Hannah Brankow erhält Auszeichnung

Jahrgangsbeste Landwirtin in Bassum ausgebildet: „Irgendwann weiß ich mehr als die Jungs“

Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Schwetje (links) und Kultusminister Grant-Hendrik Tonne gratulieren Hanna Brankow.
+
Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Schwetje (links) und Kultusminister Grant-Hendrik Tonne gratulieren Hannah Brankow.

Weibliche Azubis in der Landwirtschaft sind weiterhin eher selten. Doch Hannah Brankow hat bewiesen, dass sich Leidenschaft für den Beruf auszahlen kann.

  • Bester Landwirtschafts-Azubi in Niedersachsen lernte in Bassum
  • Hannah Brankow landete mit Bassumer Hof Glücksgriff
  • Aus Ferien auf dem Bauernhof wurde Leidenschaft für Landwirtschaft

Bassum - Hannah Brankow ist verzweifelt. Ihr zweites Praxisjahr in ihrer Ausbildung zur Landwirtin hat begonnen. Doch während sie sich auf dem Betrieb in ihrem ersten Jahr pudelwohl fühlte, passt es auf dem zweiten einfach nicht. Und weil ein Jahr ziemlich lang werden kann, wenn man sich mit den Menschen nicht versteht, mit denen man täglich arbeitet und bei denen man wohnt, sucht sie nun händeringend einen neuen Hof.

Viele Plätze sind schon belegt. Die Landwirte, die noch etwas frei haben, reagieren skeptisch auf ihre Anfrage. „Für wen suchen Sie denn?“, wollen manche wissen, die sich offenbar nicht vorstellen können, dass eine Frau Landwirtin werden möchte. Andere fürchten wohl, dass sie sich mit Hannah eine schwierige Auszubildende ins Haus holen, da sie so kurz nach Beginn wechselt. 

Bassumer Hof ist Glücksfall für Hannah Brankow

Da gibt ihr eine Ausbildungsberaterin die Nummer der Familie Möhlenhof in Bassum. Heimke Möhlenhof nimmt den Anruf entgegen. Als Hannah auflegt, ist sie positiv beeindruckt: „Das war so ein nettes Telefonat.“ Aber auch Heimke Möhlenhof hat einen guten Eindruck von der jungen Frau gewonnen und informiert ihre Familie: „Die klingt ganz nett!“

Hannah Brankow, die aus Uetze stammt, kommt nach Bassum, um die Familie kennenzulernen. „Wir haben uns sofort verstanden“, sagt Hannah. „Ich fand es auch super, dass ich auf dem Hof die Möglichkeit haben würde, mit Schweinen zu arbeiten und etwas über Ackerbau zu lernen. Bisher war ich in einem reinen Milchviehbetrieb. Es passte alles.“ Das bestätigen auch Cord Möhlenhof und Tochter Viktoria. „Es war spannend, wie Hannah gleich bei vielen Dingen nachfragte und sich für Zusammenhänge interessierte.“ Die junge Frau bekommt den Platz. Das war vor etwa einem Jahr. Bereut hat Familie Möhlenhof keine Sekunde, ihr die Chance gegeben zu haben. Nicht nur, weil es menschlich harmonierte. Im November wurde Hannah als beste Auszubildende ihres Jahrgangs in ganz Niedersachsen im Beruf Landwirt/in ausgezeichnet.

Cord und Viktoria Möhlenhof freuen sich, dass sie Hannah Brankow ausbilden und ihr weiterhelfen konnten.

Noch heute gerät Cord Möhlenhof ins Schwärmen, wenn er von seiner ehemaligen Auszubildenden spricht. „Alles, was man ihr erzählt hat, hat sie sofort aufgenommen, konnte es verknüpfen und umsetzen. Aber sie war auch praktisch begabt. Beim Berufswettbewerb, an dem sie teilnahm, musste sie beispielsweise aus einer Mutter und einer Maschinenschraube einen Flaschenöffener machen.“ Interessant dabei sei, das Hannah gar nicht aus der Landwirtschaft komme.

Ihre Liebe zum Beruf wurde durch Ferien auf dem Bauernhof geweckt, als sie noch ein Kind war. „Ich durfte mithelfen, die Kühe und Schweine zu versorgen und mit acht Jahren meine erste Kuh melken. Das war total schön und faszinierend.“ Als das Thema Berufswahl auf den Tisch kam, erinnerte sich Hannah an diese Zeit und machte ein Praktikum in einem Milchviehbetrieb. „Als ich in den Stall kam und den Geruch einatmete, kamen sofort die ganzen positiven Erinnerungen wieder hoch“, sagt Hannah. Das sei noch heute so.

