Vor 20 Jahren begann die Stadt Bassum mit dem Rückbau der Bremer Straße / Napoleon ließ die Heerstraße erbauen

Vierspurige Rennstrecke – das war einmal

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Erbaut als Fernstraße mit Steinpflaster: die Bremer Straße

Bassum - Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit begeht die Bremer Straße in Bassum in diesem Monat einen besonderen Geburtstag. Vor 20 Jahren wurde mit dem Rückbau und der Entsiegelung der Straße begonnen. Die Betonung liegt auf „fast unbemerkt“. Denn den Mitarbeitern des Bassumer Stadtarchivs entgeht ein derartiges Datum nicht. Sie haben für unsere Zeitung alte Fotos herausgesucht und in die Unterlagen geschaut, um etwas mehr über den Rückbau zu erfahren.

Noch vor 20 Jahren war die Bremer Straße die meist befahrene Straße der Stadt. „16000 Fahrzeuge schoben sich Ende der 1980er-Jahre täglich durch die Bremer Straße, 10000 waren es in der Sulinger Straße“, erinnert sich Stadtarchivar Michael Junge. Ganz Bassum sei ein einziger Stau gewesen – durch die Bahnschranken. Bis zu 20 Minuten Wartezeiten vor den Schranken waren keine Seltenheit. Es gab keine Alternative.

Von Aachen über Köln

bis nach Hamburg

Die Ratsvertreter wollten vor allem den Schwerlastverkehr aus der Innenstadt lotsen. Aus diesem Grund wurde die Umgehungsstraße gebaut. Um zu vermeiden, dass die Bremer Straße trotzdem noch als Abkürzung genutzt wird, bauten die Planer die Straße zurück – quasi um sie unattraktiv zu machen.

Die Fertigstellung der neuen B51 (1994) war Vorbedingung für den Rückbau der Bremer Straße.

Archiv-Mitarbeiter Jochen Meyer erinnert sich: „Die vierspurige innerstädtische Rennstrecke wurde wieder auf zwei Fahrbahnen zurück gebaut, die Fahrspuren wurden durch schwungvolle Kurvenführungen verschwenkt sowie Mittel- und Seitenstreifen mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt.“ Trotz gewisser anfänglicher Skepsis der Bassumer müsse den Stadtvertretern zugestanden werden, dass sie ihr Ziel erreicht hätten. Meyer: „Der Fernverkehr, insbesondere der Lkw-Verkehr, wird durch die slalomartige Verkehrsführung weitgehend aus dem innerstädtischen Bereich fern gehalten.“

Als wichtigste Durchgangsstraße für Bassum war die Bremer Straße ständigen Veränderungen unterworfen. Erbaut worden ist sie vor mehr als 200 Jahren (1810 bis 1812) im Auftrag von Napoleon als große Heerstraße, die durchgängig von Aachen über Köln, Münster und Bremen bis nach Hamburg verlief. Meyer: „Sie war damals eine der wenigen Fernstraßen mit Steinpflaster.“

Im Lauf der weiteren Jahrzehnte wurden die Seitenränder mit Lindenbäumen bepflanzt. Teilweise sogar doppelreihig, so dass der besondere Charakter einer Allee entstand. Der Beiname „Lindenstadt“ für Bassum war damals allgemein gebräuchlich; Lindenblätter zieren auch das Stadtwappen. Doch der rapide zunehmende Verkehr, die notwendigen Leitungen zur Versorgung und Entsorgung und das inzwischen beachtliche Alter der Bäume erforderten ein Umdenken, das dann zum Bau der vierspurigen Ausfallstraße führte. Laut Meyer muss das Ende der 60er-Jahre gewesen sein. Mittlerweile ist Bassum wieder grün.

Wer mehr darüber erfahren möchte oder über andere historisch interessante Ereignisse, sollte sich an das Archiv wenden. Die Mitarbeiter sind am kommenden Dienstag, 3. November, von 16 bis 18 Uhr vor Ort; in der Turnhalle an der Fr.-Ludwig-Jahn-Straße, unter Telefon 04241/5384.

al

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