Elke und Hannes Bak hören auf

Gasthaus Haake: Zum Jahresende ist Schluss

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Elke und Hannes Bak wollen in ein paar Monaten ihren Ruhestand genießen. -

Bassum - Von Frauke Albrecht. Wieviele Kippen dürfen höchstens in einem Aschenbecher sein? „Logisch. Gar keine!“, sagt Hannes Bak. Der Bassumer Gastwirt saß lange Zeit im Prüfungsausschuss der Barkeeper-Union und hat diese Frage gerne gestellt. Er hat den Beruf von der Pike auf gelernt – ist mit Leib und Seele Gastgeber. Nun hören er und seine Frau Elke auf. Das Gasthaus Haake schließt zum Jahresende. Und der Abschied fällt dem Paar nicht gerade leicht. Aber irgendwann muss Schluss sein.

„Ich bin jetzt 65 Jahre alt, meine Frau ist 63. Wir haben ein Alter erreicht, in dem man aufhören sollte“, erklärt der Gastwirt im Gespräch.

Lange haben sie einen Nachfolger gesucht – vergeblich. Das Haus mit Saalbetrieb sei den meisten zu groß. Die Immobilie steht zum Verkauf. „Wir würden nächstes Jahr auch noch hier sitzen und weitermachen. Also haben wir uns einen Termin gesetzt.“

Beide arbeiten seit ihrem 15. Lebensjahr in der Gastronomie – ohne Pause. Bereut haben sie keinen Tag. Mit dem Wissen von heute würden sie einiges anders machen. „Vielleicht auch Übernachtungen anbieten. Aber wir sind nicht unzufrieden mit dem, was wir gemacht haben“, sagt Bak.

Nicht missen möchte das Paar die vielen schönen Erlebnisse mit den Menschen vor Ort. Wobei Hannes Bak allerdings etwas Zeit brauchte, um mit den Bassumern warm zu werden.

Er kam aus der gehobenen Gastronomie in die Lindenstadt, um zusammen mit seiner Frau die Familiengaststätte weiterzuführen. Die Bassumer hielten ihn deswegen für einen Snob. Das hier übliche Du war ungewohnt, und auch an das Platt musste er sich gewöhnen.

Ehrlicher zu als in der Nobelgastronomie

Mittlerweile steht für ihn fest: „Auf dem Land geht es um vieles ehrlicher zu als in der Nobelgastronomie. Aber Menschen sind Menschen und letztlich Gäste.“

Hannes Bak stammt gebürtig aus Bremerhaven und hat den Beruf des Kellners gelernt. „Mein Vater hat damals geschimpft“, erinnert er sich. Doch Hannes setzte sich durch. „Ich bin heute noch froh darüber, denn der Beruf hat mir menschlich sehr viel gegeben.“ Dankbar sei er vor allem seinen Ausbildern, die ihm Selbstvertrauen gegeben haben.

Baks Karriere begann in einem kleinen Hotel in Bremerhaven. Der Jungkellner arbeitete sich hoch. Später wechselte er ins Parkhotel Bremen. Dort beobachtete er die Jungs an der Bar und entschied, Barkeeper zu lernen.

Mit 21 Jahren hatte er bereits eine kleine Bar in Norddeich, später arbeitete er in New York. Von dort ging es ins Münsterland. „Da habe ich meine Frau kennengelernt.“ Die beiden kannten sich bereits aus dem Parkhotel. Richtig gefunkt habe es aber erst im Münsterland.

Höhen und Tiefen erlebt

Auch Elke Bak ist in und mit der Gastronomie groß geworden. Ihre Großeltern führten das Bassumer Gasthaus zum Paradies, später hieß es Kaisers Tanzpalast, heute Haake. Logisch, dass die junge Frau Hotel- und Gaststättengehilfin lernte, später in Bremen, der Schweiz und im Münsterland arbeitete.

In den 80er-Jahren kehrten die beiden zurück nach Bremen, heirateten und bekamen eine Tochter. Hin und wieder halfen sie im elterlichen Betrieb. „Irgendwann kam die Frage: ,Wollt ihr das Haus nicht übernehmen?’“, erinnert sich Elke Bak. Es war irgendwie die logische Konsequenz.

Es gab Höhen und Tiefen – und nicht immer ging es fair zu. „Lange hielt sich das Gerücht, dass wir nicht selber kochen“, erinnert sich Bak. Wer auch immer diese üble Nachrede in die Welt gesetzt hatte – sie machte die Runde. Bak: „Das hat schon weh getan. Vor allem meiner Frau.“

Elke Bak ist keine gelernte Köchin, hat sich aber das Kochen von ihrer Mutter abgeschaut – sämtliche Tricks und Kniffe gelernt.

Es war die Zeit der großen Feste. „Damals wurde noch ganz anders gefeiert“, erzählt das Paar. „100 bis 200 Gäste waren keine Seltenheit. Meistens spielte eine Zwei- bis Drei-Mann-Kappelle.“ Heute seien Feiern mit 60 Personen schon groß.

Früher kamen die ersten Gäste morgens um 10 Uhr

Auch die Kneipengänger gibt es nicht mehr. Früher kamen die ersten Gäste bereits morgens um 10 Uhr – Bak hatte kaum den Schlüssel umgedreht, da wurden Bier und Schluck bestellt. „Das waren hauptsächlich Rentner. Die haben den Tag über ihre Runden in den Kneipen gedreht.“ Nachmittags kamen die Arbeiter auf ein Feierabendbier vorbei. „Das wird heutzutage zu Hause getrunken.“

Bak öffnet zwar immer noch um 10 Uhr die Tür. Aus Gewohnheit. Die morgendlichen Gäste aber kann er an einer Hand abzählen.

Auch Vereinsheime und Dorfgemeinschaftshäuser machen den Gastwirten zu schaffen. „Um das einigermaßen auszugleichen, sind wir auf die Straße gegangen – haben die Bewirtung bei Events übernommen“, sagt der Gastwirt. Vor zehn Jahren gründete sich die Wirtegemeinschaft. Anfangs waren es sechs. Übrig geblieben sind Hannes Bak, Andree Meyer und Martin Freye. „Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis“, freut sich Bak. „Wir helfen uns sogar schon mal mit Schnaps aus, wenn der plötzlich aus ist. Das hätten unsere Vorgänger nie gemacht.“

Danke an alle treuen Gäste

Diesen Zusammenhalt möchte er nicht missen. „Solange wir das Haus noch haben, möchte ich in der Wirtegemeinschaft mitwirken.“ Auch seine mobile Bar führt er vorerst weiter. An diesem Wochenende mixt er Cocktails beim Schützenfest in Apelstedt.

Im Rückblick auf die vergangenen 30 Jahre sagen beide: „Wir können uns keinen anderen Beruf vorstellen.“ Danke sagen sie all ihren Gästen, die ihnen und dem Gasthaus die Treue gehalten haben.

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