Tankautomat ab Januar

40 Jahre zwischen Zapfhahn und Zuhause - Ehepaar Blöte hört auf

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Nach 40 Jahren gehen Monica und Jonny Blöte in den Ruhestand.

Neubruchhausen - Es ist 1979. Wagen rollen auf die Tankstelle in Neubruchhausen. Die Tür zu dem kleinen Shop schwingt auf und eine junge Frau und ein junger Mann kommen heraus. Sie sind Mitte und Ende 20. Beide greifen zu den Schläuchen und betanken die Fahrzeuge der Kunden. Anschließend werden die Scheiben geputzt oder die Wagen sogar komplett gewaschen. Das Geld dafür bekommen sie bar auf die Hand. Oder die Summe wird auf einer Karteikarte vermerkt und am Ende des Monats abgerechnet.

Das junge Ehepaar Blöte hat sich für einen großen Schritt entschieden: Sie haben eine Tankstelle gepachtet und das Haus auf dem Gelände bezogen. Der alte Pächter hatte einen Nachfolger gesucht. Jonny, der in Bassum als Automechaniker gearbeitet hat, wollte mal etwas anderes machen und selbstständig sein. Er konnte seine Monica, die bei einer Versicherung beschäftigt war, davon überzeugen, sich auf das Abenteuer einzulassen. Aber erst mal läuft der Pachtvertrag nur für drei Jahre, denn sie wissen ja noch gar nicht, ob ihnen die Arbeit gefällt.

Heute sitzen Monica und Jonny in dem kleinen Büro, das an den Shop der Tankstelle grenzt und lächeln. 40 Jahre sind vergangen – und sie haben ihre Entscheidung nie bereut. „Uns hat einfach alles an der Arbeit gefallen, vor allem der Kontakt zu den Kunden und dass sie sich so gut mit der Familie vereinbaren ließ. Die Kinder sind hier großgeworden und auch die Enkel haben großen Spaß daran, am Sonntag Brötchen in Tüten zu packen.“

Doch diese Zeit neigt sich dem Ende entgegen. Mit dem neuen Jahr beginnt für das Ehepaar aus Neubruchhausen ein neuer Lebensabschnitt. Sie gehen in den Ruhestand, wollen mehr Zeit für ihre Enkel und um zu reisen. Der Shop wird geschlossen, die Tankstelle bleibt.

„Auf der einen Seite freuen wir uns auf den Ruhestand“, sagt Monica. „Auf der anderen Seite ist da auch Wehmut. Die Kunden werden uns schon sehr fehlen.“

Eine laute Klingel ertönt. Ein Kunde hat den Shop betreten. Jonny steht auf, geht hinüber und grüßt freundlich. Das passiert sicher sieben- oder achtmal in der Stunde. Und das an sieben Tagen in der Woche. Wird man da nicht verrückt? Monica lacht: „Das haben uns Freunde auch gefragt. Aber wir sind daran gewöhnt.“ Sie wirft einen Blick ins Esszimmer, das neben dem Büro liegt: „Darauf freuen wir uns auch: mal ohne Unterbrechung essen zu können.“

In den 40 Jahren hat das Ehepaar viele Veränderungen miterlebt. Zum Beispiel als 1982 auf Selbstbedienung umgestellt wurde. Oder als die ganzen Umweltauflagen kamen und BP sich weigerte, die Umrüstungen zu bezahlen. Daraufhin suchten sich Monica und Jonny einen neuen Partner – und fanden ihn bei Classic Tankstellen (Firma Lühmann) aus Hoya. 1998 wurde aus BP dann Classic.

Inzwischen zahlen fast alle Kunden mit Karte. Die Zeiten, in denen sich am Wochenende Schlangen vor der Tankstelle bildeten, sind vorbei. „Heute schauen die Leute auf ihre App und kommen, wenn das Benzin günstig ist“, sagt Monica.

Die 63-Jährige hat meist im Laden gearbeitet, während Jonny in der Werkstatt stand. Privatleben und Arbeit waren eng miteinander verwoben. „Da sind wir, während wir den Weihnachtsbaum geschmückt haben, zwischendurch immer mal wieder in den Laden gesprungen.“

Nebenbei zogen sie ihre beiden Söhne groß und erlebten auch die eine oder andere kuriose Geschichte. „An einem Abend fütterte ich gerade meinen Sohn, als es draußen laut knallte und zischte. Ich packte nur mein Kind und rannte raus, weil ich dachte, jetzt explodiert das Haus. Aber es war nur ein Kunde, der eine Zapfsäule umgefahren hatte“, berichtet Monica schmunzelnd. Ein anderes Mal saß die Familie gerade beim Weihnachtsessen, als ein Kunde verzweifelt an der Tür klingelte: Er brauchte dringend noch ein Geschenk.

„Wir haben viele schöne Dinge erlebt“, sagt Monica. Die verdanken sie ihren Kunden, die hauptsächlich Stammkunden sind. „Manche kommen seit 40 Jahren. Da kennt man sich, legt schon die Ware bereit, wenn man den Kunden kommen sieht, weil man weiß, was er kaufen möchte. Man hat deren Kinder aufwachsen sehen, die irgendwann selber mit dem Auto kamen. Wir möchten ihnen allen für ihre Treue danken.“

Anfang 2018 kam der Tankautomat auf die Tankstelle. Und ab dem 1. Januar wird er der Einzige sein, der dort die Kunden mit Kraftstoffen versorgt. Dann wird sie zu einer reinen Automatentankstelle. Blötes geben ihren Arbeitsplatz in die Hände ihres langjährigen Geschäftspartners Classic, der die Tankstelle von dem Paar mietet und auch für den Automaten verantwortlich ist.

Angst brauchen die Kunden davor nicht haben, versichert das Unternehmen, „Der Vorgang am Tankautomaten wird Schritt für Schritt auf dem Display erklärt. Sie stecken ihre Karte ein und werden dann angewiesen, was zu tun ist.“

Der Automat arbeitet von 6 bis 22 Uhr. Gezahlt werden kann mit der EC-Karte, Roadrunner Tank- und Servicekarte, Master- und Visa-Card. Wenn doch mal Fragen auftreten, hilft Heike Schön unter der Telefonnummer 04251/81263 weiter.

„Und im Notfall sind wir ja auch noch da“, beruhigt Monica Blöte. „Wir bleiben ja hier wohnen.“

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