Auszeichnung für Dr. Christoph Lanzendörfer

40 Jahre im Rat: „Respekt!“

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Heiger Scholz überreicht Dr. Christoph Lanzendörfer eine Urkunde. 

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Respekt!“ Für 40 Jahre Ratszugehörigkeit wurde am Dienstagabend Dr.  Christoph Lanzendörfer (SPD) vom Hauptgeschäftsführer Heiger Scholz vom Niedersächsischen Städtetag persönlich ausgezeichnet. Scholz musste sich lange gedulden, denn die konstituierende Sitzung des neuen Rates zog sich in die Länge. Er nahm es mit Humor. „Da bin ich von Ihnen doch ganz anderes gewohnt.“

Er sei gerne gekommen, betonte Scholz. 40 Jahre Engagement sei nicht selbstverständlich. „Es ist ein seltenes Ereignis.“

Heiger Scholz nahm die Zuhörer mit auf einen kurzen Streifzug durch die Geschichte. Er erinnerte an heftige Herrschaftswechsel, die Bassum im Laufe der Jahrhunderte erlebt habe. „Für uns ist es heute selbstverständlich, dass es Bürger im Rat gibt.“ Doch die kommunale Selbstverwaltung sei eben nicht selbstverständlich. „Es gab eine Zeit, da durften im Rat nur Landwirte sitzen, die ihre Böden mit Pferden beackerten.“ Knechte oder gar Frauenzimmer waren vom Wahlrecht ausgeschlossen. Das Frauenwahlrecht sei gerade mal 100 Jahre alt. „Da tut es weh, wenn man sich die Wahlbeteiligung heutzutage ansieht“, so Scholz.

Die Freiheit, die die kommunale Selbstverwaltung den Bürgern bietet, funktioniere aber nur, wenn es Menschen gibt, die sich engagieren – im Ehrenamt. Wobei es mit der Ehre nicht so weit her sei, weiß Scholz und nannte ein Beispiel aus eigener Erfahrung. Nach endlosen Diskussionen und Beratungen, vielen Sitzungen und hunderten Seiten Beschlussvorlagen, sei endlich ein Projekt auf den Weg gebracht worden. „Dann geht man am nächsten Morgen Schwimmen, steht unter der Dusche und wird gleich angemault: ,Was habt ihr da denn wieder für einen Scheiß gemacht.’“

Scholz weiß: Der einzelne Bürger sei überzeugt davon, dass sein Anlieger wichtiger sei als alles andere. Und nur er selbst Ahnung habe und niemand sonst.

„Wie hält man das als Kommunalpolitiker aus?“, fragte er in die Runde. „Und vor allem, warum?“ Die Antwort folgte prompt: Das habe weder etwas mit Masochismus zu tun noch mit der Überzeugung der eigenen Wichtigkeit. „Es ist Verantwortungsbewusstsein“, lobte Scholz. Sonst könne keiner dieses Amt 40 Jahre lang ausüben. „Es kommt darauf an, Dinge auf den Tisch zu bringen.“

Lanzendörfer soll einmal gesagt haben: ,Ich möchte die Entwicklung mitgestalten, um später selbst noch frei und sozial leben zu können’. Scholz: „Ein wenig hinterlassen, dass die Welt ein kleines bisschen besser wird.“

Der Vertreter des Städtetages kennt den SPD-Chef als durchaus „streitbaren Ratsherren“. „Und Sie sind vermutlich auch nicht einfach. Das soll auch nicht ihr Anspruch sein, einfach zu sein für die Verwaltung.“

Vielmehr sei Lanzendörfer das Gedächtnis des Rates. Für den Einsatz und den Willen zollte Scholz dem Ratsherren seinen Respekt.

Christoph Lanzendörfer bedankte sich für die warmen Worte. Er versuchte zu erklären, was ihn antreibt. Als Juso sei er ein Verfechter der direkten Demokratie gewesen. Mittlerweile sieht er die repräsentative Demokratie und die direkte Demokratie als ergänzende Bestandteile. „Die Betroffenheit des Einzelnen darf nicht als erstes stehen. Das Wir entscheidet.“ Er freue sich auf die kommenden fünf Jahre, sagte er – und seine Ratskollegen mit ihm. Sie spendeten laut Beifall.

Auch Bürgermeister Christian Porsch ließ es sich nicht nehmen, dem alten Hasen im Rat zu gratulieren.

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