland-Ideologie. Sie wies auch auf ihren Hofladen und auf die Marktpräsenz hin. Konventionelle Landwirtschaft in kleinem Rahmen habe heute keinerlei Überlebenschancen mehr, so Steding. Man könne gegen die großen, industriell betriebenen Landwirtschaften nicht bestehen. Deswegen habe man in ihren Größenordnungen nur noch mit der biologisch-ökologisch betriebenen Landwirtschaft die Möglichkeit, am Markt zu bestehen.

Ausreichend Nahrungsmittel sind vorhanden, werden aber weggeschmissen

„Das es Hunger gibt, ist eine große Schweinerei“ schimpfte Uwe Becker. Sein Vortrag war mit „Hunger paradox“ überschrieben. Die Zahl der Tafelkunden nehme stetig zu, die Artenvielfalt hingegen dramatisch ab. „Ein Drittel aller Lebensmittel werden weggekippt, das sind 80 Kilo pro Nase in Deutschland“, betonte Becker und bezeichnete die derzeitige Situation als einen nicht hinzunehmenden Skandal.

„Jeder neunte Mensch muss heute Hunger leiden, alle zehn Sekunden stirbt ein Kind an Hunger oder Unterernährung, das sind 8 500 Kinder täglich“, schilderte Becker. Das müsse nicht sein, zumal die Prognose des Weltgetreiderates für die Ernte 2017/2018 mit mehr als zwei Milliarden Tonnen ausreichend für die gesamte Menschheit ausfalle. Bei 7,536 Milliarden Menschen wären das rein rechnerisch 750 Gramm pro Person täglich ausreichend.

Fokus auf Kleinbauern

Wie lässt sich der Hunger in der Welt beenden? Becker: Zunächst müsse man die Kleinbauern in den Mittelpunkt stellen, die allein in den Entwicklungsländern rund 70 Prozent der Nahrungsmittel erzeugen. Sie würden viel weniger fossile Energien benötigen, nutzen vielfältige Saaten und Rassen, erhöhen durch Nachhaltigkeit die Widerstandsfähigkeit und erhalten Ökosysteme.

Die Politik müsse bäuerliche Strukturen gezielt fördern, die ökologischen Vorteile der bäuerlichen Landwirtschaft nutzen und stärken, mehr Einkommen im ländlichen Raum schaffen, die Rechte von Kleinbauern stärken, besonders bezüglich der Landrechte und des Umgangs mit Saatgut und für ein höheres und langfristiges Engagement für Hungerbekämpfung vereinbaren.

Als Referatsleiter „Brot für die Welt/Katastrophenhilfe“ berichtete Becker, dass jährlich etwa 50 Millionen Euro an Spenden zusammenkommen für Projekte in der ganzen Welt. Da die Verwaltungskosten bei „Brot für die Welt“ recht gering seien, komme den Menschen fast der gesamte Betrag zugute.

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