Jeden Freitag besuchen Dutzende Bassumer die Bürgerstuben

„Kempe ist Kult“

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Das Team von Kempe (v.l.): Ela, Gerhard, Monika, Bernd und Max Leon.

Bassum - Von Ute Schiermeyer. „Wir starten das Wochenende.“ Unter diesem Motto schließen Bernd und Ehefrau Ela Kempe jeden Freitag um 19 Uhr ihre Kneipe auf. Während Gastwirte andernorts über Besuchermangel klagen, kann sich das Ehepaar vor Gästen kaum retten. Die ersten warten manchmal schon vor der Tür. Spätestens um 20 Uhr ist die Bude voll. Und dann gehts rund für Kempe: Bier zapfen, Schaschliks braten, Mixies mischen, bedienen.

Vom Stress lässt sich der Hobby-Gastronom nicht aus der Ruhe bringen. Jeder wird persönlich begrüßt: „Schön, dass Du da bist!“ Ein „Sie“ gibt es nicht.

Der Laden wirkt auf Anhieb gemütlich. Vielleicht liegts am Charme der 70er-Jahre. Eichenstühle, schmiedeeiserne Lampen, der Tresen, alles stammt aus der Zeit von Kempes Vater Hans-Jürgen.

Die Wände hat er allerdings in dunklen Rottönen gestrichen, zur Dekoration wurde altes Vinyl recycelt und an die Wände gepinnt. Die Beleuchtung ist gedämmt. „Wir haben nicht viel geändert, jedenfalls nicht sichtbar“, erzählt der Wirt.

Aus dem ehemaligen Clubzimmer ist ein Raucherzimmer geworden. Und es gibt zwei neue Notausgänge. Vielleicht ist es das Flair der alten Zeit, das jeden Freitag die Menschen aus Bassum und Umgebung dorthin kommen lässt. Viele von ihnen waren in ihrer Jugend schon dort. „In den 70er- und 80er-Jahren war der Laden total angesagt. Hier trafen sich Taubenzüchter, Siedlerverein, Handballer“, erinnert sich Kempe. Und Schüler aus der nahe gelegenen Schule kamen in Freistunden zum Kickern, Flippern oder zum Schaschlikessen.

Die ungezwungene Stimmung lockt auch heute ein breites Publikum an. Am Tisch neben dem Eingang hat es sich eine Nachbarschaft bequem gemacht, alle so um die 60 Jahre.

Dagegen am langen Tisch hinten eine Horde 20-Jähriger, die eifrig Mix-Getränke bestellt. Bernd Kempe steht am Tresen und zapft Bier. Das geht erst mal an den kleineren Tisch mit einer Frauenclique. Das bunt gemischte Publikum ist es, das Kempe so viel Spaß am Wirt sein bereitet. „Wir haben alle Altersgruppen, alle Gesellschaftsschichten. Von der Tennis-Omi bis zum Biker.“ Und da erlebe man schöne Dinge. Kempe: „Neulich hatten wir einen Tisch mit acht Rentnern. Irgendwann fingen sie an, Volkslieder zu trällern. Am Tisch daneben saßen 16-Jährige, die sagten: ,Das ist ja cool‘!“

Es ist Happy-Hour, da läuft erst mal Bier am besten. Aber auch Schaschliks sind gefragt. Ela Kempe kommt mit mehreren Fleischspießen aus der Küche. Sie ist zu dieser Zeit in der Küche eingespannt. Für sie beginnt der Kneipenabend bereits am Donnerstag. Dann bereitet sie Dutzende Schaschliks zu.

„Wir haben das alte Schaschlik mit in die neue Zeit genommen“, erzählt Kempe. Das Rezept stamme noch von seiner Oma. „Ela macht die Schaschliks zu 100 Prozent selbst. Alles frisch geschnitten, aufgespießt und mit der selbstgemachten Würzmischung eingelegt.“

Wie viele Schaschliks Kempes jeden Freitag verkaufen, wollen sie nicht verraten. Nur so viel: „Wer unbedingt eine Portion haben möchte und mit einer größeren Gruppe kommt, sollte besser vorbestellen. Dazu gibt es selbstgemachten Kartoffelsalat oder Kartoffelecken.

Der Laden füllt sich zunehmend. Um 22 Uhr sind alle Tische besetzt und auch an der Theke ist es voll. Pia, Anfang 20. kommt mit ein paar Freunden und stellt fest: „Heute ist ja noch nicht viel los. Sonst, wenn wir kommen, ist es viel voller.“

Fragt man die Gäste, was ihnen an den Bürgenstuben gefällt, sagen sie: ; „Hier trifft sich Bassum“; „Man kann zu humanen Preisen ein Bier trinken, es ist ungezwungen.“ Ebenso oft hört man: „Die Schaschliks sind legendär.“

Gegen 23 Uhr ist es voll, aber voller geht immer. Manchmal stünden die Leute in Zweier- oder Dreierreihen an der Theke, berichtet Bernd Kempe. Zu Stoßzeiten hat das Ehepaar so viel zu tun, dass außer Sohn Max Leon auch noch die 450-Euro-Kräfte Gerhard und Monika einspringen müssen.

Nebenan, im einstigen Clubzimmer darf geraucht werden, Dort gibt es Dart, Billard und Tischkicker. „Alles kostenlos“, betont Bernd Kempe.

Die Idee, die Kneipe des Vaters wieder zu öffnen, ist aus der Not heraus geboren. Nach dem Tod des Vaters 2010 stand die Lokalität erst einmal leer. Kempe stellte sich die Frage: Was machen wir damit? Verkaufen? Ela hatte die Idee, die Kneipe wieder zu beleben und ihr Mann sagte leichtsinnig: „Ja, dann helf' ich Dir.“

Im September 2012 öffneten sie den Laden. Auch wenn es am Anfang „so nebenbei“ lief, brauchten sie doch ziemlich schnell Unterstützung. „Wir haben die Kneipe aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Mit diesem Zuspruch haben wir nicht gerechnet.“

Auf die Frage, ob ihm die Arbeit Spaß macht, antwortet Bernd Kempe: „Ja, tierisch.“

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