„Ein Jahrhundertbauwerk“

Nicht alle Hoffnungen erfüllt: Ortsumgehung Bassum seit 25 Jahren in Betrieb

Freigabe der Umgehungsstraße im Süden vor 25 Jahren.

Bassum - Vor 25 Jahren wurde die Bassumer Ortsumgehung eingeweiht. „Drei Jahre Bauzeit für ein Jahrhundertbauwerk. Das ist Rekordzeit“, erinnert sich Michael Junge, früherer Amtsleiter der Stadt Bassum und heutiger Leiter des Stadtarchivs. Die Baukosten beliefen sich auf 75 Millionen Mark.

Viele Hoffnungen waren an die Verbindung geknüpft. Nicht nur die, den Verkehr aus der Innenstadt zu holen. Der damalige Redakteur der Kreiszeitung, Axel Sonntag, schrieb in einem Kommentar: „Dadurch ergeben sich gerade für die Innenstadt viele Möglichkeiten der Gestaltung. Ein Anfang ist mit der Sulinger Straße gemacht, doch hier gibt es noch viel zu tun, insbesondere vonseiten der Geschäftsleute. Die optische Präsentation einiger Häuser lässt noch zu wünschen übrig.“ 

Daran hat sich bis heute leider nur sehr wenig geändert. Eine zweite Chance sollte sich für die Bremer Straße ergeben, die ein Jahr später zurückgebaut wurde. Sonntag hoffte damals auf die Schaffung eines Marktplatzes. Auch daraus wurde nichts. Immerhin gelang der Rückbau der vierspurigen Rennstrecke.

Vor der Ortsumgehung: Bassum ein einziger Stau

Damals war die Bremer Straße die meist befahrene Straße der Stadt. „16.000 Fahrzeuge schoben sich täglich hindurch“, erinnert sich Junge. Ganz Bassum sei ein einziger Stau gewesen – vor allem wegen der Bahnschranken. Eine Katastrophe auch für die Rettungsfahrzeuge. Für besondere Notfälle gab es eine Nummer in Hannover. Die Mitarbeiter dort entschieden, ob ein Zug aufgehalten werden sollte.

Zu Fuß erwanderten die Bassumer die neue Straße.

Die Freigabe der Umgehungsstraße setzte vor 25 Jahren einen Schlusspunkt unter eine Vorgeschichte, die sich Jahrzehnte hinzog. „Als ich 1977 ins Bauamt wechselte, stieg ich im Grunde in die laufende Planung ein“, erinnert sich Junge.

Bassumer Kampf für eine Ortsumgehung

Die Diskussion fing damit an, dass die Bahndirektion acht Bundesbahnübergänge im Stadtgebiet aufheben wollte. Ziel war es, eine Schnellstrecke zu errichten. 1978 hieß es, dass das Straßenbauamt Nienburg einen Vorentwurf für eine Umgehungsstraße in Auftrag gegeben habe. Doch das Projekt verzögerte sich – Jahr für Jahr. Mehrmals fuhr der damalige Stadtdirektor Wilhelm Krüger nach Bonn, um im Bundesverkehrsministerium vorzusprechen. 1980 war der Bund plötzlich bereit, eine Ortsumgehung in Bassum zu bauen. Die Fachbehörden sprachen sich für einen Tunnel am Bahnhof aus. „Es gab auch Überlegungen, eine Überführung zu bauen – die Bassumer Mauer“, erinnert sich Junge. Diese Idee wurde verworfen.

1981 teilte das Straßenbauamt Nienburg mit, dass die Ortsumgehung im Bauprogramm 1981 bis 1990 nicht enthalten ist. Die Bassumer wurden aber nicht müde, weiter an der Umsetzung zu arbeiten. Sie sammelten Argumente. 1982 gab es eine Verkehrszählung am Bahnübergang Bahnhofstraße mit dem Ergebnis: Rund 160 Fahrzeuge und rund 52 Radfahrer und Fußgänger nutzten pro Stunde den Übergang. „Von 60 Minuten sind die Schranken 30 Minuten geschlossen“, schrieb die Kreiszeitung damals.

Blick von oben: Durch die Ortsumgehung erhielt das Gewerbegebiet eine direkte Erschließung.

1984 fuhr Krüger persönlich nach Bonn und kam mit der Nachricht zurück: „Für 1985 sind Mittel bereitgestellt, man steht in den Startlöchern.“ Noch im September fasste der Rat den Aufstellungsbeschluss zur ersten Änderung des F-Plans.

Erster Spatenstich im Jahr 1991

In den darauffolgenden Jahren gab es Vermessungsarbeiten, Bodenaufschlussarbeiten, weitere Verkehrszählungen, Planungen und Erörterungen. Dann endlich folgte am 23. August 1991 um 11 Uhr der erste Spatenstich im Bereich Nienhaus. Am 17. November war Einweihung.

Mit einem großen Volksfest feierten die Bassumer die Fertigstellung. Es gab einen sieben Meter langen Stollen, eine Münze aus Silber und eine aus Zink, Oldtimer zum Staunen, Kutschfahrten sowie eine Feierstunde. Dazu fanden sich 250 Bürger ein, die auf einer Brücke Spalier standen.

Ein einziger Stau: Die Sulinger Straße vor der Ortsumgehung.

Ein derart großes Volksfest wird es zum Jahrestag nicht geben, wohl aber hat Junge für heute eine kleine Feierstunde für Insider organisiert. 18 „Schalträger“ begeben sich auf eine ganz besondere Bustour.

100 Eichen als Ersatzpflanzung gedeihen prächtig

Junge erklärt: „Alle am Bau beteiligten Mitarbeiter erhielten damals einen Schal mit der Aufschrift Umgehungsstraße. Von den 20 Schalträgern haben sich 18 angemeldet.“ Sie fahren die 7,2 Kilometer lange Strecke ab, lassen Erinnerungen aufleben.

Dass die Fahrbahn keine 20 Jahre nach dem Bau bereits ausgebessert werden musste, hätte sich keiner der Verantwortlichen träumen lassen. Man ging damals von einer wesentlich langlebigeren Haltbarkeit aus – 70 Jahre bestimmt, hieß es. Das soll der Stimmung heute aber keinen Abbruch tun.

Mit dem Bau einherging eine Ersatzpflanzung. „Wir wollten zur Eröffnung etwas Nachhaltiges präsentieren“, erinnert sich Junge. Und so pflanzten die Verantwortlichen 100 Eichen. Diese gedeihen prächtig.

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