Aus Praktikum wurde ein Ferienjob und mehr

Aus dem Praktikum wurde in Ferienjob. Nach dem Realschulabschluss stand für sie fest: Ich werde Landwirtin. Die Begeisterung der Eltern hielt sich in Grenzen: „Gott, so eine schwere Arbeit! Gegen die Jungs kannst du dich da doch nicht behaupten!“ Hannah blieb stur: „Irgendwann weiß ich mehr als die Jungs!“ Sie ging an eine Berufsbildende Schule mit landwirtschaftlichem Schwerpunkt in Hildesheim, wo sie ihr Abitur machte. Danach war die Skepsis verschwunden. Besonders der Papa war stolz, dass seine Tochter jetzt den Treckerführerschein hat und sich mit schwerer Technik auskennt.

Die Scheu vor den Geräten hat Hannah auch bei Möhlenhofs verloren. „Nach dem dritten Tag fragte Cord, ob ich schon mal mit einer Drille gearbeitet habe. Er zeigte mir, wie es geht, und als ich dann mein eigenes Feld bearbeitet hatte, hab ich mich total gefreut. Immer, wenn ich beim Umgang mit der Technik unsicher war, halfen er oder Viktoria mir und sagten: ,Das kriegst du schon hin’.“

Hannah Brankow „ehrgeizig, zuverlässig und umsichtig“

„Es hat Spaß gemacht, sie auszubilden“, sagt Cord Möhlenhof. „Sie war ehrgeizig, zuverlässig und umsichtig. Bei der Königsdisziplin, dem Pflügen, war sie erst unsicher und hat es dann ganz cool gelernt. Weil sie immer mehr wissen wollte, haben wir sie auch zur Ackerbauberatung mitgenommen, so dass sie an einer Feldbegehung teilnehmen konnte.“

Dann stand die Prüfung an. Erst Theorie, dann Praxis auf einem Hof im Ammerland. Im Anschluss bekam Hannah ihr Zeugnis, auf dem die 1,11 prangte. „Damit hatte ich nicht gerechnet.“ Auch Möhlenhofs waren beeindruckt: „Donnerwetter, dachte ich, als sie es uns zeigte“, erinnert sich Cord Möhlenhof.

Als dann herauskam, dass Hannah das beste Ergebnis in ganz Niedersachsen hat, waren sie und ihre Ausbilder völlig aus dem Häuschen. „So etwas hast du wohl auch nur einmal im Leben“, sagen Cord und Viktoria. „Wir freuen uns, dass wir gemerkt haben, dass sie etwas kann und sie fördern konnten.“

Studium der Landwirtschaft in Osnabrück

Zurzeit studiert Hannah Landwirtschaft in Osnabrück. Wie es danach weitergeht, weiß sie noch nicht. Ausbildungsberaterin bei der Landwirtschaftskammer kann sie sich vorstellen. Oder vielleicht auch mal einen eigenen Betrieb leiten, denn den Beruf des Landwirts liebt sie noch immer. „Ich mag es, mich um die Tiere und Pflanzen zu kümmern und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht. Das versucht jeder Landwirt, sonst hat er keinen Erfolg. Wer Tieren schadet, schadet sich nur selbst. Außerdem ist es eine tolle Vorstellung, dass ich durch meinen Beruf etwa 150 Menschen ernähre. Diese Verantwortung treibt an.“

Eine Sache sorgt aber auch bei Hannah noch für Stirnrunzeln. „Wenn ich mit dem Trecker fahre, starren mich manche so verdattert an, als hätten sie noch nie eine Frau am Steuer von so einem Fahrzeug gesehen. Dabei sollte das doch heutzutage völlig normal sein.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Meistgelesene Artikel

Der K70 vom Ätna: Andreas Kernke aus Drebber holt Volkswagen-Klassiker eigenhändig von Sizilien ab

Der K70 vom Ätna: Andreas Kernke aus Drebber holt Volkswagen-Klassiker eigenhändig von Sizilien ab

Der K70 vom Ätna: Andreas Kernke aus Drebber holt Volkswagen-Klassiker eigenhändig von Sizilien ab
5 D: Rettung für Schweinehalter?

5 D: Rettung für Schweinehalter?

5 D: Rettung für Schweinehalter?
Dem Hospiz „Zugvogel“ in Sulingen helfen von nah und fern

Dem Hospiz „Zugvogel“ in Sulingen helfen von nah und fern

Dem Hospiz „Zugvogel“ in Sulingen helfen von nah und fern
Austritt wegen 2G im Diepholzer Theater: „Missbillige diese Art der Ausgrenzung“

Austritt wegen 2G im Diepholzer Theater: „Missbillige diese Art der Ausgrenzung“

Austritt wegen 2G im Diepholzer Theater: „Missbillige diese Art der Ausgrenzung“

Kommentare