Jahrestag ohne Feier

Bassumer DRK-Ortsverband richtet seit 60 Jahren Blutspenden aus

Bassumer bei der Blutspende.
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Diese vier Bassumer tun Gutes. Sie gehören zu den insgesamt 200 Menschen, die zur Jahrestags-Spende des DRK Bassum kamen.

Blutspenden sind heute wichtiger denn je. Neue Verfahren in der Medizin und immer mehr Menschen benötigen auch immer mehr Blut, doch die Spendenbereitschaft sinkt. Der Bassumer Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes blickt nun auf 60 Jahre Blutspende-Tätigkeit.

Bassum – Wir schreiben das Jahr 1961. Der Bau der Berliner Mauer beginnt, Juri Gagarin fliegt als erster Mensch in den Weltraum und John F. Kennedy wird als US-Präsident vereidigt. Aber nicht nur auf weltpolitischer Ebene tut sich einiges, denn in Bassum lädt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) zum ersten Mal zu einer Blutspende-Aktion ein.

Das alles ist nun 60 Jahre her. Die Berliner Mauer ist längst gefallen, der Mensch hat den Weltraum erobert und Kennedy ist kein Präsident mehr. Die Bassumer Blutspende hingegen, die gibt es nach wie vor. Ihren runden Jahrestag feiert sie in diesem Jahr allerdings nicht. Der Grund ist naheliegend.

„Corona“, seufzt Tobias Diephaus. Der Bereitschaftsleiter des Bassumer DRK erklärt, dass noch immer keine vollständige Normalität in den Blutspende-Alltag Einzug gehalten hat. Vor Corona war es noch möglich, im Anschluss an seine Spende bei einem kleinen Imbiss gemeinsam zu verweilen. Jetzt bekommt jeder Spender lediglich ein Lunchpaket als Dankeschön und zur Stärkung mit auf den Weg. Darin enthalten sind Sandwiches, Wasser, ein Apfel, eine Snack-Salami – und zum Jahrestag eine Tafel Schokolade.

Dabei liegt die eigentliche Feierstunde schon einen Monat zurück, denn erstmals lud der DRK-Ortsverband am 28. September 1961 ein, Gutes zu tun. „Damals noch in der Grundschule Mittelstraße“, erinnert sich Günther Brockmann. Der ehemalige Bereitschaftsleiter ist seit 1982 im Ehrenamt aktiv und hat somit unzählige Blutspenden betreut. Zudem ist er im Besitz der schon damals akribisch geführten Buchhaltung. Und die zeigt vor allem eines: „Die Spendenbereitschaft sinkt.“

Diese Behauptung untermauert Günther Brockmann mit Zahlen: „Bis Ende 1981 waren es 51 Termine, zu denen insgesamt 7 700 Spender kamen.“ Das macht im Schnitt etwa 150 Spender pro Termin. Heute hingegen sei man beim Bassumer DRK froh, wenn die Zahl der Freiwilligen die Hunderter-Marke knackt.

Das sei, so Tobias Diep-haus, beunruhigend, da entgegen der sinkenden Spenderzahlen der Bedarf an gespendetem Blut steigt: „Durch die moderne Technik wird immer mehr Blut benötigt.“ Am Montag kamen über den Abend verteilt insgesamt 92 Spender. Den Folgetag der zweitägigen Aktion besuchten 108 Spender. Unter den Teilnehmern waren auch insgesamt sechs Menschen, die zum ersten Mal ihr Blut für die hergaben, die es dringender benötigen als sie selbst.

Für manche war es somit eine Premiere, für andere ist es bereits Routine: Gerhard Stubbe erhielt am Dienstagabend eine besondere Ehrung für seine 125. Blutspende – eine beeindruckende Zahl, die Stansilaw Dziedzic wahrscheinlich nicht mehr erreichen wird. Die mittlerweile über 50 Spenden, die der 68-Jährige bereits geleistet hat, dürften dennoch genügend Menschen geholfen haben. „Und in Polen waren es bestimmt noch mal 20 Spenden“, überlegt er kurz. Er selber war Rettungssanitäter unter Tage, und „wusste daher, wie sehr Blut benötigt wird.“

Vier Jahre noch darf Stanislaw Dziedzic aktiv sein Blut spenden, ab dann greift die Altersgrenze von 72 Jahren. „Aber dann habe ich schon einigen geholfen“, stellt er fest. Als Dankeschön für seinen Einsatz drückt auch ihm Tobias Diephaus persönlich ein Lunchpaket in die Hand.

Günther Brockmann schwelgt währenddessen in Erinnerungen. So habe das DRK, nachdem es die Schule Mittelstraße zwischenzeitlich verlassen hatte und in die Schule am Richteweg zog, mittlerweile seinen Platz in der OBS gefunden. „In der Mittelstraße mussten wir das in den Klassenräumen machen“, sagt er. Zudem habe eine Spende früher länger gedauert, da der Andrang größer war und man noch nicht, im Gegensatz zu heute, per App verbindliche Termine reservieren konnte. „Aber ich freue mich auch über jeden, der so kommt“, sagt er.

Mittlerweile kamen in den 60 Jahren ganze 44 256 Spenden zusammen. Das DRK Bassum hofft, im kommenden Jahr dann eine kleine Feier zur 45 000. Spende abhalten zu können. „Als Ersatz für die ausfallende Jahrestags-Feier“, erklärt Tobias Diephaus. „Auch das Küchenpersonal drängt mittlerweile wieder darauf, bald wieder Brötchen schmieren zu dürfen“, sagt er lachend. Motivation ist also nicht nur bei den Spendern vorhanden, sondern auch bei den Ehrenamtlichen. Auch Günther Brockmann wollte kürzertreten, doch der 75-Jährige springt gerne ein, wenn noch weitere Hilfe benötigt wird.

Und für die kommenden 60 Jahre hat Tobias Diephaus auch ein paar konkrete Wünsche: „Dass wir wieder das Gemütliche der Vor-Corona-Zeit kriegen – und dass die Zahlen an einem Spendentag mal wieder stabil bei mehr als 120 liegen.“

Persönlich überreicht DRK-Bereitschaftsleiter Tobias Diephaus (r.) das Lunchpaket an den fleißigen Spender Stansilaw Dziedzic. Auch Günther Brockmann bedankt sich

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